Ist die Maß voll? Wiesn-Festkrug sorgt für Wirbel

Der diesjährige Festkrug der Wiesnwirte sorgt seit seiner Präsentation für Aufregung. Der Grund: Das Motiv – eine Frau mit viel Dekolleté die 15 Maßkrüge stemmt – sei sexistisch.
Juli 25, 2022 | Text: Johannes Stühlinger | Fotos: Wiesn Wirte

Wenn diese Episode von den zuständigen PR-Verantwortlichen bewusst inszeniert wurde, so kann man nur sagen: Chapeau! Da ist ein echter Coup gelungen. Schließlich wird seit der Präsentation des diesjährigen Festkrugs der Münchner Wiesn-Wirte tatsächlich in den großen Tagesmedien über das darauf dargestellte Motiv heftig diskutiert. Und die Meinungen gehen diametral auseinander. Während die einen von Sexismus sprechen orten andere ein Signal von Body-Positivity. Es ist also alles angerichtet – für viel Spaß beim Lesen.

Aber worum geht es eigentlich konkret? Auf besagtem Festkrug prangt in diesem Jahr die Zeichnung einer Frau, die satte 15 Maßkrüge stemmt. Was dabei zusätzlich ins Auge sticht, ist ihr wahrlich weit auslandendes Dekolleté.

Wiesn Festkrug als Stein des Anstoßes

Ein Aspekt, der für den Sprecher der Wiesn-Wirte eher der Dirndl-Logik entspringt als jeglicher sexistischer Idee: „Für mich persönlich strahlt er bayerische traditionelle Lebensfreude aus“, wird also Christian Schottenhamel von der Süddeutschen Zeitung dazu zitiert. In ein ähnliches Horn stößt der für den Wurf verantwortliche Illustrator Rudi Skukalek.

 

Wiesn Festkrug
Drei Männer präsentieren einen Festkrug mit einer Frau als Leitmotiv. Ist dieses sexistisch?

 

Er sagt: Ich wollte eine, der man auch zutraut, dass sie 14 Krüge tragen kann, die mit fröhlich-stolzem Ausdruck die Wiesnwirte repräsentiert.“ Zudem bezieht sich der Künstler darauf, dass gar die Idee seiner Zeichnung von einer Frau selbst stammen würde – Wiesnwirten Katharina Inselkammer hätte die kreative Eingebung gehabt und ihm den Input geliefert.

Mir geht’s darum, dass Frauen auf der Wiesn respektvoll behandelt werden und dass das kein Freibrief ist.
Wiesn-Stadträtin Anja Berger äußert vorsichtig Unmut

Eben hier verhakt sich die SZ. Es sei „schwer vorstellbar“, dass die Idee zum Motiv von einer Frau stamme, schreibt sie. Gleich sieht die Sache die grüne Wiesn-Stadträtin Anja Berger, die von der Zeitung so zitiert wird: „Das positive Lebensgefühl der Wiesn trifft er schon, da gehören die Frauen und Bedienungen im Dirndl ja dazu. Ich würde mir nur wünschen, dass nicht immer dieses tiefe Dekolleté als Motiv genommen wird, sondern vielleicht mal etwas Vielfältigeres. Mir geht’s darum, dass Frauen auf der Wiesn respektvoll behandelt werden und dass das kein Freibrief ist, weil ich glaube, dass Bedienungen da auch gewisse Erfahrungen haben.“

Oder ist der Wiesn Festkrug ein Zeichen für Body-Positivity?

Auf der anderen Seite dieses kleinen Scharmützels hat sich die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung formiert. Hier sieht man die Sache sehr entspannt und wundert sich vielmehr über die aufflammende Kritik. „Auf dem Festkrug wird nun endlich einmal eine ganz normale Frau mit Doppelkinn präsentiert, deren rosiger Gesichtsausdruck Body-Positivity durch und durch ausstrahlt und die sich gerade mit ihrem Körper als sinnliches Wesen zu begreifen scheint – und dann ist es auch wieder nicht recht“, so die FAZ.

Eines steht jedenfalls fest: Weder der Wiesn noch dem Bierabsatz wird die Sache schaden. Die Medienpräsenz in der Sommerlochzeit aber, die wird definitiv erhöht. Dieser Artikel ist das beste Beispiel dafür …

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