Das Mekka der Luxushotellerie

Was macht man, wenn man kaum historische Bauwerke, dafür aber umso mehr Geld hat? Man baut sich neue Wahrzeichen – und was für welche!
November 13, 2015

arabische Bauwerkplanungen stellen ein Inselkonstrukt im Meer dar

Designeranzüge neben Beduinentracht, Ferraris neben Kamelen, Shopping-Malls neben Souks: Nirgendwo prallt die moderne westliche Welt so ungebremst auf die alte arabische Tradition wie in Dubai. Die Hauptstadt des zweitgrößten Fürstentums der Vereinigten Arabischen Emirate war vor weniger als 50 Jahren noch ein Schmugglerparadies, wurde dann zum weltweiten Öllieferanten und ist heute eines der wichtigsten Handels- und Bankenzentren des Nahen Ostens. Dubai ist aber nicht nur die modernste und rastloseste Stadt der Region, sondern auch die reichste.

Traumhaftes Wetter, kristallklares Wasser, endlose Sandstrände und majestätische Dünen sorgten in den letzten zwei Jahrzehnten zudem für einen sprunghaften Anstieg der Tourismuszahlen. Schon längst hat der Fremdenverkehr die Einnahmen aus dem Ölverkauf übertroffen und ist zum wichtigsten Wirtschaftszweig geworden. Um den anspruchsvollen Besuchern standesgemäße Herbergen und den superreichen Einwohnern Lokale westlicher Prägung zu bieten, schossen Spitzenhotels wie Pilze aus dem Boden. Zwischen 1993 und 2002 stieg die Zahl der Hotels von 167 auf 272, jene der Zimmer von 9.383 auf 23.170. Gegenwärtig sind 31 Hotels im Vier- und Fünf-Sterne-Segment in Bau, welche die Zimmerzahl um weitere 11.770 erhöhen sollen.

das achte Weltwunder, the palm in dubai

Dabei handelt es sich keineswegs nur um lieblos hochgezogene Betonburgen, sondern in vielen Fällen um architektonische Meisterwerke. Viele dieser Hotelpaläste und Freizeitanlagen sind bereits fester Bestandteil des üblichen Sightseeing-Programms, und manche von ihnen wurden und werden zu den modernen Wahrzeichen eines Landes, das aufgrund seiner Geschichte arm an historischen Bauwerken ist.

DAS ACHTE WELTWUNDER: THE PALM

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Nicht nur ein weiteres Wahrzeichen, sondern „das achte Weltwunder“ soll unter dem Namen „The Palm“ entstehen. Was hier aus dem Boden gestampft wird, ist fürwahr beeindruckend. „Aus dem Boden stampfen“ – diese Redewendung trifft bei den Palm Islands gleich in doppeltem Sinne zu. Zum einen ist die Fertigstellung des Megaprojektes in Rekordzeit geplant, zum anderen entsteht es dort, wo vorher absolut nichts war – nichts als Wasser. Zwei künstliche Inseln mit Namen „The Palm Jumeirah“ und „The Palm Jebel Ali“ werden für mehrere Milliarden Dollar vor der Küste aufgeschüttet. Die Namen verdanken die Inseln ihrer Form: Jedes der beiden Eilande hat die Form einer Palme mit einem Stamm und 17 Palmwedeln. Jede „Palme“ wird von einem Halbmond mit einem Durchmesser von fünf Kilometern wie einen Atoll umrahmt und soll selbst aus dem All mit bloßem Auge erkennbar sein. Auf der ersten Insel, The Palm Jumeirah, werden 2.000 mondäne Strandvillen, 2.400 exklusive Wohnungen, 40 Luxushotels mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, erstklassige Restaurants, elegante Shoppingzentren und eine sagenhafte Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten samt Jachthäfen und 60 Kilometer Sandstrand errichtet – die Bauarbeiten sind in vollem Gange, die Fertigstellung des Megaprojektes ist für das Jahr 2006 geplant.

Die zweite Insel, für die vor kurzem mit den Aufschüttungsarbeiten begonnen wurde, wird der ersten zum Verwechseln ähnlich sehen – innerhalb des Halbmondes soll hier aber zusätzlich eine 12 Kilometer lange, konzentrische Kette aus über 1.000 Luxuspfahlbauten mit Bootsanlegeplatz hinzukommen. Schon jetzt lässt sich sagen, dass die Rechnung der Financiers, allen voran der Baulöwe Sultan bin Sulayem, aufgeht: Der Immobilienverkauf für The Palm Jumeirah begann im Januar 2003, und obwohl die Preise für die Villen im sieben- bis achtstelligen Dollarbereich lagen, waren die Objekte innerhalb von drei Wochen ausnahmslos verkauft. Auch für The Palm Jebel Ali stehen die Interessenten schon Schlange. Und Dubais Tourismusplaner rechnen mit zusätzlichen 15 Millionen Gästen, welche die beiden Inseln allein in den ersten vier Jahren anlocken werden…

Fast von selbst versteht es sich, dass keines der Hotels auf den beiden Inseln mit weniger als 5 Sternen auskommen wird. Einige der Hotels auf The Palm Jumeirah, deren Eröffnung großteils für die Jahre 2007 und 2008 geplant ist, sind bereits namentlich bekannt: Dazu gehören das „Al Fardan Hotel“ der Gruppe Al Fardan mit 200 Zimmern, das „Al Habtoor Hotel“ der Al Habtoor Group (Metropolitan Hotels) mit 250 Zimmern, das „Al Seef Resort & Spa“ der Gruppe Al Fattan Properties mit 220 Zimmern, das Palm Palace Kempinski mit 180 Zimmern, das Fairmont Palm Hotel & Resort, das Hilton Resort at The Palm, das Palm Sun Hotel & Resort mit 1.000 Zimmern und nicht zuletzt die am Scheitel des Halbmondes und inmitten eines riesigen Themenparks gelegenen Hoteltürme Atlantis Phase 1 und Atlantis Phase 2 der Gruppe Kerzner International Ltd. mit 1.200 bzw. 800 Zimmern.

DER WELT ERSTES UNTERWASSERHOTEL

stellt das megaprojekt des ersten unterwasserhotels weltweit dar

Ein weiteres Aufsehen erregendes Megaprojekt stellt das erste Unterwasserhotel der Welt dar, für dessen Planung der deutsche Architekt Joachim Hauser verantwortlich zeichnet. Nach eigenen Angaben ließ er sich bei der Konzeption durch Jules Vernes’ Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ inspirieren. In einer solchen Tiefe liegt das „Hydropolis“ natürlich nicht, wohl aber ist die aus 2,5 Metern dickem Stahlbeton und 18 cm starkem Plexiglas gefertigte Konstruktion in 20 Metern Tiefe einem Druck ausgesetzt, der dreimal so hoch ist wie an der Oberfläche. Zu diesem Zweck bedient man sich Technologien, die sonst nur beim Bau von U-Booten und Ölplattformen zum Einsatz kommen.

Das Hydropolis besteht aus drei Bereichen: einer Landstation mit rund 30.000 qm Nutzfläche, einem 300 m langen Verbindungstunnel und dem Unterwasserkomplex mit einem Durchmesser von 200 Metern und etwa 75.000 qm Nutzfläche. Die künftigen Gäste lernen zunächst die in Form eines wellenförmigen Zylinders gestaltete Landstation kennen, in der sich neben der Empfangshalle, der Verwaltung und den Personalunterkünften auch ein Kino, eine Beautyklinik sowie ein Institut für Meeresbiologie befinden. Die atemberaubende Unterwasserwelt lernen sie dann erstmals bei der Fahrt mit dem Shuttlezug durch den transparenten Tunnel kennen, bevor sie den Hotelkomplex 300 Meter vor der Küste erreichen, von dem zwei ebenfalls durchsichtige Kuppeln aus dem Meer ragen. In der größeren Kuppel sind ein Ballsaal, ein Museum und eine Bücherei untergebracht, während die zweite drei Restaurants mit libanesischer, mediterraner und ayurvedischer Küche sowie einen exklusiven Wellnessbereich beherbergt, der dem Begriff spa („sanus per aquam“) eine völlig neue Bedeutung verleiht. Unter der Wasserlinie liegen dann eine zentrale Halle, drei Bars, diverse Gemeinschaftsräume sowie die 220 Luxussuiten, deren Preis unbestätigten Meldungen zufolge bei mindestens 5000 Dollar pro Nacht liegen soll.

Um den emotionalen Kontakt zur Außenwelt zu wahren und klaustrophobische Gefühle zu vermeiden, soll von oben Tageslicht in die meisten Räume fallen. Vor der sengenden Sonne braucht man sich auch nicht zu fürchten: Eine gigantische Nebelmaschine sorgt für die Entstehung künstlicher Wolken über der gigantischen Anlage. Und wer Angst vor Unfällen oder Terroranschlägen hat, kann ebenfalls beruhigt sein: Zu den umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen gehören neben strengen Kontrollen sogar Anlagen zur Raketen- und Torpedoabwehr. Sollte es dennoch zu einem Wassereintritt kommen, so kann der Komplex wie ein modernes Schiff abschnittsweise durch Schotte abgedichtet werden. Die Fertigstellung des großteils im Besitz der Herrscherfamilie befindlichen Hydropolis ist für Ende 2006 geplant, die Baukosten werden voraussichtlich 520 Millionen Dollar betragen.

Kontakte

konstruktion eines Hotelbauprojektes in dubai

Dass solch gigantische Projekte natürlich auch Tausende von Arbeitsplätzen im Bereich Gastronomie und Hotellerie schaffen, liegt auf der Hand. Da die Fertigstellung der Hotels und Restaurants auf The Palm Jumeirah und der Anlage Hydropolis allerdings noch in weiter Ferne liegen, gibt es zurzeit noch keine direkten Ansprechpartner. Im Folgenden die Kontaktadressen von künftigen Eigentümern oder Betreibern:

Al Fardan Hotel: Al Fardan Group, Office Dubai, Tel. +971 4 3511666,www.alfardangroup.com

Al Habtoor Hotel: Al Habtoor Group, Dubai, Tel. +971 4 3431111, www.habtoor.com

Al Seef Resort & Spa: Al Fattan Properties, Dubai, Tel. +971 4 2829999, www.alfattan.com

Palm Palace Kempinski: Kempinski AG, Berlin/München, Tel. +49 89 2125 2650, www.kempinski.com

The Fairmont Palm Hotel & Resort: Fairmont Hotels & Resorts, Toronto, Tel. +1 416 874 2600, www.fairmont.com

Hilton Resort at the Palm: Hilton Group plc, Tel. +971 4 3903333, www.hiltongroup.com

Palm Sun Hotel & Resort: Sun International, Sandton (RZA), Tel. +27 11 780 7000
www.sun-international.com

Atlantis: Kerzner International Resorts Inc., Plantation (Florida), Fax +1 954 809 2331, www.kerzner.com

Hydropolis: www.hydropolis.com

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