Küchenrowdy Max Strohe über sein neues Buch

Max Strohe hat ein Buch geschrieben. In „Kochen am offenen Herzen“ blickt der Spitzenkoch und TV-Star schonungslos zurück auf seine Jugend voller Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Und zeigt auf 250 Seiten, wie versaut der Weg zum Sternekoch sein kann.
September 8, 2022 | Text: Lucas Palm | Fotos: Marlena Waldthausen

Von ganz unten bis ganz nach oben

Im großen Exklusivinterview verrät Max Strohe, was seinen Weg zum erfolgreichen Sternekoch so hart und ungewöhnlich macht, warum die Begegnung mit seinem Vater der Wendepunkt seines Lebens war – und was ein abgesagter Podcast mit alledem zu tun hat.

Du bist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Köche Deutschlands. Dennoch heißt es im Klappentext deines Buches, du hättest  „die zweifelhafte Gabe, alles vor die Wand zu fahren“. Warum?
Max Strohe: Das mache ich zum Glück nicht mehr. So war es aber früher. In diesem Buch werden ja die Lehr- und Wanderjahre beschrieben. Also meine Zeit als Jugendlicher, der nach Berlin kommt. In die Stadt, in die sich so viele Leute verirren. Ich habe dort aber zu mir selbst gefunden.

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Spitzenkoch Max Strohe hat statt zum Kochlöffel zur Feder gegriffen – und ein schonungsloses Buch über seine ersten Schritte in der Gastronomie geschrieben

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Im großen Exklusivinterview verrät Max Strohe, was seinen Weg zum erfolgreichen Sternekoch so hart und ungewöhnlich macht, warum die Begegnung mit seinem Vater der Wendepunkt seines Lebens war – und was ein abgesagter Podcast mit alledem zu tun hat.

Du bist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Köche Deutschlands. Dennoch heißt es im Klappentext deines Buches, du hättest  „die zweifelhafte Gabe, alles vor die Wand zu fahren“. Warum?
Max Strohe: Das mache ich zum Glück nicht mehr. So war es aber früher. In diesem Buch werden ja die Lehr- und Wanderjahre beschrieben. Also meine Zeit als Jugendlicher, der nach Berlin kommt. In die Stadt, in die sich so viele Leute verirren. Ich habe dort aber zu mir selbst gefunden. 

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Spitzenkoch Max Strohe hat statt zum Kochlöffel zur Feder gegriffen – und ein schonungsloses Buch über seine ersten Schritte in der Gastronomie geschrieben

Küchenrowdy mit Edelfeder

Der Zeitraum, der auf rund 250 Seiten behandelt wird, ist recht kurz. Vom letzten Schuljahr zu den ersten Stationen in Berlin, also lange vor der Eröffnung deines Restaurants und anderen Erfolgen. War es von Anfang an klar, dass es keine klassische „so habe ich es geschafft“-Biografie wird?
Strohe:  Von der Stilistik und vom Erzähltempo her hätte es nie geklappt, mehr als diese Zeitspanne hineinzupacken. Für mich war es wichtig, genau diesen Teil zu verarbeiten. Mich daran zu erinnern, mir bewusst zu machen, wie hart mein Leben früher war. Wie außergewöhnlich vielleicht auch. Ich wollte mir das von der Seele schreiben. Wobei ich anfangs nicht sicher war, ob das überhaupt funktioniert. Jedenfalls glaube ich nicht, dass ich gut über die Gegenwart schreiben könnte, oder darüber, wie sich Erfolg denn genau anfühlt. Da fehlt bestimmt noch die Distanz, um das so betrachten zu können wie meine Jugend.

Wie bist du überhaupt auf das Schreiben dieses Buches gekommen?
Strohe: Das war ein Lockdown-Ding. Ich hatte eine Anfrage für einen Podcast, in dem es um meinen Werdegang gehen sollte. Und auch darum, dass der Weg zu einem guten Koch auch anders sein kann, als man es sonst so hört. Der Podcast wurde dann aber kurzerhand abgesagt. Ich hatte mich zu diesem Zeitpunkt jedoch schon so intensiv mit meinen Lehr- und Wanderjahren beschäftigt gehabt, dass ich etwas traurig darüber war, dass der Podcast nicht stattfand. Also sagte ich mir: Schreib’s einfach mal auf. So hat das begonnen. Und nachdem es mir gut von der Hand ging und es sich auch gut anfühlte, habe ich das Schreiben nach den Lockdowns in meinen Alltag integriert.

Die Küche ist die letzte Bastion des Rock’n’Roll.
Max Strohe über die Faszination des Kochseins

Kochen und Schreiben – zwei Dinge, die du früher auch schon einmal kombiniert hattest?
Strohe: Ich wollte früher schon schreiben. Aber ich habe mich als Jugendlicher oft von diversen Umständen abhängig gemacht und sagte mir zum Beispiel: Ich kann nichts schreiben, weil ich keinen Laptop habe. Abgesehen davon konnte ich sowieso nicht schreiben. Jetzt habe ich es noch einmal ausprobiert. Und finde, es hat ganz gut funktioniert. Außerdem hat es zwei Ähnlichkeiten mit dem Kochen: Es ist anstrengend und beruhigend zugleich. Abgesehen davon natürlich, dass es einfach eine tolle Möglichkeit ist, sich auszudrücken.

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Max Strohe vor dem Tresen seines Tulus Lotrek in Berlin-Kreuzberg

Das große Thema des Buches ist das Verhältnis zu deinem Vater. Ein Ästhet, ein Lebemann und irgendwie trotz allem – er hat ja die Familie früh verlassen – ein Wegweiser.
Strohe: Total. Ich habe meinen Vater ja spät kennengelernt. So richtig erst auf der New York-Reise, die ich im Buch beschreibe. Wenn ein Kind seinen Vater kennenlernt, dann will es ihm gefallen. Es will, dass der Vater stolz ist. Da hat man nach 15 Jahren viel nachzuholen. Ich wollte seine Aufmerksamkeit haben, die zu erregen aber nicht leicht war.

Doch ein geiler Beruf

Das gemeinsame Essengehen wird im Laufe des Buches zum verbindenden Element zwischen euch …
Strohe: Als ich Koch gelernt hatte, war das für mich kein Beruf, in dem man sich kreativ austoben kann. Ich war auch in keinerlei Koch-Bubble, wo man so etwas vermittelt bekommt. „Wer nichts wird, wird Wirt“, so sah ich das. Ich hatte ja mein Abi versemmelt, deswegen bin ich in der Küche gelandet. Durch die Leidenschaft meines Vaters für Kulinarik gab es aber plötzlich Berührungspunkte mit der Haute Cuisine. Mit neuen Produkten. Das war eine neue Welt, die sich mir auf diese Weise eröffnete. Weil das eine Sphäre war, die ich im Rahmen meiner Ausbildung ja gar nicht richtig kennengelernt hatte. Die Tatsache, dass mein Vater so für Essen und für Kochen lebt und das auch ein Ausdruck seines guten Geschmacks ist, hat mich irgendwann einmal darin bestärkt, auch wirklich ein guter Koch werden zu wollen. Als ich damit haderte, mein Abi nachzuholen, sagte er: „Was soll der ganze Scheiß? Koch ist doch ein geiler Beruf!“

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Über die Restaurantbesuche mit deinem Vater gerätst du dann auch regelmäßig ins Schwärmen. Über die Erlebnisse in den Küchen weniger. Und trotzdem zog es dich immer wieder dorthin. Warum?
Strohe: Bis heute ist die Küche ein Ort, der wohl als letzte Bastion noch etwas mit Rock’n’Roll zu tun hat. Es ist heiß, man verbrennt sich, es ist laut, man ist nahe am Alkohol, man ist bis tief in die Nacht wach. Man entzieht sich also dem normalen, alltäglichen, bürgerlichen Dasein durch eine gewisse Abgrenzung. Das fand ich natürlich schon sehr gut. Und das hat damals auch sehr meinem Lebensstil entsprochen. 

Gibt es etwas, das du durch das Schreiben dieses Buches über dich selbst gelernt hast?
Strohe: Ich glaube, dass die Schreibarbeit einen ­hoch­therapeutischen Zweck für mich erfüllt hat. Auch wenn das gar nicht mein Anliegen gewesen ist. Durch das Schreiben ist mir aber klar geworden, dass ich
ganz lange Zeit in meinem Leben Dinge, die mich verletzt haben, ins Lächerliche gezogen habe. Einfach, weil sie damit erträglicher werden. Außerdem habe ich erkannt, dass ich ganz oft die Dinge, die ich ernst meine oder die mir wirklich wichtig sind, in einem Nebensatz sage. Damit anders umzugehen in meinem Jetzt-Leben und in Zukunft ist für mich eine ganz coole Nebenerschei­nung dieses Buches. Und: Die Lektoren haben mich darauf aufmerksam gemacht, wie oft ich im Buch Kartoffelpüree esse. Ich überlege also, ob es bei der Buchpremierenparty im Oktober nicht einfach für jeden Gast ein Kartoffelpüree gibt. Mit Butter und Kaviar natürlich. 

Max Strohe

Geboren 1982 in Sinzig, begann Max Strohe in der Wendelinusstube in seinem Heimatort eine Lehre zum Koch. Weil er dort hinausgeworfen wurde, schloss er diese schließlich aber im Hotel-Restaurant Hohenzollern in Bad Neuenahr-Ahrweiler ab. Es folgten Stationen in einem -Seniorenheim, auf Kreta und diversen Berliner Restaurants. In Berlin eröffnete Strohe 2015 schließlich sein eigenes Restaurant Tulus Lotrek. 2017 erhielt das Restaurant seinen ersten Michelin-Stern. Max Strohe selbst wurde einer breiten Öffentlichkeit durch seine mehrmalige Teilnahme am Erfolgsformat Kitchen Impossible bekannt.

tuluslotrek.de

www.klett-cotta.de > Tropen-Sachbuch > Kochen am offenen Herzen

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