Birgit Reitbauer: Toughe Macherin im Steirereck

Sie schmeißt im Gourmettempel Österreichs den Laden: Birgit Reitbauer ist seit 20 Jahren Restaurantleiterin im Steirereck, ein Role Model für alle Frauen und eine der besten Gastronominnen der Welt. Was sie nicht mehr hören kann: das Schlechtreden der Branche. Sie sagt lieber gleich, was Sache ist.
August 2, 2019 | Text: Sarah Helmanseder | Fotos: Raphael Gabauer
Wo zwei Genies aufeinandertreffen, entsteht Außergewöhnliches: Birgit Reitbauer leitet das kulinarische Aushängeschild Österreichs, das Steirereck in Wien. Ihr Mann, die zweifach besternte Koch-Ikone Heinz Reitbauer, vollbringt in der Küche kulinarische Pilz-Wunder. Dieses Paar sorgt dafür, dass das Steirereck seit 20 Jahren eines der besten Restaurants der Welt ist. Aktuell rangiert es auf Platz 17 der renommierten Liste der World’s 50 Best Restaurants.
„Die Branche ist abwechslungsreich wie kaum eine andere, unterhaltsam und spannend. Die Community ist so klein. Wenn du die Menschen einmal kennst, dann kennst du auf der ganzen Welt jemanden. Es beeindruckt mich immer wieder, wie schön das ist“, sagt Reitbauer und spricht auch das Thema an, das die Branche derzeit am meisten bewegt: der schlechte Ruf.
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Birgit Reitbauer ist das Herz des Steirerecks und ein Vorbild für alle Frauen in der Gastronomie. Seit 20 Jahren leitet sie Österreichs bestes Restaurant und hat eine klare Meinung zu den brennenden Fragen der Branche.
Von der Vollblut-Gastronomin kommt da eine klare Ansage: „Wenn man erfolgreich sein will, egal in welcher Branche, muss man immer viel arbeiten. Man muss eben das Quäntchen mehr geben als jemand anderer. Ich glaube, es wird den Menschen immer vorgegaukelt, wie schrecklich das ist, aber in anderen Branchen wie in der Metallindustrie und im Flugverkehr ist das Standard. Die Flugbegleiterin kann auch nicht nach acht Stunden aus dem Flieger aussteigen und sagen: ,Ich bin jetzt fertig mit meinem Dienst.‘“
So straight, wie sie sich ausdrückt, hat Reitbauer sich auch in der Gastro eta­bliert, und auf dem für Frauen bekanntlich schwierigen Pflaster gegen jegliche Konkurrenz brilliert, durch „Spaß an der Arbeit, Disziplin und Ehrgeiz“ – die Assets, die für sie am wichtigsten sind, um  Erfolg zu haben.

Powerfrau außer Konkurrenz

Kaum jemand verkörpert die Definition von Powerfrau so vollkommen wie Birgit Reitbauer. Nicht der abgebrühteste Gas­tro-Hero könnte ihr das Wasser reichen, und niemand könnte ihren Job besser machen als sie; im Steirereck Abend für Abend höchste Professionalität und gelebte Herzlichkeit in Einklang bringen. Diese Frau spielt in einer Liga, die nur wenige Gastronomen jemals erreichen. Der Res­taurantguide Relais & Châteaux ehrte Reitbauer 2012 als Woman of the Year, der Gault Millau zeichnete sie mit dem Service Award 2018 aus und ihr Ruf als Ausnahme-Gastronomin eilt ihr auch international voraus.
Reitbauer ist geborene Niederösterreicherin und besuchte in Wien die fünfjährige Tourismusschule Modul mit Matura. Da hatte sie ihre Zukunftsentscheidung längst getroffen: „Mit 13 Jahren war ich mit meiner Familie auf Urlaub in Fuschl am See, in einem kleinen Familienbetrieb. Da haben alle mitgearbeitet, und das hat mir damals so imponiert, dass ich dachte, das will ich machen“, erinnert sie sich. Nach dem Studium in Betriebswirtschaft und Tourismusmanagement und einem Auslandsaufenthalt wurde sie bei der Kurkonditorei Oberlaa Leiterin des Standorts im ersten Wiener Gemeindebezirk.
Die Flugbegleiterin kann auch nicht nach acht Stunden aus dem Flieger aussteigen und sagen: „Ich bin jetzt fertig mit meinem Dienst.“
Birgit Reitbauer findet es ungerechtfertigt, dass nur in der Gastro über lange Arbeitszeiten diskutiert wird
Anschließend wechselte Reitbauer zum Cateringunternehmen Do & Co, aber dort blieb sie nicht lange, denn nach drei Monaten ereilte sie der Ruf aus dem Steirereck. Sie begann als Assistentin ihres späteren Mannes Heinz Reitbauer, der Rest ist Geschichte.
Ihre Erfolge reklamiert Reitbauer niemals für sich, sondern sieht sie als Teamsiege, und überhaupt wünscht sie sich mehr  Wertschätzung für die Gastronomie: „ Ohne uns gäbe es am Sonntag kein Schnitzel. Mit einem Montag-bis-Freitag-Job von acht bis 16 Uhr wird das nicht gehen. Da muss man schon am Wochenende arbeiten. Das gehört doppelt respektiert und gewürdigt.“ Das kommt aus dem Herzen einer Frau, die für die Spitzengastronomie lebt.
Dennoch: Ein perfekter Tag ist für Reitbauer ein Tag mit ihrer Familie. „Dafür habe ich die wenigste Zeit. Das ist aber das Allerschönste“, sagt sie. An freien Tagen geht die passionierte Jägerin zur geistigen Entspannung außerdem auf die Morgenpirsch.  „Wenn ich da sitze in der Früh und der Tag kommt, die Sonne geht auf – es gibt wenig schönere Dinge auf der Welt. Man kann den Gedanken nachhängen, muss mit niemandem reden, ist total für sich. Das ist eine unfassbare Qualität, die dieses Hobby hat.“ Dann kommt sie mit einem punktgenau geschossenen Stück Wild für die Küche ins Steirereck zurück und widmet sich wieder der schönsten Aufgabe: hochprofessionellem Service.
www.steirereck.at

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