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Speisemeisterei meldet Insolvenz an

Frank Oehlers Homebase – die Speisemeisterei im Schloss Hohenheim – musste vergangenen Freitag Insolvenz anmelden. Trotzdem ist vorerst kein Ende in Sicht.

Fotos: Thomas Haindl

Finanzielle Probleme: Das Sternerestaurant in Stuttgart von Patron Frank Oehler musste nun Insolvenz anmelden. Der laufende Betrieb wird aber vorerst nicht eingeschränkt, laut Geschäftsführer Gerd Schmid.

Schmid hatte den Insolvenzantrag am Freitag gestellt, nachdem die Situation sich immer weiter zuspitzte. „Ich konnte am Stichtag den Lohn nicht zahlen. Wenn wir es dann nicht angemeldet hätten, hätte man uns Insolvenzverschleppung anlasten können“, erklärt Schmid. Durch die Nachricht an ihre Stammkunden und die Insolvenzmeldung sollen sich aber bereits Investoren gemeldet. Nähere Informationen gibt es dazu noch nicht. 

Frank Oehler, Sternekoch 

In dem Newsletter an seine Gäste sagt Schmid: „Im Oktober 2018 steht das 10 jährige Bestehen der Speisemeisterei an. Leider sind wir momentan nicht sicher, ob wir dieses Etappenziel erreichen können. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und ausbleibender Zahlungen von Rechnungen musste ich per heute einen Insolvenzantrag stellen, um die Gehälter für die Mitarbeiter zu sichern. Als einer der Geschäftsführer bin ich persönlich für die Entwicklung und Gestaltung der Speisemeisterei verantwortlich und muss aus formaljuristischen Gründen diesen Schritt vollziehen.“

Durch die Insolvenz sind die Kosten der nächsten drei Monate gedeckt.

Ursachensuche

Frank Oehler ist erleichtert, dass die Insolvenz angemeldet wurde: „Wie ein Wachkomapatient haben wir dahinvegetiert. Jetzt ist es wenigstens raus und wir können uns überlegen, wie wir die Speisemeisterei weiterführen möchten.“

Ein Grund für die Insolvenz soll eine offene Rechnung eines Firmenkunden für eine Veranstaltung sein. Der hohe fünfstellige Betrag soll zu Liquiditätsproblemen geführt haben. Das erste Quartal sei erfahrungsgemäß schwächer. Durch die ausbleibende Zahlung in Höhe eines Monatsumsatzes sei es zur Insolvenz gekommen. Allerdings ist das nur die Spitze des Eisberges. Schmid: „Verantwortlich sind Managementfehler, nicht geeignete Mitarbeiter und hohe Lohnkosten.“

Die Personalkosten betrugen laut Oehler weit über 50 Prozent. Die Küche hingegen wurde mit unter 20 Prozent Wareneinsatz sehr gut wirtschaftlich kalkuliert. Oehler: „Die politische Entwicklung mit Arbeitszeitenregelungen, Registrierkassenpflicht und so weiter macht es nicht einfacher.“

Außerdem komme ein Verlust aus dem Vorjahr hinzu, wobei dieser geringer gewesen sein soll als 2016. Das Restaurant schreibt seit Eröffnung 2008 keine schwarzen Zahlen, so Schmid. „Pro Gast machen wir ein Minus von 1,50 Euro.“

Mit der Insolvenz werden die drei Gesellschafter, darunter Frank Oehler, einen sechsstelligen Betrag verlieren.

Bisher haben die Arbeitnehmer des Restaurants angekündigt, trotz Insolvenz zu bleiben. Zudem soll das Land Unterstützung angekündigt haben.

Kein Grund zur Panik

Oehler: „Ich gehe jetzt noch einmal zehn Tage in ein Zen-Kloster und überlege mir, wie wir das weiter angehen. Grundsätzlich sollten wir das Konzept überdenken, da es mit diesen Rahmenbedingungen einfach zu kostspielig ist. Das alte Konstrukt Speisemeisterei ist in die Knie gegangen, aber wir resignieren nicht. Die Insolvenz bedeutet eine neue Chance für uns.“

Schmid: „Wir arbeiten aktuell an einem völlig neuen Konzept, um unser Kochteam noch stärker in den Kontakt mit den Gästen bringen zu können. Die guten Erfahrungen mit unseren erfolgreichen offenen Küchenparties haben uns dahingehend bestärkt.“

Für Frank und Schmid ist die Insolvenz kein Grund zur Panik, sondern ein Neustart.

www.speisemeisterei.de 

07.05.2018