Ausgabe 204, Konzepte & Openings

Café Engländer: Abgebrühte Legende

Mit Wiener Schmäh, Charme und kauzigen Originalen: Wie das Café Engländer im zweiten Anlauf zur Institution mit Kult-Charakter avancierte.

Text: Daniela Almer     Fotos: Claudio Martinuzzi

 

Doppelconférence mit Stil im Café Engländer

„Mich interessiert nicht, wer Sie sind, ich möchte nur wissen, was Sie wollen.“ – So begann nicht der Anfang einer wunderbaren Freundschaft, sondern ein Telefonat mit Herrn Walter, um einen Interviewtermin mit einem seiner beiden Vorgesetzten auszumachen.

Kurz glaubt man, sich verhört zu haben, aber nur kurz. Gleichzeitig fühlt man sich in alte Schulzeiten zurückversetzt. Hier ist eine Respektsperson in der Leitung, keine Frage. Offiziell ist Herr Walter Oberkellner im Café Engländer, inoffiziell ist er aber die Galionsfigur des kultigen Etablissements im ersten Wiener Bezirk, wie es einer der beiden Besitzer – Christian Wukonigg – schmunzelnd beschreibt und mit einem Augenzwinkern hinzufügt: „Ich bin der Chef, aber die Autorität für die Gäste ist der Herr Walter.“

In diesem Café, das nicht nur unter Eingeweihten als Institution gehandelt wird, regiert offensichtlich der viel gerühmte Wiener Schmäh. Seit beinahe 26 Jahren bildet Herr Walter mit Christian Wukonigg ein kongeniales Duo und ist für den geregelten Ablauf im Café Engländer zuständig.

Beinahe deshalb, weil das Kaffeehaus zwischen 1998 und 2002 seine Pforten wegen Konkurs schließen musste. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund Wolfgang Jelinek hat Wukonigg jedoch im Jahr 2002 das Café Engländer wiedereröffnet und einen zweiten Versuch gestartet.

Phönix aus der Asche

Warum ein Comeback? „Ich wollte beweisen, dass man die Fehler, die man einmal gemacht hat, wiedergutmachen kann“, erklärt Wukonigg offen.

Beim ersten Anlauf zu Beginn der 1990er-Jahre scheiterten er und sein damaliger Geschäftspartner Attila Corbaci an drei wesentlichen Dingen: „Wir haben damals zu teuer gekauft, zu teuer umgebaut und überhaupt zu teuer finanziert. Irgendwann haben wir die aberwitzig hohen Rückzahlungen nicht mehr geschafft “, bringt Wukonigg die Problematik auf den Punkt.

Heute steht das Café auf wesentlich solideren finanziellen Beinen. Und das liegt nicht zuletzt am Konzept, auf dem bereits das ursprüngliche Café Engländer basierte: Es ist eine Hommage an die berühmte Kaffeehauskultur der Wiener Jahrhundertwende. Und das zeigt sich schon bei der Wahl des Namens, der auf die Kaffeehaus-Literaten-Ikone Peter Altenberg zurückgeht: Altenberg hieß eigentlich Richard Engländer.

Ein sehr versteckter Hinweis zugegeben, aber Wukonigg ist auch niemand, der mit plakativen oder plumpen Statements auf sich aufmerksam machen muss.

06.04.2017