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Percebes: Warum die Entenmuscheln die tödlichste Delikatesse der Welt sind

Percebes-Boom: An den rauen Küsten Portugals, Spaniens und Frankreichs setzen waghalsige Fischer ihr Leben aufs Spiel, um die begehrte Delikatesse direkt von den Klippen zu ernten.

Text: Georges Desrues     Fotos: Georges Desrues

Der Hype um die Entenmuscheln

Selbst für einen Wissenschaftler bergen die Tiere noch etliche Geheimnisse, sagt der Meeresbiologe João Castro, während er an der Küste vor der portugiesischen Stadt Sines mit einem Taschenmesser ein paar Entenmuscheln, die sie hier Percebes nennen, von einem Felsen löst. „Zum Beispiel haben wir keine Erklärung dafür, wieso sie an manchen Stellen eine höhere Qualität erreichen als an anderen“, so Castro, der die wunderlichen Tiere seit vielen Jahren erforscht.

Percebes-Hunter Jorge Perreira riskiert an der Atlantikküste Portugals für die gehypten Entenmuscheln täglich Kopf und Kragen und bekommt dafür rund 250 Euro pro Kilogramm. 

„Den höchsten Preis erzielen sie, wenn sie einen eher kurzen und dicken Muskel aufweisen, jene mit einem dünnen und zu langen Muskel sind häufig voller Wasser und viel weniger wert.“ Percebes leben in der Meeresbrandung, um sich vom Plankton zu ernähren, das sie aus der Gischt filtern, sowie zum Schutz vor Feinden. Ihren schnabelartigen Panzer tragen sie am Ende eines länglichen Muskels, den eine ledrige Haut umhüllt und der ein wenig an einen Miniatur-Elefantenfuß erinnert.

„Es sind Zwitter, mit den kleinen Fangarmen unter dem Panzer holen sie das Plankton aus dem Wasser und durch den Muskel sind sie mit den Klippen verbunden“, sagt Castro. Und genau dieser Muskel ist es, der die Tiere zu einer begehrten Delikatesse macht, die man in Europa nur hier, in der Brandung des Atlantischen Ozeans an den Küsten Portugals, Spaniens und Frankreichs, findet. Während der Wissenschaftler spricht, ist auf einer winzigen und felsigen Insel draußen am Meer ein Mann zu erkennen, der mit einem Sack am Rücken ins Wasser springt und mit einem Bodyboard Richtung Ufer schwimmt.

„Mit Booten dürfen die Fischer nicht hinausfahren, weil sie dann zu viele der Tiere mitbringen könnten und ihren Bestand gefährden würden. Das Gewerbe ist ziemlich strikt reguliert, es gibt festgelegte Fangzeiten und maximale Mengen, die gefischt werden dürfen“, betont Castro, als der Mann immer näher kommt, schließlich an Land geht und Sack wie Board aus dem Wasser zieht.

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15.02.2019