Wein am Limit Folge 243 – Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

Dieses Video beschäftigt sich mit der Frage, wie voll oder leer das Glas sein soll? Doch so banal, wie es scheint, ist dieses Thema nicht.
Mai 10, 2016

Dieses Video beschäftigt sich mit einer der größten Trivialitäten des Weingeschäftes. Wie voll soll oder leer das Glas sein? Doch so banal, wie es scheint, ist dieses Thema nicht. Denn anhand der Summe der Kleinigkeiten erkenne ich, ob ein Sommelier, Kellner oder Weinfreund mit Gefühl bei der Sache ist. Es ist eine Marginalie, die unbewusst viel aussagen kann. Den Grobmotorikern unter uns ist es egal und fällt gar nichts auf: Hauptsache voll! Natürlich gibt es Unterschiede. In England sind in den meisten Restaurants die Wassergläser größer als die Weingläser. In Südafrika bekommt man die Humpen vollgeschenkt wie auf einem hiesigen Weinfest. Wahrscheinlich hat man alle Kellner des Landes dahingehend dressiert. In Portugal wird der Wein umständlich auf dem Tablett eingeschenkt. In Frankreich besteht der Probeschluck für den ein oder anderen Kollegen aus 0,2 Liter, vor allem bei den guten Sachen. Andere Länder andere Sitten. Wir ertragen es und nehmen es mit Humor. Jeder kann man machen was er will und das Letzte, was ich mit dieser Show erreichen möchte, Euch zu bevormunden. Da es den Walinauten aber in erster Linie um die Verfeinerung des Geschmacks und der Wahrnehmung geht, wollen wir in der heutigen Folge dem gepflegten Glas-Einschenk-Genuss huldigen. Ich bin sehr gespannt auf Eure Ansichten, Beobachtungen und Kommentare. Der heutige Wein stammt von der Kanaren Insel „La Palma“ im Atlantik. Seit 1885 bewirtschaftet die Familie Torres die Weinberge auf den Vulkanböden dieses Naturparadieses. Die Lage „Macuqueras“ in Fuencaliente liegt auf 450-500 Meter Höhe über dem Meer. Die wurzelechten Listan Blanco Reben ergeben Minierträge aus den im Schnitt 70 Jahre alten Stöcken, von denen die ältesten über 100 Jahre alt sind. Der Wein wurde für 7 Monate auf der Hefe in gebrauchten 600 Liter Tonneaux gereift. Er wurde ohne Schönung und Filtration abgefüllt. Der „Macuqueras“ trinkt sich am besten zwischen 12-17 ° C und am besten wird er für ein paar Stunden vorab karaffiert. Denn so einen kristallklaren ungewöhnlichen Wein bekommt man selten vor die Nase. Er riecht extrem steinig und hat einen Duft von Steinobst, mit getrockneten Kräutern. Im Geschmack ist er konzentriert, intensiv, aber nicht schwer und verfügt über eine angenehme salzige Bitterkeit. So, als wenn man Steine leckt. Während viele Weine von den Kanaren ein schönes Urlaubserlebnis sein können, funktioniert dieser delikate Saft auch in unseren Breitengraden z.B. zu Muschelgerichten (Venus oder Pfahlmuscheln) und gegrillter Dorade. Ein echter Wein am Limit. Ich wünsche Euch ein frohes Weihnachtsfest, entspannt Euch und genießt die Zeit mit Menschen, die ihr gerne habt und liebt. Danke für Treue in diesem für Wein am Limit aufregendem Jahr. Wir sehen uns noch einmal kurz vor Sylvester.

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