Die Chamäleon Taktik

Anpassungsfähigkeit im Job ist gefragt wie nie zuvor. Doch wie flexibel muss man sein? Und wie zeigt man dem anderen, dass man flexibel ist? Hier erfahren Sie, worauf es ankommt.
November 13, 2015

Fotos: Shutterstock, Werner Krug, beigestellt
Chamäleon

Mal schillernd, mal getarnt. Das Chamäleon ist vor allem für seine Farbwechsel bekannt. Oder anders formuliert: für seine Anpassungsfähigkeit. Über diese Anpassungsfähigkeit sollten Arbeitssuchende ebenfalls verfügen: Denn genommen wird, wer flexibel ist. Das gilt gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten mehr denn je.

Ob Wetter, Wirtschaftslage, Saison oder Kundenwünsche: Es gibt viele Faktoren, die eine geordnete Arbeitszeit nicht zulassen. Davon kann Patrick Rüther, Geschäftsführer von Tim Mälzers Bullerei in Hamburg, ein Lied singen: „Generell wird die Branche von vielen Faktoren beeinflusst, und gerade hier bei unserem Konzept mit Deli, Restaurant und Außenbereich ist Flexibilität unverzichtbar. Vor allem, weil die Eröffnung erst bevorsteht und die Abläufe noch völlig unbekannt sind.“ Hier beginnt die Flexibilität des Mitarbeiters zu greifen.

Christian Schweinzer
„Referenzen sind wichtig bei der Bewerbung. Deshalb müssen die angegebenen Nummern aktuell sein.“
Christian Schweinzer
Managing Director Blackrock Recruiting

Flexibilität meint nämlich „die Fähigkeit zur Selbstorganisation und im Speziellen, dass man sich an Veränderungen anpassen kann“, erklärt Susanne Rausch von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Das hat mit geistiger Beweglichkeit zu tun, mit einer schnellen Auffassungsgabe und der Bereitschaft, alte Routinen zu verlassen.

Flexibilität bezieht sich aber nicht nur auf die Arbeit selbst, sondern genauso auf die …

Fotos: Shutterstock, Werner Krug, beigestellt
Chamäleon

Mal schillernd, mal getarnt. Das Chamäleon ist vor allem für seine Farbwechsel bekannt. Oder anders formuliert: für seine Anpassungsfähigkeit. Über diese Anpassungsfähigkeit sollten Arbeitssuchende ebenfalls verfügen: Denn genommen wird, wer flexibel ist. Das gilt gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten mehr denn je.

Ob Wetter, Wirtschaftslage, Saison oder Kundenwünsche: Es gibt viele Faktoren, die eine geordnete Arbeitszeit nicht zulassen. Davon kann Patrick Rüther, Geschäftsführer von Tim Mälzers Bullerei in Hamburg, ein Lied singen: „Generell wird die Branche von vielen Faktoren beeinflusst, und gerade hier bei unserem Konzept mit Deli, Restaurant und Außenbereich ist Flexibilität unverzichtbar. Vor allem, weil die Eröffnung erst bevorsteht und die Abläufe noch völlig unbekannt sind.“ Hier beginnt die Flexibilität des Mitarbeiters zu greifen.

Christian Schweinzer
„Referenzen sind wichtig bei der Bewerbung. Deshalb müssen die angegebenen Nummern aktuell sein.“
Christian Schweinzer
Managing Director Blackrock Recruiting

Flexibilität meint nämlich „die Fähigkeit zur Selbstorganisation und im Speziellen, dass man sich an Veränderungen anpassen kann“, erklärt Susanne Rausch von der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung. Das hat mit geistiger Beweglichkeit zu tun, mit einer schnellen Auffassungsgabe und der Bereitschaft, alte Routinen zu verlassen.

Flexibilität bezieht sich aber nicht nur auf die Arbeit selbst, sondern genauso auf die …

 

>> Die Grenzen
Hier endet die Flexibilität: Ganz klar, man muss flexibel sein. Aber es gibt klare Grenzen, die nicht überschritten werden sollten:
Zeitausgleich: Es gibt Zeiten, wo durchgearbeitet werden muss und in denen sich die Überstunden häufen. Feiertage wie Weihnachten sind dahingehend ein Klassiker. Diese Extrazeit ist aber kein Geschenk an den Arbeitgeber. Bewusstes Ansprechen ist gefragt. Zeitausgleich und freie Tage dürfen und müssen eingefordert werden.Anschreien: Gerade in dieser Branche kann es heiß hergehen. Und ja, niemand ist perfekt. Das bedeutet aber nicht, dass Vorgesetzte Mitarbeiter anschreien oder beschimpfen dürfen. Ein derartiger Aggressionsabbau ist nicht angebracht.
Gewalt: Ein klares Überschreiten der Grenzen stellt jegliche Form der Gewaltanwendung dar. Auch wenn es unglaublich klingt, aber es kommt vor. Gewalt muss sich niemand gefallen lassen!
Sexismus: Alles, was in den Bereich Sexismus oder sexuelle Belästigung fällt, ist natürlich ein absolutes No Go.
Wertminderung: Jeder Mensch hat seinen Wert, seinen Preis sozusagen. Ein Kompromiss ist in Ordnung, wenn er ein wenig unter die eigenen Ansprüche fällt. Aber auf keinen Fall unter Wert verkaufen.

… Arbeitsbedingungen. Auch hier sollte man beweglich und anpassungsfähig sein. Und das in vielerlei Hinsicht, wie Christian Schweinzer, Geschäftsführer der Recruitingagentur Blackrock, betont:

    • Örtlich: Als Bewerber sollte man die Bereitschaft haben, die Heimat zu verlassen und an andere Orte zu ziehen. Sich nur auf eine Stadt einzuschränken, kann zum Nachteil werden.

 

    • Zeitlich: Fast schon selbstverständlich ist heute, dass die Arbeitszeit nichts fix Geregeltes ist. Das Übernehmen von anderen Diensten und das Einspringen im Notfall entsprechen der gängigen Praxis.

 

    • Arbeitgeber: Man sollte sich nicht auf eine gewisse Position des Arbeitgebers versteifen. Im Notfall muss es nicht der Drei-Hauben-Koch sein, von dem man lernen möchte.

 

    • Eigenposition: Gerne einen kleinen Schritt zurückgehen oder etwas anderes wagen. Nicht auf der vorherigen Position beharren und nur stur geradeaus schauen. Links und rechts schauen lohnt sich durchaus.

 

  • Lohn: Entgegenkommen zeigen, heißt die Devise. Etwas zurückgehen mit den Forderungen bezüglich des Gehalts. Man hat dann die Chance, sich zu beweisen und das ursprüngliche Lohnniveau wieder zu erreichen.

Es darf kein Problem sein, für die Kollegen einzuspringen oder einen Dienst zu übenehmen, der nicht in den eigenen Aufgabenbereich fällt. Das wird von den Arbeitgebern erwartet. Wenn Not am Mann ist, wird der Resident Manager zur Schankhilfe. Punkt. Dessen muss man sich bewusst sein. Ansonsten wäre man in der Gastronomie und Hotellerie falsch aufgehoben und sollte über einen Berufswechsel nachdenken.

Der Berufswunsch steht also fest. Nächster Punkt: die Bewerbung. Wie kann man dem Gegenüber begreiflich machen, dass man anpassungsfähig ist. Vor allem im schriftlichen Erstkontakt. Dadurch wird bereits entschieden, ob man in die engere Auswahl kommt oder nicht. Deswegen gilt ganz zu Beginn: Die Ausschreibung aufmerksam durchlesen und auf die Erfordernisse eingehen.

Eine wichtige Rolle spielen auch die bisherigen beruflichen Stationen. Alles Relevante im Lebenslauf anführen. Dadurch bekommen die Zuständigen einen Eindruck von der Person als Mitarbeiter und von den Fähigkeiten. Außerdem lässt sich daran – zumindest ein wenig – erkennen, ob man flexibel ist. Im Übrigen darf es im Lebenslauf durchaus Karrierelöcher geben. Diese müssen nur erklärt werden. Personalsuchende interessieren sich auch für die Freizeitaktivitäten der Bewerber. Hat die betreffende Person zeitraubende Hobbies? Das steht natürlich in direkter Verbindung mit der möglichen Flexibilität. Die außerberuflichen Tätigkeiten können aber auch Fürsprecher sein. Oft werden gewisse Charaktere bevorzugt, und spannende Interessen können dann von Vorteil sein.

Beim Bewerbungsgespräch sind es vor allem zwei Aspekte, die über Erfolg oder Niederlage entscheiden. Erstens: die persönliche Überzeugungskraft. Nichts spricht so sehr für den Bewerber wie der Bewerber selbst. Man hat gewonnen, sobald man dem Personalsuchenden klarmachen kann, dass man flexibel ist. Einfach ausgedrückt: Man muss klipp und klar sagen, dass man flexibel ist und sich problemlos auf neue Situationen einstellen kann.

Aber noch etwas anderes spielt in diesem Bereich eine Rolle, wie Michaela Reitterer, Eigentümerin und Geschäftsführerin vom Boutiquehotel Stadthalle Wien, betont: „Beim Bewerbungsgespräch sind Eigenschaften wie Natürlichkeit, Freundlichkeit und Höflichkeit unverzichtbar. Diese grundlegenden Dinge müssen einfach da sein und untermauern die Überzeugungskraft.“ Natürlichkeit ist Trumpf. Der zweite Erfolgsfaktor ergibt sich aus bisherigen Arbeitsstellen und Referenzen. Dazu werden gerne direkte Fragen gestellt. Beispielsweise, in welcher Position und zu welchen Zeiten gearbeitet wurde. Wiederum wichtig, um etwas über die Flexibilität herauszufinden. Mithilfe der Arbeitserfahrungen kann man das über sich Gesagte noch unterstreichen.
Es wird aber auch auf das Verhalten und den Umgang mit unerwarteten Fragen geachtet. Pluspunkte gibt es, wenn sich der Bewerber deshalb nicht aus der Ruhe bringen lässt. Sollte der Arbeitgeber Zweifel an der Darstellung des Bewerbers haben oder eine persönliche Verbindung zur vorigen Arbeitsstelle, wird nachgefragt. Deshalb zum Beispiel auch wirklich aktuelle Nummern angeben. Ansonsten könnte es zu peinlichen Situationen kommen …

Bei den Bewerbungsgesprächen kann es Fangfragen geben, die aber bei gutem Zuhören leicht zu entlarven und zu bewältigen sind. Ansonsten gibt es meist keine Tests. Die Ausnahme bildet die Besetzung von Führungspositionen. In diesem Fall entspricht das Austesten der Person der gängigen Praxis. In allen anderen Fällen vertraut man meist dem Bewerber, dass die Informationen stimmen. Dieser muss flexibel sein. Es geht gar nicht anders. Flexibilität ist keine Floskel, sondern eine notwendige Voraussetzung. Ohne diese Anpassungsfähigkeit ist die Chance gleich Null, den Job zu behalten. Daher mit offenen Karten spielen. Eine beschönigende Darstellung der eigenen Person wird spätestens in der Praxis Lügen gestraft.

So gilt das Chamäleon auch im Falle einer Niederlage als Vorbild: Ist das Reptil unterlegen, wechselt es die Farbe und zieht von dannen.

Susanne Rausch
„Flexibilität ist heute das Kriterium. Sie hat aber nicht nur positive Seiten.

Susanne Rausch, Vorstand DGfK, Berlin

Die Psychologin und Trainerin ist Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Sie führt auch die Geschäfte von act value management consult. Eines ihrer Kernthemen ist Karrieremanagementberatung.

ROLLING PIN: Warum ist Flexibilität als Mitarbeitereigenschaft so gefragt?
Susanne Rausch:
Weil die Arbeitswelt heute sehr dynamisch und komplex ist. Da bleibt fast kein Platz für Routine. Flexibilität wird in der Dienstleistungsgesellschaft zum Erfolgskriterium. Der Kunde erwartet sich nämlich genau das von den Dienstleistern.

RP: Kann man auch zu flexibel sein?
Rausch:
Ja, kann man durchaus. Es kann zu Problemen kommen, wenn man eine Aufgabe zu Ende bringen soll. Flexible Menschen tun sich teilweise schwer mit Routine in der Arbeit. Außerdem können sie ein Problem damit haben, konzentriert und beharrlich an etwas zu arbeiten.

RP: Was sind die Folgen davon?
Rausch:
Es kann zu einem Termindruck kommen. Das kann zu einem Qualitätsmangel bei der Arbeit führen. Außerdem folgt auf ein Übermaß an Flexibilität schnell ein Burnout. Vor allem dann, wenn man sich nicht bewusst die nötige Regeneration verschafft.

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Wie flexibel sind Sie?
Ohne Routine geht nichts? Oder werden gewohnte Abläufe völlig überbewertet? Welcher Typ Sie sind, erfahren Sie mit Hilfe unseres Tests.

>> Auswertung
1a (0), 1b (2), 1c (1), 2a (0), 2b (1), 2c (2), 3a (0), 3b (2), 3c (1), 4a (2), 4b (0), 4c (1), 5a (2), 5b (1), 5c (0), 6a (2), 6b (0), 6c (1), 7a (0), 7b (2), 7c (1)
11 bis 14 Punkte Der Expander-Typ
Routine – ein Fremd- und Hasswort für Sie. Ihr Leben muss immer aufregend und möglichst wenig gleichförmig sein. Sie nutzen dazu alle Möglichkeiten, die Ihnen geboten werden. Sie stecken so schnell nicht den Kopf in den Sand und nehmen jede Herausforderung erwartungsvoll an. Weiter so. Sie sind der Expander unter den Bewerbern.
6 bis 10 Punkte Das Gewohnheits-Tier
Aber eines, das zur Not auch mal anders kann. Sie lieben es zwar, wenn Ihr Alltag in einem sicheren Gerüst abläuft, aber trotzdem kommen Sie mit Veränderungen gut zurecht, ja, erwirken Sie auch gerne einmal selbst, wenn Sie mit dem Alten nicht mehr zufrieden sind. Werden Sie ruhig noch ein bisschen mutiger.
0 bis 5 Punkte Der Unflexible
Flexibilität ist nicht gerade Ihre Kardinaltugend. Am liebsten ist es Ihnen, wenn das Leben seinen gewohnten Gang geht. Vor Veränderungen schrecken Sie oft zurück und warten lieber, bis diese auf Sie zukommen und Sie nicht mehr ausweichen können. So leben Sie Ihr Leben sehr passiv. Raffen Sie sich einmal auf, und nehmen Sie Ihr Leben in die eigene Hand. Sie werden merken, dass das gar nicht so schwer ist.

1 Ist es Ihnen wichtig, immer mit denselben Kollegen zu arbeiten?

    1. Ja, weil ein eingespieltes Team in der Branche Gold wert ist.

 

    1. Ich habe kein Problem mit wechselnden Kollegen und finde es spannend, mich darauf einzustellen.

 

  1. Ein paar bekannte Gesichter sorgen dafür, dass ich mich wohl fühle.

2 Sie wurden vom Chef zu einer Besprechung gerufen, aber er kommt nicht. Was tun Sie?

    1. Ich warte eine Viertelstunde und gehe dann.

 

    1. Ich warte verdrossen und fordere dann eine handfeste Erklärung.

 

  1. Ich rufe nach fünf Minuten auf dem Handy an und frage, wie lange es noch dauert.

3 Früher war alles besser, weil mittlerweile die Gäste immer anspruchsvoller werden und die Arbeit erschweren.

    1. Ja, stimmt genau.

 

    1. Ich lebe im Hier und Jetzt und stelle mich immer wieder auf neue Situationen ein.

 

  1. Das glaube ich nicht so ganz, in der Rückschau sieht es nur besser aus.

4 Sie sollen an einem neuen Projekt mitarbeiten, das so gar nicht in ihren Aufgabenbereich fällt.

    1. Diese Herausforderung nehme ich gerne an.

 

    1. Auf unbekanntem Gebiet fühle ich mich unsicher. Ich würde lieber passen.

 

  1. Wenn ich mich vorher gründlich informiere, wird das schon gut gehen.

5 Gerade im Bereich Tourismus gibt es andauernd Neuerungen. Wie reagieren Sie darauf?

    1. Ich bin einfach nur gespannt.

 

    1. Das macht mir oft ein bisschen Angst.

 

  1. Mir ist es am liebsten, wenn sich nichts verändert.

6 Was nehmen Sie alles für einen guten Job in Kauf?

    1. Die Entfernung spielt für mich keine Rolle.

 

    1. Meine Freizeit ist mir auch wichtig, deshalb sollte mein Job vor Ort und nicht zu beanspruchend sein.

 

  1. Nur für einen Job, der mir wirklich gefällt, würde ich auch einiges tun, aber nicht für jeden x-beliebigen.

7 Routine im Gastgewerbe ist für Sie …

    1. eine Sache, die ich brauche, um eine gute Leistung zu erbringen.

 

    1. langweilig.

 

  1. in manchen Situationen hilfreich.

www.dgfk.org

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