Ausgabe 061, Porträts

Stephan Niese - I've got the Power!

Vom Ghettokid zum Starkoch. Stephan Niese biss sich durch – von ganz unten nach oben. Nun brilliert er im Schauermann in Hamburg mit leichter Zeitgeistküche. An die Arbeit, Mann!

ein Mann mit Spinat in der Hand und Tattoo am Oberarm Popeye mag er eigentlich gar nicht – und Spinat würde er sich auch nicht unbedingt in die Pfanne hauen. Dass er jeden Typen sofort in die Pfanne hauen könnte, wenn ihm einer sein Fleisch platt klopfen würde, ahnt man, wenn man seinen Bizeps ansieht. Die Arme sind mit Tattoos gestylt, leuchtend Rot, Blau und Grün, und sein Sixpack unter dem Hemd scheint makellos. Stephan Niese entspricht auf den ers­ten Blick nicht unbedingt dem landläufigen Bild eines Gourmetkochs mit Schwerpunkt auf leichte italienische Küche. Eher schon Bulettengriller, Currywurstverkäufer oder Statist in einem Rocky-Film schießt einem ein, wenn man beim heiteren Beruferaten in Robert-Lembke-Manier „Was bin ich?“ gefragt würde. Stephan Niese ist, das sei hier gesagt, Spitzenkoch – und Kick­boxer, nur als Hobby, versteht sich. In seiner Jugend musste er allerdings wirklich lernen, seine Fäuste zu gebrauchen. Im Stadtteil Steilshoop hatte man kein leichtes Leben. „Das erste Ghetto, sagt man. Viele meiner Freunde haben das nicht durchgestanden und sind schon tot.“ Wenn man vor ihm steht, sieht man dieses Leben, das sich in sein Gesicht gemeißelt hat. Die Tattoos auf seinem Oberkörper sind sehr persönlicher Ausdruck des Auf und Ab, das erste Bild hat er sich sogar selbst gestochen.
Stephan Niese ist ein Fighter. „Am Abend, wenn drei, vier Stunden voller Stress ist, sind wir Krieger. Aber der Kampf hat ohnehin mein ganzes Leben geprägt, ich habe durchbeißen müssen.“ Für ein Bandenkind wie aus der Westside Story ist er aber viel zu nett. Stephan Niese hat sich aus dem Sumpf gezogen und betreibt nun mit Lars Menge und Mario Ludwig das Schauermann, einen der angesagtesten, zeitgeistbewussten Tempel Hamburgs. Der Platz, die St. Pauli Hafenstraße, ist bezeichnend, Chance und Herausforderung zugleich. In unmittelbarer Nähe der Häuser, um die vor etlichen Jahren Barrikadenkämpfe ausgetragen wurden. Und nicht weit vom Kiez, Hamburgs roter Meile. Gestylte Business-Leute sitzen auf der Terrasse mit einer hinreißenden Aussicht auf die Elbe und Dock 10, während sie zu ihrem schicken Essen ihre schicken Urlaube besprechen. Von einem Gebäude in der Nachbarschaft hängt eine Fahne, auf der zu lesen steht: „Eat the rich...

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19.02.2008