Ausgabe 232

Anthony Sarpong: It’s a kind of magic

Harry Potter kann einpacken, denn Anthony Sarpong hat den Zauber in die Küche gebracht! Der ghanaisch-deutsche Koch über sein Restaurant Anthony’s Kitchen in Meerbusch, Mulit-Kulti und Netflix.

Text: Sissy Rabl     Fotos: Patrick Kirchberger, Martin Gentschow / Südwest Verlag

In Ghana war es lange eher unüblich, dass Männer in der Küche stehen. Das war Anthony Sarpong auch mit acht Jahren schon klar, als er noch in seiner Heimat lebte. Daher hat er damals heimlich über die Schultern seiner Oma und Mutter geschaut, wenn sie in der Küche standen. 

Und was dort in den Töpfen vor sich hin köchelte, war für ihn nicht weniger als pure Magie. Für zwölf, 13 Kinder hat seine Großmutter oft gekocht, die alle an einer langen Tafel gespannt auf ihre Köstlichkeiten warteten. Selbst wenn sie das Essen dann innerhalb von zehn Minuten verschlungen hatten, wirkte die Köchin zufrieden. Immerhin hatte sich dazu die gesamte Familie versammelt. Heute versucht der 36-jährige Anthony Sarpong, es seiner Großmutter gleichzutun. Mit seinem Essen möchte er Menschen zusammenbringen.

Torschützenkönig

Anthony’s Kitchen befindet sich im nordrhein-westfälischen Städtchen Meerbusch. Es ist Restaurant und Kochschule in einem. 2018 erhielt Sarpong dafür den ersten Michelin-Stern. Dabei wollte er bei seiner Ankunft in Deutschland als kleiner Junge noch seinem Bruder nacheifern und Fußballer werden. Anfang der Neunziger ist er mit seiner Familie nach Wiesbaden gezogen. Im ersten Moment bedeutete das einen Kulturschock, auch was das Essen betraf. „Zum Glück findet man überall, wo man hingeht, ein bisschen Heimat. In Deutschland gibt es genug Afroshops, dass meine Mutter weiterhin ghanaische Küche zubereiten konnte“, meint Sarpong schmunzelnd.

Als aufgrund einer Verletzung aus seiner Fußballkarriere nichts wurde, wandte er sich nach der Schule endlich seiner Leidenschaft zur Küche zu. Er startete seine Ausbildung zum Koch im Crown Plaza Hotel in Wiesbaden und machte daraufhin Berufserfahrungen in der Schweiz, Israel, Frankreich und Österreich und verschiedenen Betrieben in Deutschland.

HIER registrieren

21.01.2019