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Thomas Keller auf fünf Millionen Dollar verklagt

Eine Ex-Mitarbeiterin wirft dem Starkoch sexuelle Diskriminierung vor. Sie behauptet, wegen einer Schwangerschaft unrechtmäßig entlassen worden zu sein.

Fotos: Deborah Jones

Als sie schwanger wurde, habe man ihr eine bereits in die Wege geleitete Beförderung verweigert und sie letztlich entlassen. So lautet zusammengefasst der Vorwurf von Vanessa Scott-Allen an Thomas Keller. Die 28-Jährige hat den Starkoch und seine 3-Sterne-Restaurants verklagt – auf satte fünf Millionen Dollar. Seit Montag läuft das Gerichtsverfahren.

Was ist genau passiert?

Scott-Allen stieg 2011 als Küchenhilfe im Restaurant Per Se in New York ein, arbeitete sich hoch bis zur Serviceleiterin und bezog ein sechsstelliges Gehalt. Laut Anklage besuchte sie im Zuge eines Urlaubs Im Januar 2016 mit ihrem Mann Kellers zweites Restaurant, das French Laundry in Kalifornien, wo sie sich General Manager Michael Minillo gegenüber dahingehend äußerte, das Paar erwäge, in den Westen zu ziehen. Daraufhin habe Minillo gesagt, das French Laundry würde sich freuen, Scott-Allen im Team zu haben, berichtet ABC News unter Berufung auf die Anklage. 

Starkoch Thomas Keller steht vor Gericht. Er soll eine Ex-Mitarbeiterin diskriminiert haben, weil sie schwanger war. 

Zurück in New York traf Scott-Allen alle nötigen Vorkehrungen für den Wechsel nach Kalifornien, füllte im Februar 2016 das interne Transfer-Formular des Unternehmens aus und erklärte sich bereit, ihre neue Position ab April zu übernehmen. 

Als sich herausstellte, dass sie schwanger war, informierte Scott-Allen ihre Vorgesetzten. Der Anklage liegt der E-Mail-Verkehr in der Angelegenheit zwischen Minillo und Julie Secviar, Head of Human Ressources der Thomas Keller Restaurantgruppe, vor. Darin wird Scott-Allens Schwangerschaft als Problem identifiziert und diskutiert, wie man die Mitarbeiterin loswerden könnte. Die Anklage unterstellt Minillo und Secviar, schließlich ein gefälschtes Bewerbungsgespräch geplant zu haben, aus dem Scott-Allen als nicht geeignet für den Job im French Laundry hervorgehen würde. 

Im April sagte Minillo laut ABC News aus, er habe, nachdem er von Scott-Allens Schwangerschaft erfahren hatte, nicht mehr vor gehabt, sie einzustellen. Das Bewerbungsgespräch sollte stattfinden, um zu verhindern, dass Scott-Allen vor Gericht zieht.

Was sagen die Anwälte?

Ein Anwalt der Restaurantgruppe sagte am Montag vor Gericht aus, dass Scott-Allen nicht wegen der Schwangerschaft, sondern wegen schlechter Performance entlassen wurde, und dass sie den Austausch höflicher Floskeln bei ihrem Besuch im French Laundry als Jobangebot falsch verstanden habe, berichtet ABC News.

Carla Mignard, die Anwältin von Scott-Allen, sagte zu Beginn des Gerichtsverfahrens am Napa County Superior Court, sie hoffe, der Prozess werde die Aufmerksamkeit auf die Frauenfeindlichkeit in der Fine-Dine-Szene lenken, denn das sei eine der letzten Branchen, wo es immer noch in Ordnung sei, Frauen zu diskriminieren. Der Fall würde antiquierte Traditionen aufzeigen, wo noch immer Männer für hochbezahlte Positionen bevorzugt werden und eher als qualifiziert für den Kontakt mit gut zahlenden Gästen angesehen würden, so ABC News.

04.06.2019