Die Althoffs: der Sir und die Grande Dame

Gemeinsam mit seiner Frau Elke Diefenbach-Althoff legte Thomas Althoff vor fast 40 Jahren den Grundstein für das einzigartige Zusammenspiel zwischen deutscher Spitzenhotellerie und Spitzengastronomie. Warum das Unternehmertum von damals gar nicht so anders ist wie das von heute und verkürzte Arbeitszeiten das mögliche Erfolgsrezept der Zukunft sind, verrät der Träger der Auszeichnung „ROLLING PIN Lebenswerk“ im Exklusivinterview.
November 19, 2021 | Text: Lucas Palm | Fotos: Walter Vorjohann, Klaus J.A. Mellenthin 2014, Wolfgang Stahr, Patrick Kirchberger

Rückblick aus erster Hand

Seit über 35 Jahren prägt Thomas Althoff das deutsche Hotelbusiness wie kein zweiter, mit 15 Hotels und knapp 2000 Zimmern in vier Ländern hat er in den vergangenen Jahrzehnten außerdem die Spitzengastronomie Deutschlands wie kein anderer Hotelier mitgestaltet. Ein exklusiver Rückblick vom Grandseigneur selbst auf sein beeindruckendes Lebenswerk.

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Erhielten im Rahmen der deutschen ROLLING PIN.Awards 2021 die Auszeichnung „Lebenswerk“: Elke Diefenbach-Althoff und Thomas Althoff.

Rückblick aus erster Hand

Seit über 35 Jahren prägt Thomas Althoff das deutsche Hotelbusiness wie kein zweiter, mit 15 Hotels und knapp 2000 Zimmern in vier Ländern hat er in den vergangenen Jahrzehnten außerdem die Spitzengastronomie Deutschlands wie kein anderer Hotelier mitgestaltet. Ein exklusiver Rückblick vom Grandseigneur selbst auf sein beeindruckendes Lebenswerk.

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Erhielten im Rahmen der deutschen ROLLING PIN.Awards 2021 die Auszeichnung „Lebenswerk“: Elke Diefenbach-Althoff und Thomas Althoff.

Herr Althoff, begeben wir uns zu Beginn doch kurz in die Vergangenheit. Man kann es sich zwar kaum vorstellen, aber auch ein so imposantes Lebenswerk wie das Ihre soll einmal klein angefangen haben. Mit gerade einmal Anfang 20 pachten Sie sich in Aachen ein Hotel – und sind plötzlich Hoteldirektor. Wie kann man sich das vorstellen?
Thomas Althoff: In die Hotelbranche zu gehen, war damals ein Traum von mir gewesen. Auf Reisen mit meinen Eltern habe ich als Junge viele Hotels in anderen Ländern gesehen: in Österreich, in Italien. Da wusste ich: diese Branche fasziniert mich. Nach der Ausbildung an einer Handelsschule als Kaufmann habe ich mich dann mit 21 sehr früh selbstständig machen können. Das Hotel zu pachten war nicht einfach, vor allem, da ich nicht viel Geld hatte. Dementsprechend sah das Hotel auch aus. Aber es war ein Anfang. Und vor allem: Wenn man 21 ist, kommt Misserfolg nicht vor.

Unternehmertum ist damals wie heute gefragt. Wer etwas wagt, kann auch heute was gewinnen.
Thomas Althoff über seinen Entschluss als 21-Jähriger, einfach mal ein Hotel zu pachten

Was sagten Ihre Eltern dazu? Ist der Junge völlig verrückt geworden?
Althoff: So ungefähr. Aber sie haben es trotzdem unterstützt, indem sie für einen Teil der Pacht bürgten. Ich bin ihnen bis heute dankbar für das Vertrauen, das sie damals in mich hatten.

Das alles klingt aus heutiger Sicht genauso faszinierend wie anachronistisch. Wäre das heute noch machbar?
Althoff: Warum nicht? Dieses erste Hotel, das ich gepachtet hatte, war ja nicht der Erfolg, von dem ich bis heute zehre. Ich hatte dieses erste Hotel relativ schnell aufgegeben, weil ich ein schöneres Hotel pachten konnte. Von da an hatte ich dann alles weiter aufgebaut. Ich denke, Unternehmertum ist damals wie heute gefragt. Wer etwas wagt, kann auch heute was gewinnen.

Die Übernahme des umgebauten Schlosshotels Lerbach im Jahr 1992 markiert Ihren unternehmerischen Einstieg in das Luxussegment – und damit auch Ihre geradezu bahnbrechende Arbeit für die deutsche Spitzengastronomie. War das eine ganz gezielte Ambition Ihrerseits, in Ihren Hotels spitzengastronomische Maßstäbe zu setzen, oder ist das einfach nebenbei wie von selbst passiert als Konsequenz des Luxusprodukts der Fünf-Sterne-Hotellerie? Schließlich beherbergt ja nicht jedes Hotel in dieser Liga ein Drei-Sterne-Restaurant.
Althoff: Das muss es auch nicht. Dennoch: Als wir den Erfolg vom Schlosshotel Lerbach gesehen haben, wussten wir, das passt einfach zusammen. Gute Hotellerie und Gastronomie gehören für uns zusammen. Wobei man auch klar sagen muss: Die entsprechende Hotelgastronomie muss ja auf das Hotel und den Standort abgestimmt sein. Insofern stimmt es schon, dass nicht jedes gehobene Hotel ein Drei-Sterne-Restaurant braucht. Wenn sie nach Saint-Tropez fahren, hat man schließlich andere Forderungen an die Gastronomie als wenn man beispielsweise gezielt nach Schloss Bensberg fährt.

Begeben wir uns in die Jetztzeit. Ende August dieses Jahres verschickte die Althoff-Gruppe eine Presseaussendung, wonach in einzelnen Betrieben – vor allem solchen mit Drei-Sterne-Restaurants – Servicezeiten minimiert und Betriebsurlaube eingeführt wurden. Was steckt hinter dieser Entscheidung?
Althoff: Es ist kein Geheimnis, dass die Branche zusehen muss, wo sie ihre Mitarbeiter herbekommt. Wir wissen, dass das nicht nur in der Hotellerie ein Problem ist, zumindest wird in Deutschland in fast jeder Branche der Fachkräftemangel beklagt. Das knappe Gut sind also unsere Mitarbeiter. Das waren sie eigentlich schon immer. Seit ich im Geschäft bin, ging es immer darum, die guten Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Das ist heute wichtiger denn je, und deswegen mussten wir uns etwas einfallen lassen. Die Arbeitszeiten haben sich geändert, sie waren früher in der Gastronomie ziemlich ausgedehnt und neue Mitarbeiter wollen das heute einfach nicht mehr. Für uns stand fest, dass wir uns diesen neuen Gegebenheiten anpassen müssen.

Eine dieser Maßnahmen ist also die Reduzierung der Arbeitszeiten, Stichwort work-life-balance.
Althoff: In einem Spitzenrestaurant geht es ja um eine hervorragende Teamleistung. Die kann nur erbracht werden, wenn ein eingespieltes Team unter einem super Küchenchef zusammen Bestleistungen gibt. Deswegen gibt es ja die Fünf-Tage-Woche, und wenn das unter den neuen Gegebenheiten nicht zu leisten ist, dann gibt’s eben die Vier-Tage- Woche. Weil eben alle Leute auf einmal da sein müssen. Deswegen haben wir auch den gemeinschaftlichen Urlaub eingeführt beziehungsweise ausgeweitet. Unsere Mitarbeiter haben dadurch eine geregelte Arbeitszeit, die planbar ist, und eine geregelte Urlaubszeit, die planbar ist.

Wenn man Ihnen so zuhört, könnte man vergessen, dass Sie sich aus der operativen Ebene Ihres Unternehmens kürzlich zurückgezogen haben.
Althoff: Ich selbst bin Chairman of the Board und kucke mir, wenn man so will, alles vom Verwaltungsrat an. Ich hab die Freude, dass seit Mai letzten Jahres Frank Marrenbach, der über 20 Jahre die Oetker-Hotels geleitet hat, zu mir gewechselt ist. Er ist mein Nachfolger als CEO und als Minderheitengesellschafter in unser Unternehmen eingetreten. Damit ist die Betonung auf Familienunternehmen auch in der Zukunft weiter ausgeprägt.

www.althoffcollection.com

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ELKE UND THOMAS ALTHOFF. Gemeinsam mit seiner Frau Elke Diefenbach-Althoff gründete Thomas Althoff aus dem Nichts das heute als Althoff Hotels bekannte Kölner Unternehmen im Jahr 1984 mit dem Hotel Regent International in Köln. Seitdem ist die Gruppe auf insgesamt 15 Hotels mit 1491 Zimmern in vier Ländern gewachsen. Es ist der Althoff Collection zu verdanken, dass Sternegastronomie und Luxushotellerie in Deutschland eine so erfolgreiche und nachhaltige Symbiose eingegangen sind. Mit der Marke Ameron bespielt Althoff außerdem auch das Vier-Sterne-Segment, seit Sommer 2020 ist er mit dem Urban Loft in Köln außerdem in den Drei-Sterne-Bereich eingestiegen.

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