Discounter mit Zapfhahn: Warum eine deutsche Supermarktkette ein Pub eröffnet
Die Marke Lidl und irische Pubs haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Und trotzdem steht in diesem Jahr die Eröffnung des ersten „Public House“ von Lidl an. Warum der Discounter neben einer Filiale in Nordirland sein erstes – und vermutlich für lange Zeit einziges – Pub baut, hat kuriose Gründe. Dahinter stecken sechs Jahre Planung und die Geschichte einer ziemlich absurden Lizenz-Odyssee.

Die Marke Lidl und irische Pubs haben auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Und trotzdem steht in diesem Jahr die Eröffnung des ersten „Public House“ von Lidl an. Warum der Discounter neben einer Filiale in Nordirland sein erstes – und vermutlich für lange Zeit einziges – Pub baut, hat kuriose Gründe. Dahinter stecken sechs Jahre Planung und die Geschichte einer ziemlich absurden Lizenz-Odyssee.

Der Bau des Lidl-Pubs hat nichts mit dem Versuch zu tun, Großbritanniens aussterbende Pub-Kultur zu retten. Es ist auch kein schräger PR-Gag. Der wahre Grund ist Nordirlands Alkoholrecht.
Ein Supermarkt ohne Alkohol
Aber von Anfang an: Neben dem bestehenden Lidl-Markt in Dundonald, einer Ortschaft in der Grafschaft Down bei Belfast, lässt der Discounter ein Pub errichten, das im Sommer 2026 eröffnen soll.
Bis jetzt durfte an diesem Standort nämlich kein Alkohol verkauft werden. Die dafür notwendige Lizenz ist in Nordirland nicht so einfach zu bekommen – auch nicht für Discounter-Riesen.
Erstens muss eine von einem anderen Betrieb aufgegebene Lizenz übernommen werden. Zweitens muss auch bewiesen werden, dass es in der Umgebung zu wenige lizenzierte Betriebe gibt. Genau an diesem sogenannten Inadequacy-Test scheiterte Lidl für einen klassischen Off-Licence-Antrag. Für ein Pub sah die Sache plötzlich anders aus, weil in der Gegend zuletzt mehrere Bars weggebrochen waren.
Lidl betreibt den Standort bereits seit 2002, blitzte aber schon 2003 mit einem Antrag auf Alkoholverkauf ab. Nach der Schließung 2011 wurde der Markt 2019 – ohne Alkohol – wiedereröffnet. Als im selben Jahr ein nahegelegenes Pub abbrannte, begann Lidl, die Lage neu zu sondieren. Die Idee, kurzerhand selbst ein Pub zu eröffnen, um Alkohol verkaufen zu dürfen, war aber nicht so einfach umzusetzen.
Die ersten Anläufe glückten nicht, doch Lidl gab nicht auf. Mit der Zeit wurde aus der kuriosen Idee ein handfester Rechtsstreit. Der Konkurrent Philip Russell Ltd warf Lidl vor, das nordirische Lizenzsystem über die Hintertür umgehen zu wollen. Der High Court in Belfast sah das anders. Die Richter hielten fest, dass die Neuartigkeit des Modells kein Ablehnungsgrund sei. Im Januar 2025 wurde die Beschwerde abgewiesen. Somit steht der Eröffnung des Lidl-Pubs nichts mehr im Wege.
Die Lizenzverordnungen Nordirlands sind nicht unumstritten. Im vergangenen Jahr wurde ein Expertenbericht veröffentlicht, wonach eine Reform des sogenannten „Surrender-Prinzips“, das die Anzahl der Alkohol-Lizenzen limitiert, den Wettbewerb und die Innovation fördern könnte. Der Minister für kommunale Angelegenheiten Nordirlands wies den Vorschlag zurück.