Ausgabe 065, Porträts

Jacqueline auf Wolke 7

Sie war ein böses Mädchen und trotzdem kocht sie heute im Himmel. Im Le Ciel, französisch für Himmel, vereint Jacqueline Pfeiffer die französische Küche mit österreichischer Tradition.

Jacqueline PfeifferDiese Geschichte beginnt im Jahr 1993 und sie beginnt mit einem Knall. Ein Klassenzimmer im niederösterreichischen Türnitz. Französischschularbeit. Schlichte Holzbänke, dahinter Mädchen, die ihre Hefte brav mit Aufsätzen in französicher Sprache füllen. Alles schreibt noch, als plötzlich eine der jungen Damen ihre Sachen zusammenpackt, aufspringt, der Professorin das Heft vor die Nase knallt und unter schockierten Blicken aus der Klasse stürmt. Es war der letzte große Auftritt der Schülerin Jacqueline Pfeiffer. Denn die Professorin fand kein einziges französisches Wort in der Schularbeit. Lediglich ein paar Zeilen, verfasst in Deutsch. Der Inhalt: Französisch und die anderen Fächer, alles ist schrecklich an der Schule. Alles bis auf eines – Kochen!
Jacqueline Pfeiffer heute: Das ist ausgerechnet französiche Küche, vermischt mit österreichischer Tradition. Das ist Kochkunst auf höchstem Niveau. Das ist der Mut zur Reduziertheit. Vom aufmüpfigen Mädchen von einst blieb nicht mehr viel übrig. Strebsamkeit und der unbändige Wille, ständig an sich selbst zu feilen, brachten der heute 32-Jährigen vor kurzem die dritte Haube ein. Hoch über den Dächern Wiens, im 7. Stock des Grand Hotels, da öffnet sich das Reich der österreichischen Aufstiegsköchin, das Le Ciel.
Ein gediegenes, edles Restaurant, der Speisesaal getragen von sechs Säulen, der Böhmdorfer-Flügel in Weiß, die Wände gelb, die Decke in himmlischem Blau. Unten das hektische Treiben der Großstadt, oben Ruhe. Für die Gäste jedenfalls. Denn in der Küche geht es durchaus schon einmal lauter zu. „Ich bin hart zu mir und auch zu meinen Mitarbeitern, das ist mir bewusst“, sagt Pfeiffer. Man nimmt es ihr ab. Denn die zierliche junge Dame ist sie nur auf dem ersten Blick. Ein Energiebündel steckt in ihr, das immer höher hinaus will, das mit drei Hauben noch lange nicht ihr Ziel erreicht hat. „Ich bin eine verbissene Arbeiterin. Vielleicht auch manchmal zu viel.“ Bislang dürfte es nicht geschadet haben. Der Erfolg hat schließlich das letzte Wort. Pfeiffer verfolgt eine klare Linie. „Meine Philosophie ist das Reduzierte. Auf dem Teller soll nur das landen, was...

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13.05.2008