Ausgabe 229

Mein groesster Fehler: Tommy R. Möbius

Auch die Großen der Branche machen nicht alles richtig. Hier erzählen sie von ihren Fehltritten und Rückschlägen, davon, was sie daraus gelernt haben und wie sie es heute besser machen. Diesmal: Tommy R. Möbius.

Text: Andrea Böhm     Fotos: FAKTENHAUS

Was wäre, wenn? Was werden die anderen denken? Hand aufs Herz: Haben wir uns nicht schon alle einmal mit diesen Fragen konfrontiert? Mit dieser Unsicherheit und diesem Selbstzweifel, der an uns nagt und uns abhält, einen Schritt weiter zu machen? Einer, der ganz offen darüber spricht, ist der Spitzenkoch Tommy R. Möbius, der sich ganz dem guten Geschmack verschrieben hat und nach dem Motto „Liebe, Lust und Leidenschaft“ seinen Weg geht. 

Ein Weg, der ihn schon zu Joachim Wissler ins Restaurant Vendôme geführt hat, nach Wien ins Restaurant Fabios, das unter seiner Führung einen Michelin-Stern bekommen hat, wie auch das Wiener Restaurant Bauer danach. Darauf ging’s zurück nach Deutschland und Möbius wurde Küchenchef in einem Restaurant in Ketsch, blieb dort als besternter Koch die nächsten fünf Jahre und machte sich im April 2017 mit dem lebensmittel.punkt, einem Treffpunkt für Feinschmecker, selbständig. 

Klingt nach einem langen Weg, war es auch, denn Tommy R. Möbius’ Lernprozess war es, in diesen Jahren den „Mut zur Lücke“, wie er es selbst bezeichnet, zu lernen. „Manchmal muss man im Leben sagen: Scheiß drauf, ich mach das jetzt! Obwohl ich eigentlich sehr laut bin und sehr breitbeinig durchs Leben gehe, ein Macher bin, gab es dennoch Momente, wo ich mich nicht drübergetraut habe“, erzählt der 43-Jährige.

Tommy R. Möbius

Wie zum Beispiel damals in Ketsch, als seine Sous Chefs, die perfekte Mannschaft, die er aus Österreich mitgenommen hatte, weggingen und es nicht um die Burg möglich war, gleich gute Nachfolger zu finden. „Damals hätte ich eher sagen sollen, ich lass es auch bleiben. Ich hätte nach Wien zurückgehen oder mich schon früher mit meiner Frau selbständig machen sollen“, weiß er heute. Immer wurde die Sicherheit vorgeschoben und der Mut hinten angestellt. 

Dabei sieht es Möbius theoretisch doch ganz locker, wie er erheiternd erzählt: „Ich kenne ein paar Top-Ärzte, die arbeiten am offenen Herz und ich an einer Möhre. Dabei reite ich mich da rein, als wäre es umgekehrt.“ Jetzt könnte man leichtfüßig sagen: „Ja es gibt halt solche Menschen, die immer auf der sicheren Seite leben wollen, Risiken scheuen“, aber kennt man Möbius, weiß man, dass dabei irgendwas nicht ganz stimmig sein kann, da muss es doch noch etwas geben.

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12.10.2018