Ausgabe 167, F&B Know-how

Wie schmeckt eigentlich ... Myoga?


MyogaFotos: Shutterstock

Scharfes Zeug

Myoga – im Volksmund auch Japanischer Ingwer genannt – ist eine seltene Gemüse-Spezialität von der freundlichen Insel. Sie gehört zu den Ingwergewächsen, aber nicht die fleischigen Wurzeln wie bei dem hierzulande bekannten Ingwer werden genutzt, sondern die noch geschlossenen, gelb weißen Blüten. Diese wachsen seitlich unterhalb der Stiele direkt aus dem Boden. Um eine Verfärbung durch Sonneneinstrahlung zu verhindern, werden sie mit Erde angehäufelt. Wenn sich die weiß-gelbe Blüte entfaltet hat, ist der ideale Erntezeitpunkt bereits überschritten. Myoga wächst am besten an einem schattigen, frischen Standort, da er in freier Natur im Wald wächst. Er wird etwa einen bis 1,20 Meter hoch. Im japanischen Hochland und auch in den gemäßigten Zonen Chinas verbreitet ist diese vergleichsweise anspruchslose Art, die sogar Frost bis minus 18 Grad Celsius unbeschadet übersteht und auch im Sommer bei unseren Temperaturen gedeiht. Die Pflanze kann im Freien überwintern und treibt spät im April wieder aus. Bereits im ersten Jahr sprießen Blüten hervor! Das scharfe Kraut blüht von Ende Juli bis Ende September. Ab dem dritten Standjahr kann mit 12 bis 20 Blüten pro Pflanze gerechnnet werden. Falls die Blütenernte aber verpasst wurde, können auch die jungen, circa 20 Zentimeter langen Sprosse genutzt werden – der Geschmack ist vergleichbar.
Sein Aroma erinnert an Ingwer mit Koriander und Orangenschalen mit einer scharfen Blumennote und einem Hauch Säure. Dieses ist allerdings nur in den Blütenknospen enthalten. In der japanischen Küche werden sie frisch über Suppen und Fischgerichte gestreut, verfeinern aber auch leichte Sommersalate ähnlich wie frische Kräuter in der europäischen Küche und schmecken süß-sauer eingelegt hervorragend. In Japan wird gerne ein Stück frischer Myoga nach einem besonders harten Arbeitstag gegessen: Es soll die Lebensgeister wieder wecken und leicht aphrodisierend wirken! In der koreanischen Küche werden die Blüten frittiert auch mit Fleisch serviert. Das wissen auch die Australier und Neuseeländer zu schätzen und importieren fleißig die scharfen Blüten der Pflanze.

14.11.2015