Frank Albers: Neues Jahr, neues Glück?

Hier geht es um das perfekte Fleisch. Frank Albers darüber, welche Herausforderungen 2019 auf ihn als Fleischimporteur zukommen werden.
Februar 19, 2019 | Fotos: beigestellt

Was haben wohl der Brexit, Donald Trump, die australische Dürre und der japanische Premierminister gemeinsam? Alle vier haben etwas mit der Gastronomie zu tun. Denn: Sie alle haben Einfluss darauf, was aktuell und in Zukunft für High-End-Fleisch in Deutschland bezahlt wird.
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Nach wie vor sind die besten Fleischqualitäten in Irland, den USA, Japan und Australien zu finden. In Deutschland ist eine kontinuierliche und kulinarisch wertvolle Qualität, auch auf lange Sicht, nicht herstellbar. Es ist also für meinen Businesspartner Udo und mich überlebenswichtig, das weltweite Tagesgeschehen im Blick zu haben. Es folgt ein kleiner Einblick in das, was uns aktuell beschäftigt.
Der Brexit: Nein, wir kaufen kein Fleisch in Großbritannien, aber in Irland, das als Herkunftsland des besten trocken gereiften Fleisches unfreiwillig in das Problem Brexit hineingezogen worden ist. Großbritannien will am 29. März die EU verlassen. Bisher macht sich zweimal die Woche ein Lkw unseres Partners John Stone aus Longford im Herzen der irischen Insel auf den Weg zu uns. Er setzt dabei über nach England und dann auf den europäischen Kontinent. Im Moment ist noch unklar, wo die Grenzen in Zukunft verlaufen, geschweige denn, wie der Zoll geregelt werden wird. Wir hoffen auf gleichbleibende Preise, werden aber abwarten müssen
Donald Trump: Für uns ist der US-Dollar ein enorm wichtiger Faktor beim Einkauf von Fleisch in den USA. Vor Trump konnte man einigermaßen vorhersehen, ob und vielleicht auch wie sich der Dollarkurs in den nächsten Tagen bewegen wird. Seit Trump ist das nicht mehr möglich und die Währungsexperten lagen im letzten Jahr regelmäßig daneben. Auf Twitter hat Trump knapp 60 Millionen Follower und seine Tweets werden über die traditionellen Medien regelmäßig noch weiter verbreitet. Seine Tweets können von jetzt auf gleich alles ändern. Wir hoffen also, dass irgendeine dieser Kurznachrichten den Dollar ab- oder den Euro aufwertet, damit wir in den USA günstiger US-Beef für euch einkaufen können.
Die australische Dürre: Auf Regen hoffen wir für die australischen Rancher und Farmer, damit „the big dry“ endlich ein Ende hat. Seit Monaten, in manchen Gegenden sogar seit Jahren, hat es in New South Wales und Queensland kaum geregnet, was das Züchten der Jack’s-Creek-Rinder für unsere australischen Partner, die Familie Warmoll, extrem aufwendig macht. Zu unserem Glück sind sie lange genug im Geschäft, um auch diese Herausforderung zu meistern und uns weiterhin ihr international preisgekröntes Wagyu- und Black- Angus-Beef zu schicken.
Der japanische Premierminister: Unter Shinzo Abe ist Japan seit dem 1. Februar in ein Freihandelsabkommen mit der EU eingetreten. Es ist nicht irgendein Abkommen, denn damit hat sich die größte Freihandelszone der Welt gebildet. Für beide Seiten fallen jetzt sämtliche Zölle weg und natürlich gilt das auch für Wagyu- und Kobe-Beef. Die Wirkung ist so stark, dass sich das Abkommen direkt auf unsere Verkaufspreise auswirkt: Sobald die vor dem 1. Februar importierten Bestände aufgebraucht sind, erwarten euch niedrigere Preise für japanisches Fleisch.
Und so dreht sich das große Rad immer weiter, mal für, mal gegen uns, und gibt die Tendenzen vor, welche die Basis für unsere Verkaufspreise bilden. Wie sich das Ganze dann konkret auf die Einkaufspreise auswirkt, hängt zusätzlich von Angebot und Nachfrage ab. Aber das ist eine Geschichte, die ich ein anderes Mal erzählen werde.

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