Ausgabe 204, Karriere-Tipps, Arbeiten im Ausland

Arbeiten in Kapstadt

Vom Meer bis zum Gipfel des Tafelbergs: umgeben von Weingütern wartet die wohl chilligste Stadt südlich des Äquators. Aber ist das hippe Kapstadt-Feelingauch für die Karriere die richtige Entscheidung?

Text: Kathrin Löffel     Fotos: Shutterstock, Helge Kirchberger Photography, Mark Williams, Monika Reiter, Michael Le Grange, Dookphoto

Die gute Hoffnung

Kaptstadt ist bunt, vielversprechend anders und windig – mit dem Südostwind im Sommer und dem Nordwestwind im Winter müssen wetterfeste Expats rechnen. Wer sich an die mitunter steife Brise gewöhnt hat, wird an der internationalen Stadt und der atemberaubenden Natur seine Freude finden – aber nur, wenn man sich an das Tempo der Einheimischen anpasst.

Wer schon einmal in einem Sonnenland gearbeitet hat, weiß, welche Mentalität man auch in Kapstadt zu erwarten hat. Alles läuft ein bisschen entspannter, pünktlich ist hier keiner und mit lauten Ansagen in der Küche kann kein einheimischer Kollege etwas anfangen. 

„In Kapstadt musst du als Europäer eine ruhige Kugel schieben“, erklärt Harald Bresselschmidt. Der Deutsche lebt und arbeitet seit 25 Jahren in Südafrika. In seinem Restaurant Aubergine und auch schon beim ersten Kontakt 1992 mit der Arbeitsmentalität im Grande Roche Hotel in Paarl hat er gemerkt, wie schnell beziehungsweise gediegen der Hase in Südafrika läuft. 

„Wenn du der experimentierfreudige Überflieger bist mit überschwänglichen Ambitionen, wirst du hier in Kapstadt keine Freude am Arbeiten haben. Schnell wirst du hier nichts Neues umsetzen – wer dazu seine Emotionen nicht im Griff hat und auch einmal laut wird, der wird auf Gegenwind stoßen“, erklärt der Spitzenkoch. 

Lachend erzählt er von den Tücken des Arbeitsalltags: „Wir müssen jeden Tag die Routine neu etablieren. Man kann sich nicht auf die erlernten Arbeitsweisen verlassen. Alle Bestellungen müssen mehrmals kontrolliert, der Transport detailliert abgeklärt werden. Ein guter Standard verlangt es, dass man viel kontrolliert. Ich bin hier zum Kontrollfreak geworden!“

06.04.2017