Warum Bardia Torabi als die Wunderwaffe unter den Hotelmanagern gilt

Bardia Torabi definiert Hotelmanagement neu: Warum er Mitarbeiter an der Tankstelle rekrutiert und Champagner im Luxussegment nicht alles ist.
September 5, 2019 | Text: Alexandra Polič | Fotos: Volker Debus, Roomers Hotel München

Bardia Torabi fühlt sich ausschließlich außerhalb seiner Komfortzone wohl. An einem Ort kann der gebürtige Iraner nicht lange bleiben. Aber ein Hotel, in dem Torabi einmal gewirkt hat, bleibt ein Erfolgsgarant. Vielleicht liegt das daran, dass der General Manager gerne zu außergewöhnlichen Methoden greift. Die Branche jedenfalls scheint sich um ihn zu reißen: Im November wechselt er vom Roomers München ins The Ritz-Carlton Doha Sharq Village. Im Interview spricht er über sein letztes großes Projekt in Deutschland.

Bardia Torabi, Roomers
Erst wollte Bardia Torabi Basketballer werden, dann Pilot. Ein Sommerjob im Intercontinental und eine Begegnung mit Gerhard Schröder ändern alles: Torabi wechselt in die Hotellerie  – und das mit Karacho.

Herr Torabi, Sie waren bereits für einige namhafte Unternehmen tätig. War Ihnen schon immer klar, dass Sie im Hotelgewerbe arbeiten wollen?
Bardia Torabi: Nein, überhaupt nicht! Ganz am Anfang wollte ich Profi-Basketballer werden. Dafür war ich auch 17 Monate bei den Nike Hoop Camps in den USA. Aber dann habe ich mich schwer an den Knien verletzt. Danach wollte ich Pilot werden, ich hatte auch schon ein Stipendium.

Und was ist dann passiert?
Torabi: Ein Sommer-Aushilfsjob im damaligen Intercontinental in Hannover. Ich durfte dort die Suiten der Top-VIPs mit Amenities ausstatten und habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht und wie detailverliebt ich bin. Außerdem hatte ich das Glück, im Restaurant des Hotels auszuhelfen, als Gerhard Schröder zu Gast war. Mit dem ehemaligen Bundeskanzler hatte ich dort eine so schöne Begegnung, dass ich mir dachte: Ich lasse das mit der Fliegerei. Nur, dass es international bleiben soll, das war mir sehr wichtig: Anstatt internationale Flughäfen anzufliegen, hatte ich dann eben internationale Gäste im Hotel.

Bardia Torabi fühlt sich ausschließlich außerhalb seiner Komfortzone wohl. An einem Ort kann der gebürtige Iraner nicht lange bleiben. Aber ein Hotel, in dem Torabi einmal gewirkt hat, bleibt ein Erfolgsgarant. Vielleicht liegt das daran, dass der General Manager gerne zu außergewöhnlichen Methoden greift. Die Branche jedenfalls scheint sich um ihn zu reißen: Im November wechselt er vom Roomers München ins The Ritz-Carlton Doha Sharq Village. Im Interview spricht er über sein letztes großes Projekt in Deutschland.

Bardia Torabi, Roomers
Erst wollte Bardia Torabi Basketballer werden, dann Pilot. Ein Sommerjob im Intercontinental und eine Begegnung mit Gerhard Schröder ändern alles: Torabi wechselt in die Hotellerie  – und das mit Karacho.

Herr Torabi, Sie waren bereits für einige namhafte Unternehmen tätig. War Ihnen schon immer klar, dass Sie im Hotelgewerbe arbeiten wollen?
Bardia Torabi: Nein, überhaupt nicht! Ganz am Anfang wollte ich Profi-Basketballer werden. Dafür war ich auch 17 Monate bei den Nike Hoop Camps in den USA. Aber dann habe ich mich schwer an den Knien verletzt. Danach wollte ich Pilot werden, ich hatte auch schon ein Stipendium.

Und was ist dann passiert?
Torabi: Ein Sommer-Aushilfsjob im damaligen Intercontinental in Hannover. Ich durfte dort die Suiten der Top-VIPs mit Amenities ausstatten und habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht und wie detailverliebt ich bin. Außerdem hatte ich das Glück, im Restaurant des Hotels auszuhelfen, als Gerhard Schröder zu Gast war. Mit dem ehemaligen Bundeskanzler hatte ich dort eine so schöne Begegnung, dass ich mir dachte: Ich lasse das mit der Fliegerei. Nur, dass es international bleiben soll, das war mir sehr wichtig: Anstatt internationale Flughäfen anzufliegen, hatte ich dann eben internationale Gäste im Hotel.

Was hat Sie in Ihrem Berufsleben am meisten geprägt?
Torabi: Das waren die Momente, in denen ich karrierebedingt weitergezogen bin. Nicht nur das Hotel, in dem man die letzten Monate und Jahre gearbeitet hat, sondern die Art und Weise, wie ich von meinen Mitarbeitern verabschiedet wurde. Es waren immer sehr emotionale Abschiede, bei denen auch die eine oder andere Träne geflossen ist. Mein Vater hat mir immer mit auf den Weg gegeben: „Vergiss niemals, wo du herkommst. Je höher du aufsteigst, desto bodenständiger musst du werden. Und: Wenn du einen Mitarbeiter einstellst, bist du in gewisser Weise auch verantwortlich für sein Leben.“ Das versuche ich, so gut es geht, umzusetzen. Es geht immer darum, einen persönlichen Footprint zu hinterlassen.

Bardia Torabi, Roomers München
Bardia Torabi macht gerne außergewöhnliche Dinge – meist für Gäste, manchmal auch für Fotoshootings. Für den FC Liverpool lässt er das Vereinslogo auf den Boden des Roomers gravieren.

Gibt es umgekehrt etwas, das Sie auf die harte Tour lernen mussten?
Torabi: Ja, zum Beispiel konstruktives Feedback anzunehmen. Es gibt Menschen, die mit Feedback sofort umgehen können, und es gibt Menschen, die dafür ein paar Tage brauchen. Ich war früher jemand, der dafür ein paar Tage brauchte – heute ist das anders, und ich bin dankbar für konstruktives Feedback.

Vor drei Jahren haben Sie von Liran Wizman, Micky Rosen und Alex Urseanu das Angebot bekommen, Hoteldirektor des damals neuen Roomers in München zu werden. Eigentlich hatten Sie da schon ein anderes Top-Angebot auf dem Tisch. Was hat Sie überzeugt?
Torabi: Das andere Angebot kam von einer international angesehenen 5-Sterne-Hotelmarke aus Dubai – und klar hat mich die Weltmetropole gereizt. Aber Roomers ist ein Konzept, in dem es nicht vorgesehen ist, den einfachen Weg zu gehen. Es ist ein Hotel, das gar nicht normal geführt werden soll. Ich wollte immer für ein außergewöhnliches Unternehmen arbeiten. Das war die Chance, eine komplett neue Marke auf den Weg zu bringen und mich selbst auf die Mutprobe zu stellen.

Wenn Sie das Konzept von Roomers in wenigen Worten beschreiben müssten …
Torabi: Roomers steht für Lifestyle und Leichtigkeit, 5-Sterne-Niveau mit einem sehr lockeren Flair. Dafür, sich nicht zu ernst zu nehmen. Und ganz groß ist bei uns auch der Pioniergeist.

Wer sind Ihre Kunden?
Torabi: Das sind Menschen aus dem Designbereich, von der Auto- bis in die Modebranche. Auch Sportler sind bei uns zu Gast, viele von ihnen sind Fußballer oder Basketballer.

Das Roomers ist bekannt dafür, seinen Gästen ungewöhnliche Erlebnisse zu bieten. Wie können wir uns das vorstellen?
Torabi: Wir gehen einfach mit viel Kreativität auf unsere Gäste ein. Aber wir sind auch immer dazu bereit, etwas Außergewöhnliches zu machen – wenn es zu unserer Etikette passt. Das macht auch den großen Unterschied zu einem Grandhotel: Da hätten die Corporate-Strukturen so manches Mal gesagt, dass man so etwas nicht machen kann. Außerdem möchten wir, dass die Gäste das Gefühl haben, nicht in einem Hotel zu sein. Das moderne Wohnzimmer für alle – das ist Roomers.

Und welche außergewöhnlichen Dinge machen Sie zum Beispiel für dieses Image?
Torabi: Damit will ich vor allem sagen, dass wir auch etwas verrücktere Sachen machen wollen. Einmal hatten wir den FC Liverpool zur Site Inspection zu Gast. Als das Team ankam, spielten wir „You’ll Never Walk Alone“, ihr Logo haben wir auf den Boden graviert! Unsere Mitarbeiter trugen FC-Liverpool-Shirts. Und in den Suiten, in denen die Familie untergebracht war, haben wir eine Playstation installiert, auf der wir das Spiel Bayern gegen Liverpool nachgespielt haben – und da war natürlich Liverpool 2:0 vorne. Das sind Kleinigkeiten, die man tatsächlich macht, um den Gästen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ich bekomme noch immer Gänsehaut, wenn ich davon erzähle. Ich glaube, es kommt in einem Hotel auch gar nicht mehr darauf an, welchen Champagner oder welche Kaviarsorte wir anbieten. Am Ende erinnert sich der Gast an die Gänsehautmomente.

Sie sprechen öfters von „Hotel Mama“ als Vorbild. Ist es für Sie das, was Sie gerade beschrieben haben?
Torabi: Ja, genau das ist es. Für mich ist das Hotel Mama das beste Hotel der Welt. Wenn man seiner Mutter ankündigt, dass man nach Hause kommt, berechnet sie die Zeit, bis man ankommt. Das alte Kinderzimmer wird vorbereitet, alles neu bezogen! Der Kühlschrank ist voll mit all den Leckereien, die das Kind so gerne isst. Sie kocht immer das Lieblingsessen. Und das ist nur der Anfang. Am Ende steht sie bei der Verabschiedung so lange winkend am Fenster oder an der Eingangstür, bis das Auto nicht mehr zu sehen ist. Diese Geschichte erzähle ich jedem neuen Mitarbeiter bei dessen Einführung! Ich glaube nämlich, dass sie im Vordergrund stehen – und nicht die Marke. Eine Marke wird immer von Menschen getragen. Einen sehr großen Anteil an meinem Erfolg haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ,mit denen ich die letzten Jahre gearbeitet habe! Das Hotel Mama dient dabei auch mir als Vorbild.

Wie setzen Sie das im Alltag um?
Torabi: Ich versuche, meinen Mitarbeitern immer zu sagen, dass sie Fehler machen dürfen. Unsere Eltern haben uns als Kindern auch Fehler verziehen. Sie haben sich zu uns gesetzt und uns erklärt, warum etwas nicht richtig war und wie man es besser machen kann. Ich wollte nie Manager eines Hotels werden, das fehlerfrei ist. Wir arbeiten immerhin mit Menschen und nicht mit Maschinen. Hotel Mama im alltäglichen Leben heißt, dass wir zuhören, dass wir verstehen und dass wir Ratschläge geben. Und zu zeigen: Auch ich weiß nicht alles. Wichtig ist, wie man mit Herausforderungen umgeht. Es ist immer ein Miteinander!

Roomers München
Ein Blick in den Red Event Room verrät: Private Partys und Diskretion gehören hier zum Konzept.

Stichwort Herausforderungen: Wie findet man Menschen, die eine Marke tragen?
Torabi: In Bewerbungsgesprächen frage ich immer: Was kann ich als GM von Ihnen lernen? Diese Frage stelle ich jedem Mitarbeiter. Früher hieß es immer, dass man nur von den Abteilungsleitern, von den Generaldirektoren lernt. Heute wissen wir, dass jeder von jedem etwas lernen kann. Wenn man diese Einstellung mitbringt, öffnen sich Menschen – und dann sind sie auch bereit, anders zu arbeiten.

Trotzdem herrscht in der Branche noch immer Personalmangel.
Torabi: Dass wir in der Hotellerie so wenig Personal finden, ist unsere Schuld. Wir haben immer nach Fertigprodukten gesucht: fertiges Obst, fertiges Gemüse und fertige Mitarbeiter. Ständig wird nur auf Zeugnisse geschaut. Aber Freundlichkeit steht auf keinem Zeugnis – und die kann man den Leuten auch nicht beibringen. Ich will damit nicht sagen, dass Zeugnisse unwichtig sind. Aber wir suchen vor allem nach Menschen, die gerne lachen. Oft haben wir vergessen, wofür die Hotellerie eigentlich steht: nämlich für Herzlichkeit. Alles andere kann man den Mitarbeitern beibringen, wenn man sich Zeit für sie nimmt. Mitarbeiterzufriedenheit sollte kein Werbeslogan für Hotels sein, sondern eine Herzensangelegenheit.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Torabi: Das beste Beispiel ist Igor, unser Doorman. Igor habe ich an einer Tankstelle kennenlernen dürfen! Er wollte mir dort einfach jede Arbeit abnehmen und dafür nicht einmal Trinkgeld annehmen. Ich habe ihn dann gefragt, ob er sich vorstellen könnte, in einem 5-Sterne-Hotel zu arbeiten. Heute bekommt er die besten Gästebewertungen. Es gibt so tolle Menschen, die perfekt zur Hotellerie passen, wir müssen sie nur sehen wollen.

Bardia Torabi, Roomers München
Bardia Torabi stand in seinem Leben hinter so mancher Erfolgsmarke: Er baut Hotels für Kempinski, The Ritz-Carlton, Marriott und aktuell Roomers neu auf und macht sie zu absoluten Erfolgsgaranten. Demnächst zieht es ihn nach Doha.

Was ist Luxus für jemanden, der in einem 5-Sterne-Hotel arbeitet?
Torabi: Zeit ist für mich Luxus: Auszeit sollte es nicht nur beim Sport geben. Es ist wichtig, Zeit für sich selbst zu haben, für Freunde. Aber auch im Beruf sollte genügend Zeit da sein, um Erfolge zu feiern und genauso, um über Misserfolge zu reden.

Was hat Sie nun dazu bewegt, die nächste Herausforderung anzunehmen?
Torabi: Mit dem The Ritz-Carlton Sharq Village in Doha kommt ein Hotel auf mich zu, das genial ist. Es war schon immer mein Ziel, GM eines The Ritz-Carlton zu werden. Davon habe ich geträumt, darauf habe ich hart hingearbeitet. Außer­dem ist Katar das nächste WM-Land – und ich werde mit der Hotelgruppe Katara zusammenarbeiten. Dazu kommt: The paint was painted, das Bild hier war zu Ende gemalt. Ich habe das Roomers aufgemacht, ich habe es positioniert. Jetzt ist es für mich an der Zeit, weiterzuziehen.

www.roomers-munich.com

www.ritzcarlton.com

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