Ausgabe 230

Die Ritze in Hamburg: Boxclub und Bar in einem

Fight Club meets Reeperbahn: Die Ritze auf Hamburgs berühmtester Ausgehmeile ist Bar und Boxclub in einem. Seit den 70ern genießt sie als Brutstätte für Profiboxer und krimineller Tatort Legendenstatus.

Text: Sissy Rabl     Fotos: Thomas Haidl, Ken Hövermann

Was setzt man an den Anfang einer Geschichte über die Ritze auf der Reeperbahn, wenn die Anekdoten so vielfältig sind? Man könnte mit den Profiboxern beginnen, die ihre Karriere hier gestartet haben, oder mit der Kiez­legende, die sich im Keller der Bar das Leben genommen hat. Mit dem Serienmörder, der die Ritze als Tatort wählte, oder der Evolution der Kneipe von einem öffentlichen Klo zu dem, was sie heute ist.

Oder man beginnt am Eingang der legendären Bar in St. Pauli und arbeitet sich schrittweise vor. Begrüßt wird der Besucher mit lasziv gespreizten, an die Wand gemalten Damenbeinen, welche bereits den Ton für die restliche Entdeckungsreise angeben. Subtil ist anders, aber das ist Teil des Pakets.

Die Beine wurden übrigens vom deutschen Künstler Erwin Ross dort an die Wand gepinselt, einem Pionier der erotischen Plakatmalerei im Deutschland der Nachkriegszeit. Zu unseren Füßen sehen wir einen Stern im Walk-of-Fame-Stil, gewidmet dem verstorbenen Gründer der Ritze, der Kiezgröße Hanne Kleine.

Er hat die Bar in den 70ern eröffnet und sie bis zu seinem Tod 2011 geführt. Aus Respekt ließ ihn der heutige Geschäftsführer Ken Hövermann direkt vorm Eingang verewigen. Wir treten ein und befinden uns in einem versifften Beisl mit alten Möbeln und einer überschaubaren Theke.

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02.11.2018