Ausgabe 065, Porträts

Käfer schmeckt ja doch

Man muss Käfer nicht mögen, um Käfer zu lieben. Selbst Michael Käfer meidet (geröstete) Käfer, sein Delikatessenimperium boomt auch ohne die Tierchen. Wie er zu Europas Spitze stieß und warum er keine Gänseleber isst.

Michael Käfer mit gefüllten Einmachgläsern zu einem Turm gebildet Vielleicht leuchtet unter dem weißen Hemd das Superman-T-Shirt blau hervor, wenn man den korrekten Krawattenknoten lockert. Michael Käfer hat definitiv den Röntgenblick. Da ist die Serviette schief, dort liegt Staub auf dem Fußboden, das Champagnersortiment könnte man auch überprüfen und so weiter und so fort – Super-Käfer sieht alles auf seinen Rundgängen. Das schlaue Lächeln hat sich jetzt vertschüsst. Dass ihm auch nur die kleinste Kleinigkeit entgeht, hat die Käfer-Geschichtsschreibung noch nicht berichtet. Wenn es um die Performance beim Kunden geht, kann er enorm pingelig werden. „Ich bin ungeduldig, es macht mich krank, wenn die Qualität nicht stimmt.“ Zum Glück ist der Mann nicht Restaurantkritiker. Das Erbe von zwei Generationen Käfer drückt allerdings schwer, da ist Präzision so unverzichtbar wie der in Dosentürmen gestapelte Kaviar, der im gut gesicherten Glaskasten hinter Schloss und Riegel gebracht wurde. „Ich gehe oft sehr ins Detail. Ich will eben alles ganz genau wissen.“ Und dann kann Michael Käfer auch wieder fast sorglos sein. Verträge liest er nicht groß durch, er setzt einfach seinen Haken darauf.
Käfer zu sein ist mal Vergnügen, mal Last...

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13.05.2008