Der Wiener Starcaterer Christian Chytil: Mr. XXL

Auf die Größe kommt es an: Wie der Ausnahme-Caterer Christian Chytil gastronomisch einen Mega-Event nach dem anderen eroberte – und eine betriebswirtschaftliche Höllenfahrt ihn lehrte, was wirklich zählt.
Oktober 31, 2019 | Fotos: impacts Catering, Philipp Lipiarski, Raphael Gabauer

Mr. Big

Was Christian Chytil im wahrsten Sinne des Wortes tagtäglich auf die Beine stellt, hat den gefinkelten Geschäftsmann in den letzten Jahren in eine Monopolstellung gehievt. Zumindest, sobald es um Caterings von überdimensionaler Größenordnung geht. Vom Life Ball am Wiener Rathaus, der Europameisterschaft 2008, dem Eurovision Song Contest 2015 bis über die Sporthilfe-Gala 2018 – es scheint, als käme für Großveranstaltungen dieser Liga nur seine Cateringfirma Impacts infrage. „Weißt du“, erklärt Chytil, „Catering für 50 Leute kannst du beim Wirt ums Eck ja auch bestellen. Ein Galadinner für 100 Leute, na ja – würde ich jetzt nicht unbedingt beim Wirt machen, aber es gibt ein paar, die das ganz gut können. Wenn du aber eine Gala mit 350, 500 oder mehr Gästen hast, dann muss das top koordiniert werden. Das Fleisch muss bei jedem einzelnen Gast warm und rosa sein und nicht beim ersten blutig und beim letzten well-done.“

Wenn dir 1,3 Millionen Euro fehlen, dann musst du als ordentlicher Geschäftsmann zum Handelsgericht und sagen: Das war’s.

Christian

Mr. Big

Was Christian Chytil im wahrsten Sinne des Wortes tagtäglich auf die Beine stellt, hat den gefinkelten Geschäftsmann in den letzten Jahren in eine Monopolstellung gehievt. Zumindest, sobald es um Caterings von überdimensionaler Größenordnung geht. Vom Life Ball am Wiener Rathaus, der Europameisterschaft 2008, dem Eurovision Song Contest 2015 bis über die Sporthilfe-Gala 2018 – es scheint, als käme für Großveranstaltungen dieser Liga nur seine Cateringfirma Impacts infrage. „Weißt du“, erklärt Chytil, „Catering für 50 Leute kannst du beim Wirt ums Eck ja auch bestellen. Ein Galadinner für 100 Leute, na ja – würde ich jetzt nicht unbedingt beim Wirt machen, aber es gibt ein paar, die das ganz gut können. Wenn du aber eine Gala mit 350, 500 oder mehr Gästen hast, dann muss das top koordiniert werden. Das Fleisch muss bei jedem einzelnen Gast warm und rosa sein und nicht beim ersten blutig und beim letzten well-done.“

Wenn dir 1,3 Millionen Euro fehlen, dann musst du als ordentlicher Geschäftsmann zum Handelsgericht und sagen: Das war’s.

Christian Chytil über seinen unternehmerischen Tiefpunkt

Dass die Zentrale von Impacts Catering – das heißt vor allem: die Großküche, in der allein 35 Köche arbeiten – zu einem Drittel mit Sonnenenergie funktioniert, die gesamte Logistikflotte energieoptimiert und Abfallvermeidung kein grün gewaschenes Lippenbekenntnis, sondern gelebte Praxis ist, beweist: Hier ist auch ein Zukunftsgetriebener am Werk, der aus Prinzip nach vorne schaut. Wie wichtig, ja geradezu ausschlaggebend dieser Charakterzug für den viermaligen Caterer des Jahres war, wird vor allem dann klar, wenn es darauf ankommt – nämlich in schwierigen Zeiten. Denn selbst – oder gerade! – jemand wie Chytil weiß, was es heißt, vor dem totalen betriebswirtschaftlichen Abgrund zu stehen. Und sich in letzter Sekunde mit unbeirrbarem Erfindergeist nicht nur davor zu retten, sondern erst recht nochmal über sich selbst hinauszuwachsen. Aber fangen wir von vorne an.  

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„In Wahrheit bauen wir 1500 Mal im Jahr ein Restaurant auf“, bringt es Christian Chytil auf den Punkt. 135 Angestellte, eine Küche von 1200 Quadratmetern und 12 Millionen Euro Umsatz kann sein Unternehmen Impacts Catering heute sein Eigen nennen.

Die beste Ballküche deines Lebens

Den 19-jährigen Christian Chytil brachten keine zehn Pferde weg von der Tourismusschule Modul. Und das, obwohl er sie erfolgreich abgeschlossen hatte. Doch der ambitionierte Springinsfeld wollte nicht etwa um jeden Preis weiter die Schulbank drücken und vor sich hin strebern. „Ich wollte“, stellt Chytil klar, „einen ordentlichen Ball veranstalten. Denn das Modul wollte keinen klassischen Schulball. Also hat der kleine Christian in den Sophiensälen in Wien den ersten Wiener Tourismusball organisiert.“ Ausgestattet mit dem Gewerbeschein für Veranstaltungsorganisation und einem beeindruckenden Netzwerk, machte sich der unbändige Grünschnabel also an die Arbeit: „Das Konzept war folgendes“, erinnert sich Chytil, „unten Disko und oben klassischer Ball mit Tischen. Nachdem ich immer wieder im Plaza Hilton gekellnert hatte, habe ich die alte Garde dort angerufen, diese 50-jährigen Livree-Träger, und gesagt: ‚Burschen, schmeißt mir da oben den Verkauf von Champagnerflaschen, Tischwein und so weiter.‘ Bis mir dann einfiel, dass wir ja auch was zum Essen brauchen.“

Auch hier aktivierte der gefinkelte 19-Jährige sein Netzwerk, als wäre er schon seit Jahrzehnten in der Branche. „Ich war ja ehemaliger Praktikant bei Werner Matt im Hilton. Also habe ich ihn gefragt: ‚Herr Matt, möchten Sie exklusiv beim ersten Wiener Tourismusball dabei sein? Sie könnten dort für die besten Gastronomen kochen! Er meinte: ‚Passt!‘ Und so hatten wir die beste Ballküche, die es jemals gegeben hatte.“ Die Bilanz: knallvolle Sophiensäle mit 1600 Leuten, der erste Batzen Geld, den das Organisationsgenie damit einfuhr – und: eine weitere Bekanntschaft, die sich als überaus wertvoll herausstellen sollte. „Ich habe bei diesem Ball einen hochrangigen Radiologen getroffen, der mir gesagt hat: ‚Genau so wie diesen Ball möchte ich den größten Radiologen-Event Europas haben!‘“

Clubbing-Boom und Excel-Listen

Also organisierte Chytil selbstständig diesen Mega-Radiologen-Event – mit einem solchen Erfolg, dass sich der Ruf des makellosen Organisators in der Bundeshauptstadt verbreitete wie ein Lauffeuer. „Es war die Zeit“, erinnert sich Chytil, „in der die Clubbings in Wien zu boomen begannen. Also wurde ich gefragt, ob ich die ersten Clubbings in den Börsensälen gastronomisch koordinieren kann. 1500 Leute, alle saufen, was das Zeug hält. Ich hab mir damals schon eine Excel-Liste zum Abrechnen gebaut, die Mitarbeiterplanung gemacht – und dann ist es halt abgegangen.“ Chytil ritt eine Erfolgswelle nach der anderen: Im Wiener Rathaus, der nächsten Station, koordinierte er im Auftrag der Stargate Group die Gastronomie für Studenten-Clubbings mit über 5000 Leuten. „Tja, und dann hat auch schon der Gery Keszler angerufen.“

Ich war der erste Gastronom, der das Wiener Rathaus ohne Schäden hinterlassen hat.

Christian Chytil über den ausschlaggebenden Grund, warum er zum Life-Ball-Caterer berufen wurde.

Der Grund: „Ich war der erste und einzige Gastronom, der das Wiener Rathaus nach einer Party mit über 5000 Leuten ohne Schäden hinterlassen hat. Meine Nummer hat er sich vom Wiener Rathaus geholt.“ Bereits beim Life Ball 2005 brachte Chytil die ökologischen Mehrwegbecher unter dem Namen Cup Solutions in Umlauf – und nahm sich vor, jetzt noch größer und vor allem effizienter zu denken. „Ich habe damals noch alles extern produzieren lassen“, erklärt Chytil. „Gut, bei Brötchen für eine VIP-Lounge ging das ja noch. Aber wenn beim Life Ball die Köche mit der Kochplatte kommen oder dir immer wieder Sublieferanten sagen: ‚Heute kann ich nichts kochen, aber wenn du mir einen Koch schickst, dann kann er bei mir produzieren‘, da reicht’s dir irgendwann mal. Da habe ich eine Küche gebaut und gesagt: Von jetzt an machen wir alles selber!“ Gesagt, getan: 2007 stand die Küche, es wurden neben der Meinl-Kaffeewelt auch die Gastronomie im Stadion Salzburg und im Zürcher Hallenstadion die Mehrwegbecher eingeführt. Alles hätte also nicht besser laufen können. Bis Chytil Generalgastronom der  Europameisterschaft 2008 wurde. 

Der geschundene Generalgastronom

„Wenn dir 1,3 Millionen Euro fehlen, die du bekommen müsstest, tja, dann musst du als ordentlicher Geschäftsmann zum Handelsgericht gehen und sagen: Das war’s“, beginnt Chytil die Erzählung seiner betriebswirtschaftlichen Höllenfahrt, die zwei Tage nach dem Anpfiff der Europameisterschaft begann. Als Generalgastronom hatte der Starcaterer einen Vertrag mit der Stadt Wien Marketing. Er selbst verkaufte Subgastronomen Stände in der Fanzone, belieferte sie mit Essen, Trinken und allem, was organisatorisch dazugehört – und bezahlte, so sah es der Deal vor, der Stadt Wien einen Teil davon als Lizenzgebühr. Das Problem: Die Fanzone war zu wenig beworben worden, die Securitys kontrollierten zu scharf und das versprochene Rahmenprogramm blieb aus. „Das war nicht meine Aufgabe, sondern die der Stadt Wien Marketing“, stellt Chytil klar.

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Obwohl Christian Chytil 2008 Insolvenz anmelden musste, kämpfte er sich zurück an die Spitze. Heute landet jede Catering-Anfrage für Großevents in Wien wieder bei Impacts. 

Resultat: zu wenig Gäste und: „100 Gastronomen, die streiken und dem Wiener Bürgermeister Häupl die Tür eintreten wollen.“ Um die Situation zu beruhigen, zahlte Chytil jenen Gastronomen, die aussteigen wollten, etwa 35.000 Euro zurück. Insgesamt betrug der Verlust dadurch 1,3 Millionen Euro – Geld, das Chytil wie vereinbart von der Stadt Wien zurückerhalten sollte. Sollte. Denn dieses Geld sah er nie mehr wieder. „Der Geschäftsführer zog mich zur Seite und meinte, er habe das Budget überzogen, von ihm bekäme ich die Kohle nicht“, so Chytil. Doch der Masseverwalter erlaubte dem gefallenen Caterer die Gründung einer zweiten GmbH. „In die hatten eine Handvoll Mitarbeiter, die übrig geblieben waren, ihre letzten 9000 Euro hineingeschmissen.“ Dadurch war die neue GmbH in der Lage, zumindest das operative Geschäft der alten GmbH zu übernehmen.

So rettete man sich ins Jahr 2009, bis alles abbezahlt und wieder ausreichend Geld da war, um neue Anschaffungen zu tätigen. Seither laufen die Geschäfte wieder: „2009 waren wir auf neun Millionen Euro Umsatz, jetzt sind es zwölf Millionen.“ 2014 ließ Chytil eine neue, große Betriebsküche bauen. Mit dem Webrestaurant, das Seminarräumlichkeiten und Büros mit hochwertigem Essen in Tausenden Porzellantellern täglich beliefert, hat der Caterer zusätzlich ein betriebswirtschaftlich solides Standbein. Und was die Großevents betrifft, landet sowieso jede Anfrage im Großraum Wien wieder bei Impacts. Will auch heißen: bei jemandem, der seine Lektion gelernt hat. „Das machen wir jetzt alles nur noch mit klaren Verträgen“, stellt das Stehaufmännchen Chytil klar, und: „Du musst halt wachsen, wie du es dir leisten kannst. Das ist das große Thema.“ Eines, das Christian Chytil allem Anschein nach auch in Zukunft wie kein Zweiter beherrschen wird. 

www.impacts.at

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