Das Erbe des Empire

The Savoy gilt als Aushängeschild der Hotellerie Londons. Rolling Pin besuchte dieses ehrwürdige Haus und sprach mit dem Maître Chef des Cuisines, dem gebürtigen Österreicher, Georg Fuchs.
November 13, 2015

Das Hotel Savoy in London von aussen Die Weltmetropole London ist bekanntlich nicht gerade arm an Hotels der Spitzenklasse. Die renommiertesten Hotelgruppen sind in dieser – einst wie jetzt – faszinierenden Millionenstadt ebenso vertreten wie individuell geführte Tophäuser. Eine besondere Stellung nimmt aber seit jeher das Savoy ein. Schon der Name hat eine unvergleichliche Aura und gilt als Synonym für die Welt der Reichen und Schönen.

Bereits seine Lage zwischen der City und dem Londoner West End zeichnet dieses Haus aus. Direkt am Themseufer gelegen, offenbart das Hotel dem Besucher einen herrlichen Ausblick auf den Fluss und die dahinter liegende Skyline – einen Ausblick, den schon Claude Monet bei seinen Aufenthalten im Savoy auf Leinwand bannte. Der Trafalgar Square ist ebenso nah wie die National Gallery oder der Covent Garden, und auch Westminster Abbey und Houses of Parliament sind bequem zu Fuß zu erreichen. Nicht zuletzt liegen die City of London als Finanzzentrum, die nobelsten Einkaufsstraßen sowie das Royal Opera House, die English National Opera und zahlreiche Theater in unmittelbarer Nähe. Vermutlich war es auch diese Nähe zu den kulturellen Einrichtungen, welche das Savoy einst nicht nur zu einem Treffpunkt der feinen Londoner Gesellschaft, sondern auch zum bevorzugten Aufenthaltsort für Berühmtheiten aus der Film-, Theater und Opernszene machte.

Begonnen hat alles am 6. August des Jahres 1889, als das Savoy offiziell seine Pforten öffnete. Das geistige Kind von Richard D’Oyly Carte, seines Zeichens Impressario des berühmten Komponistenduos Gilbert und Sullivan, wartete nach fünfjähriger Bauzeit und immensen Investitionen mit noch nie da gewesenen Attraktionen auf, darunter elektrischem Licht in allen Räumen und für die damalige Zeit unglaublichen 67 Badezimmern. Schon damals erwarb das Savoy den Ruf, beste britische Tradition mit bahnbrechender Innovation auf harmonische Weise zu kombinieren.

Ein gutes Gespür bewies Richard D’Oyly Carte auch bei der Auswahl seiner Mitarbeiter: Als Hotelmanager engagierte er den Schweizer Hotelier César Ritz, und als Küchenchef konnte er niemand Geringeren als den legendären Auguste Escoffier gewinnen – für viele noch heute der beste Koch der Welt. Bald schon konnte man den späteren König Eduard VII oder die berühmte Sarah Bernhardt zum erlauchten Gästekreis zählen.

Ein Haus voller Geschichte und Geschichten

In den folgenden Jahren erlebte das Savoy zahlreiche Ausbauten, die stets von neuem die Gelegenheit boten, die neuesten technischen und architektonischen Errungenschaften zum Zuge kommen zu lassen. Das Savoy war Schauplatz rauschender Feste – das wohl opulenteste war ein „Gondola Dinner“ des mit Champagnerproduktion und Wallstreet-Geschäften zu großem Reichtum gelangten George Kessler, für das neben 400 venezianischen Lampen, einer Gondel mit 12.000 Nelken, einer fast zwei Meter hohen Geburtstagstorte und einem kleinen Elefanten auch Caruso für ein Ständchen herangekarrt wurde. Die Mitglieder des Königshauses waren zu dieser Zeit so oft zu Gast, dass man jene Glocke, welche die Ankunft eines der Royals anzukündigen pflegte, kurzerhand entfernen musste.

Auch in der Zwischenkriegszeit gab es kaum eine berühmte Persönlichkeit, die bei einem London-Aufenthalt nicht im Savoy zu sehen war – indische Maharadschas zogen mit ihrem Hofstaat ein, die Pavlova gab Kostproben ihres tänzerischen Könnens, und der Erzbischof von Canterbury amüsierte sich im Kabarett. Die beiden Tanzkapellen des Hauses, The Savoy Orpheans und The Savoy Havana Band, waren im Jahre 1923 die ersten Musikformationen, deren Darbietungen regelmäßig aus einem Hotel übertragen wurden: Die BBC-Radiosendung „Dance Music from The Savoy Hotel in London“ lockte damals Millionen Menschen in aller Welt an die Radiogeräte. So erstaunt es auch nicht, dass George Gershwin im Ballsaal des Savoy zum ersten Mal seine „Rhapsody in Blue“ anspielte.

Doch auch nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Savoy nichts von seiner Attraktivität für Prominenz aus Kunst, Politik und Wirtschaft eingebüßt. Winston Churchill verkehrte hier ebenso wie die frisch vermählte Prinzessin Elisabeth. Diese bestieg wenig später als Königin Elisabeth II den Thron, und der offizielle Krönungsball fand – wie nicht anders zu erwarten – im Savoy statt. Charlie Chaplin stieg hier bei seinem ersten Besuch in der alten Heimat ab, nachdem er in Hollywood Karriere gemacht hatte, Elisabeth Taylor verbrachte hier ihre ersten Flitterwochen, und Marilyn Monroe sorgte hier bei einer Pressekonferenz für einen noch nie da gewesenen Andrang.

Die Namen all der „Celebrities“ aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind Legion, und zu den Adeligen, Politikern, Industriemagnaten und Leinwandschönheiten kommen heutzutage auch immer mehr Popstars wie Elton John oder die Band U2 hinzu. Fast 116 Jahre sind nun seit seiner Eröffnung vergangen, und das Savoy hat nichts von seinem Zauber eingebüßt: Es wurde von Generationen geprägt und hat Generationen geprägt.

die Lobby des Savoy Hotels in London

Ein Haus für den anspruchsvollen Gast von heute

Mitte der Neunzigerjahre des 20. Jahrhunderts wurde das Savoy abermals umfangreichen Renovierungsmaßnahmen unterzogen, die dem Haus nicht nur modernste Technik, sondern auch eine architektonische Rückbesinnung auf seine Gründerzeit bescherten – Kostenpunkt: rund 60 Millionen Pfund, also etwa 85 Millionen Euro! General Manager Daniel Mann kann wirklich stolz auf „sein Savoy“ sein, wird das Haus durch diese Megainvestition seinem Ruf mehr als gerecht: Tradition und Innovation harmonisch zu verbinden. Bei all seiner Historie präsentiert sich das Savoy heute als durch und durch zeitgemäßes Luxushotel, das mit allen Annehmlichkeiten eines Hauses dieser Kategorie aufwarten kann. 263 im Klassizismus oder Jugendstil gehaltene, aber dennoch individuell gestaltete Zimmer und Suiten warten auf den anspruchsvollen Gast und bieten diesem jeden nur erdenklichen Luxus. Und eine mondäne Fitness Gallery auf dem Dach bildet mit Pool, Saunen, Massage und zahlreichen Schönheitsanwendungen eine Oase der Ruhe und Entspannung inmitten der geschäftigen Millionenstadt.

Selbstverständlich kommt auch das kulinarische Wohl der Gäste nicht zu kurz. Im eleganten „Grill Room“ („The Grill“) zeichnet Küchenchef Marcus Wareing, ein Schüler des gefeierten Gordon Ramsay, mit seinen Kreationen für einen Michelin-Stern verantwortlich. Das mit seinen roten Wänden und cremefarbenen Ledersitzen an einen Straßenkreuzer der Fünfzigerjahre erinnernde „Banquette“ ist ein legereres Restaurant. Frühstück, kleine Mahlzeiten zwischendurch und tolle Cocktails am Abend kann man im „The Thames Foyer“ genießen, wo ein Pianist am Abend für den musikalischen Rahmen sorgt. Sollte der Abend länger werden, empfiehlt sich „The American Bar“, die als eine der populärsten Cocktailbars Londons gilt und ebenfalls mit einem Pianisten aufwartet. Und wer es enger liebt, dem steht die nur 12 Personen fassende „Laurent-Perrier Champagne Bar“ mit einer Riesenauswahl an Champagnern zur Verfügung. Hinzu kommen sieben Räume unterschiedlicher Größe, die nach Opern von Gilbert und Sullivan benannt sind und den idealen Rahmen für Meetings, Partys oder private Diners für 6 bis 100 Gäste bilden. Für größere Anlässe stehen die Ballsäle zur Verfügung: Lancaster Ballroom (150-500 Personen bei Diners, 300-800 Personen bei Empfängen), Abraham Lincoln Room (80-240 bzw. 150-400 Personen) und Manhattan Room (40-120 bzw. 70-200 Personen). Zu guter Letzt präsentiert sich das Savoy Theatre mit seinen 1.130 Sitzplätzen als ideale Konferenzstätte.

Ein Haus mit erstklassigen Mitarbeitern

Das Savoy, das zur noblen Fairmont-Gruppe gehört und gemeinsam mit The Berkeley, Claridge’s, The Connaught, Simpson’s-in-the-Strand und The Savoy Theatre die Savoy Group of Hotels bildet, hat aber nicht nur einen hervorragenden Ruf, sondern kann auch eine lange Reihe an Auszeichnungen vorweisen, welche seine absolute Spitzenklasse eindrucksvoll unterstreichen. Zu den jüngsten der zahlreichen Ehrungen gehören unter anderem „Best Hotel in London“ (International Global Finance Awards 2003 und 2004), „Gold List“ (Conde Nast Traveler 2004), „Best British Hotel 2003“ (Daily Telegraph) oder „Best Hotel in London 2003“ (Global Finance Magazine).

In hohem Maße zu diesem Erfolg beigetragen hat der hohe kulinarische Standard des ehrwürdigen Hauses. Verantwortlich dafür ist seit September 2003 der gebürtige Weststeirer Georg Fuchs, seines Zeichens Maître Chef des Cuisines, also oberster Küchenchef, wenn man so will. Er ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass man im Savoy auch heute noch ein gutes Gespür für die Auswahl der Mitarbeiter hat.
Georg Fuchs wurde in Voitsberg in der Weststeiermark geboren und erhielt in seiner Heimat eine erstklassige Ausbildung. Nach der Lehrzeit im Grazer Schlossberg-Restaurant sammelte er wertvolle berufliche Erfahrungen in Deutschland, auf einem Kreuzfahrtschiff der Royal Viking Line und im Nahen Osten, bevor er seine erste Stelle als Küchenchef im Dan Carmel Hotel in Israel antrat. 1986 stellte er sich der Herausforderung, im Sun City Hotel and Entertainment Centre die Verantwortung für 4.000 Menschen zu übernehmen, um anschließend nach Israel zurückzukehren, wo er im King David Hotel in Jerusalem in die Geheimnisse der koscheren Küche eingeweiht wurde.

1996 hatte er das Vergnügen, die Eröffnung des von Karl Lagerfeld gestalteten Schloss Hotel Vier Jahreszeiten in Deutschland zu leiten. Schließlich folgte die Tätigkeit als Executive Chef im The Langham Hilton, bevor Georg Fuchs im Jahre 2003 die Ehre zuteil wurde, die Position als Maître Chef des Cuisines im ehrwürdigen Savoy zu bekleiden. Dort ist er nicht nur für das kulinarische Wohl der Gäste im „Thames Foyer“, sondern auch in sämtlichen privaten Speiseräumen und Bankettsälen sowie in den Hotelzimmern verantwortlich. Rolling Pin sprach mit Georg Fuchs:

RP: Herr Fuchs, Sie sind seit September 2003 Maître Chef des Cuisines des Savoy in London. Wie und wann erwachte eigentlich beim jungen Voitsberger Georg Fuchs die Liebe zum Kochen?
GF: Die Liebe zum Kochen erwachte bei mir mit kulinarischen Genüssen wie zum Beispiel:
Zwetschgenknödeln, Mohnnudeln, Kaiserschmarrn, aber auch dem obligatorischen Huhn am Sonntag. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Geruch, der einmal die Woche durch unser Haus zog. Dabei handelte es sich um ein großes Suppenhuhn welches mit ganzen Karotten, Lauch, Selleriewurzeln, Lorbeerblättern, Zimtnelken und halbierten, ungeschälten Zwiebeln, die vorher auf der Ofenplatte schwarz geröstet worden waren, vor sich hin köchelte. Mein Bruder und ich warteten schon immer ungeduldig auf die ganzen Karotten, die meine Mutter aus dem Sud nahm und uns dampfend übergab. Wenn dieses, sich wöchentlich wiederholende Erlebnis nicht ausschlaggebend war für meine Liebe zum Kochen, so waren es die Zwetschgenknödel, für die ich heute noch schwärme.
Als ich mit vierzehn Jahren die Hauptschule beendete, wurde ich gefragt, was ich werden möchte: Koch war damals ein Modeberuf wegen der Möglichkeit, reisen zu können. Als ich hörte, dass eine Stelle für einen Kochlehrling im Schlossberg-Restaurant in Graz frei wurde, griff ich zu. Ich habe diesen Entschluss nie bereut?

eine Suite des Savoy Hotels in London

RP: Wie bei fast allen großen Küchenchefs weist Ihre Karriere zahlreiche verschiedene Stationen in unterschiedlichen Ländern auf, darunter in Deutschland, Israel und Großbritannien. Haben Sie eigentlich manchmal Heimweh nach Österreich?
GF: Eigentlich habe ich durch diesen Beruf die Möglichkeit gehabt, die ganze Welt zu sehen. Ich habe mehrere Jahre auf einem Luxuspassagierschiff gearbeitet und bin dabei mehrmals um die Welt gefahren. Auf all meinen Reisen und in all den Ländern, die ich besucht habe, traf ich stets auf und arbeitete immer mit Landsleuten. Durch meinen Beruf hatte ich praktisch die österreichische Küche überall bei mir, wo ich auch arbeitete, und ich hatte auch immer eine Flasche Kürbiskernöl im Gepäck. Heimweh, so glaube ich, hatte ich nie, denn ich hatte die Heimat gewissermaßen immer dabei. Der Ruf der österreichischen Küche ist mir lange vorausgeeilt, und es hat mich oft mit Stolz erfüllt, Österreicher zu sein.

RP: In Israel mussten Sie sich auch mit den Regeln der koscheren Küche vertraut machen. War das eine große Umstellung für Sie?
GF: Ich habe gelernt, dass überall auf der ganzen Welt gut gekocht wird; anders als bei uns zuhause – und doch gut. Sicherlich ist das einer der Aspekte, welcher meinen Beruf so interessant gestaltet. So war es auch in Israel. Als ich nach Israel kam, wurde mir gesagt, dass es unmöglich sei, koscher und gleichzeitig gut zu kochen. Für mich ist das im besten Falle eine faule Ausrede. Wenn man bedenkt, dass die israelische Küche ihren Ursprung durch Einwanderer aus ungefähr 40 verschiedenen Nationen hat, dann weiß man, dass es sich um eine sehr vielseitige und kreative Küche handelt.
Um die so genannte europäische, die französische Küche, wenn man so will, ins „Koschere zu übersetzen“, braucht man ein Höchstmaß an Kreativität, aber auch die Einsicht, dass verschiedene Produkte nicht verwendet werden dürfen. Alles in allem waren Israel und die koschere Küche eine große Herausforderung für mich und ich glaube, sagen zu können, dass mich Israel viel gelehrt hat, wovon ich noch heute profitiere.

RP: Sie waren vorher Executive Chef im Langham Hilton, meinten aber einmal, das Savoy übte immer die größte Anziehungskraft für Sie aus. Wie kam das?
GF: 1997 habe ich meine Stelle als Küchenchef im Schlosshotel Vier Jahreszeiten in Berlin für die Stelle als Küchenchef im Langham Hotel, welches von Hilton gemanagt wurde, aufgegeben. Es war ein großer Schritt für meine Familie und mich, von Deutschland nach England zu wechseln – beruflich wie auch privat. Ein Schritt, der sich, wie es sich heute zeigt, gelohnt hat. Das Langham Hotel ist ein Grand Hotel, übrigens 20 Jahre älter als das Savoy, und als ich begann, dort zu arbeiten, fühlte ich mich auf dem Höhepunkt meiner Karriere, wenn da nicht?
Mit dem Savoy Hotel verbindet ein Koch meiner Generation, und ich hoffe auch jüngere Kollegen, das höchste Maß an Professionalität, das man in unserem Beruf vermitteln kann.
Das heißt nicht, dass unsere Küche die beste der Welt ist, wenn es so etwas überhaupt gibt. Aber es ist die selbe Küche hier im Savoy, in der unser großer Mentor Auguste Escoffier über viele Jahre gewirkt hat, wesentlich zur Reputation des Hauses beigetragen hat und das Buch „Der komplette Führer der Kunst der modernen Küche“ geschrieben hat, welches noch heute nichts von seinem Stellenwert eingebüßt hat und in der Profession nach wie vor Verwendung findet. Gerichte wie Pfirsich Melba, Omelett Arnold Bennett und viele mehr wurden in den Küchen des Savoy Hotels kreiert. Der professionelle Aufbau einer Küchenbrigade wurde in diesem Haus zum ersten Mal implementiert und praktiziert, und wo wären wir heute als Köche, Kellner und Hoteliers, hätte es nicht Escoffier und das Savoy gegeben?
Als verkündet wurde, dass mein Vorgänger, Anton Edelmann, der die Position als Maître Chef des Cuisines des Savoys für 20 Jahre innehatte, sich zurückziehen würde, habe ich zugegriffen. Schließlich konnte ich nicht weitere 20 Jahre warten, wenn man bedenkt, dass ich seit 1882 erst der zwölfte Maître Chef des Cuisines des Savoys bin. Das Savoy ist der Höhepunkt meiner Karriere und ich glaube, dass viele meiner Kollegen mich hier verstehen werden.

RP: Erster Küchenchef des Savoy war, wie Sie soeben sagten, der legendäre Auguste Escoffier, der vielfach auch heute noch als der größte Koch aller Zeiten gilt. Wie fühlt man sich, wenn man ein derart schwieriges Erbe antritt?
GF: Ich glaube, Escoffier war ein Genie. Ich sehe mich eher als Handwerker und somit nicht in der Lage, das Erbe von Escoffier antreten zu können. Ich habe meinen Beruf von Grund auf gelernt – in Österreich – und ich führe eine Küche mit diesem Wissen sowie mit den Erfahrungen, die ich über die Jahre erworben habe – und nicht zuletzt mit meinem Talent. Ich glaube, dass ich viele Dinge anders mache als Escoffier sie gemacht hat und ich glaube, dass Escoffier das unterstützen würde. Kein Koch kocht gleich wie ein anderer, und das ist auch gut so, denn dann sähe unsere gastronomische Landschaft eher langweilig aus. Nichtsdestotrotz beruht die Küche des Savoy heute wie auch zu Escoffiers Zeiten auf einer Manifestation des Luxuriösen, wenn auch mit einer moderneren Formalität.

RP: Sie sind als Maître Chef des Cuisines des Savoy für viele kulinarische Bereiche verantwortlich. Sind Sie mit der hier regelmäßig verkehrenden Prominenz auf „du-und-du“ oder halten Sie sich lieber im Hintergrund?
GF: Grundsätzlich glaube ich, dass ein guter Koch in erster Linie mit seinem Gast auf dem Teller kommuniziert. Andererseits ist es weder dem Produkt noch dem Wohlbefinden des Gastes abträglich, wenn der Küchenchef einen persönlichen Kontakt zu seinen Gästen pflegt. Ich hatte durch meinen Beruf bislang die Möglichkeit, interessante Menschen kennen zu lernen, welche man normalerweise nur auf der Leinwand oder auf Titelblättern sieht, wobei ich aber nicht über Einzelheiten sprechen möchte. Ich halte mich da an die Regel, dass ein Hotelier nicht über seine Gäste spricht?

RP: Was ist das Geheimnis Ihres beruflichen Erfolges und worin sehen Sie das Besondere Ihres persönlichen Kochstils?
GF: Ich glaube, da gibt es kein Geheimnis. Ich habe eine gute Grundausbildung genossen, danach konsequent meine Karriere verfolgt, und ich hatte Glück, dass ich meistens zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Man muss auch den Mut besitzen, ein Risiko einzugehen und man sollte auch immer für andere ein Höchstmaß an sozialer Verantwortung haben. Ich esse gerne alles, was mit Sorgfalt zubereitet wurde, und zu einem guten Essen gehört eine gute Gesellschaft. Ich mag keine Übertriebenheiten und ich experimentiere auch nicht gerne.
Ich glaube an alles, was gewachsen ist im Zusammenhang mit unserer Kultur und Agrikultur, und ich sehe es als meine Aufgabe, ein Produkt so ehrlich und unverfälscht wie möglich dem Gast näher zu bringen. Mein Wunsch wird es immer sein, dass der Gast sich wohl fühlt – wie zuhause.

RP: Sie haben praktisch alles erreicht, was man sich als Cuisinier wünschen kann. Haben Sie noch persönliche Ziele oder Pläne für die Zukunft?
GF: Es entspricht nicht meiner beruflichen Bescheidenheit, zu glauben, dass ich schon alles erreicht habe. Vielmehr glaube ich, dass ich mich jeden Tag aufs Neue beweisen muss. Jeden Tag, wenn ich über die Schwelle des Savoy trete, sage ich zu mir selbst: „Heute ist mein erster Tag!“ Was die Zukunft betrifft, so ist mein Kopf voll mit Plänen, die sich auf die Verbesserung der Arbeitsbereiche der Küchen beziehen, für welche ich verantwortlich bin. Auch neue Menus in allen Bereichen und die Suche nach neuen und interessanten Produkten beschäftigen mich.
Man darf aber nicht vergessen, dass ich neben meinem Beruf, der mich voll und ganz in Anspruch nimmt, auch eine wundervolle Familie habe. Ich habe zwei Kinder, auf die ich sehr stolz bin, und ich habe eine Frau, die mich in allen Lebenslagen immer voll unterstützt hat. Und so geht es immer weiter!

Die Lobby klassisch in beigen gehalten, mit einer kleinen Bar und dazu passenden Barhockern

Sabrina Schober

Während Georg Fuchs das Savoy aus der Sicht eines leitenden Angestellten betrachtet, konnte die Steirerin Sabrina Schober das noble Haus aus einer völlig anderen Perspektive kennen lernen. Die Schülerin der Tourismusschulen Bad Gleichenberg absolvierte in den Monaten August und September 2004 ein Praktikum im Savoy:

RP: Frau Schober, wie sind Sie zu diesem doch sehr begehrten Praktikumsplatz gekommen?
SS: Unser Servierlehrer, Herr Josef Sorger, kennt Herrn Georg Fuchs ziemlich gut und hat uns die Adresse gegeben. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen.

RP: Was waren Ihre Aufgaben dort?
SS: Ich war einen Monat als Hostess im Thames Foyer beschäftigt und arbeitete einen weiteren Monat als Commis de Rang – ebenfalls im Thames Foyer.

RP: Wie wurden Sie als Praktikantin aus Österreich in diesem Traditionshaus aufgenommen?
SS: Eigentlich ziemlich gut. Die leitenden Angestellten nehmen die Praktikanten allerdings nur am Rande wahr und trauen ihnen leider auch nicht viel zu. Als Tourismusschüler kennt man die Gastronomie und Hotellerie doch schon recht gut – ich hatte damals die dritte Klasse absolviert und bin jetzt in der vierten. Ich hatte also schon einige Praktika absolviert und stamme aus dem Gastgewerbe, da meine Eltern einen Gastronomiebetrieb haben. Dennoch wurde ich gefragt, ob ich drei Teller tragen könnte oder ob ich wüsste, was ein Cocktail sei.

RP: Wie waren das Arbeitsklima und das Verhältnis zu den Kollegen?
SS: Eigentlich sehr gut. Sie haben mir sehr geholfen, da man sich am Anfang in der neuen Umgebung ja doch nicht so zurechtfindet. Wir hatten auch mehrere Besprechungen und Seminare – Küchenseminar, Weinseminar, Whiskyseminar etc. Ich kann mich wirklich nicht beklagen!

RP: Welchen Rat können Sie jungen KollegInnen geben, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?
SS: Man sollte generell sehr flexibel sein, und im Savoy ganz besonders. Die Aufgaben für Praktikanten sind nicht wirklich durchgeplant. Man muss einfach vielfältig einsetzbar sein und mit neuen Situationen fertig werden. Eine solide Grundausbildung ist natürlich von Vorteil?

Kontakt
The Savoy, Strand
London WC2R OEU
Tel. +44 (0)20 7836 4343 oder
+ 44 (0)20 7950 5492 (Reservierungen)
Fax: + 44 (0)20 7240 6040
E-Mail: info@the-savoy.co.uk
Internet: www.savoy-group.com

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