Legenden: Marco Pierre White

Marco Pierre White war der erste britische 3-Sterne-Koch und prägte wie kein anderer die folgende Küchengeneration eines ganzen Landes. Warum ihm selbst die drei begehrten Macarons nicht genug waren – und was unbenutztes Bargeld damit zu tun hat.
September 2, 2021 | Text: Lucas Palm | Fotos: beigestellt

Er ist das englische Aushängeschild der alten Schule. Zumindest, was den Umgang mit seiner Küchenbrigade betrifft. In Sachen Kulinarik hingegen zählt Marco Pierre White bis heute zu den revolutionärsten Vordenkern seiner Zunft. Mit 32 Jahren holte er 1994 in seinem Restaurant Marco Pierre White im Londoner Hyde Park Hotel als erster britischer Koch drei Michelin-Sterne – und war damit einer der jüngsten weltweit.

Marco Pierre

Er ist das englische Aushängeschild der alten Schule. Zumindest, was den Umgang mit seiner Küchenbrigade betrifft. In Sachen Kulinarik hingegen zählt Marco Pierre White bis heute zu den revolutionärsten Vordenkern seiner Zunft. Mit 32 Jahren holte er 1994 in seinem Restaurant Marco Pierre White im Londoner Hyde Park Hotel als erster britischer Koch drei Michelin-Sterne – und war damit einer der jüngsten weltweit.

Marco Pierre

In seinen berüchtigten Küchen wurden Rohdiamanten wie der junge Gordon Ramsay oder Mario Batali geschliffen, Perfektionismus mit doppelt so viel Jähzorn auf die Spitze getrieben – und schließlich alles abrupt beendet. Dennoch entbehrt Marco Pierre Whites Werdegang einer gewissen Tragik. Denn bis heute, so die britische Legende, bereue er den wohl radikalsten Schritt seiner Karriere nicht.

Ein schluchzender Gordon Ramsay

Geboren 1961 in Leeds, bekam Marco Pierre White als dritter Sohn eines Küchenchefs und einer italienischen Einwanderin den Sinn für gutes Essen in die Wiege gelegt. Nach der Kochlehre in Nordengland ging White, so heißt es, mit „7,36 Pfund, einem Koffer mit Büchern und einem mit Kleidung“ nach London und lernte als Commis im legendären Le Gavroche der Gebrüder Roux die französische Spitzenküche kennen. Nach prestigeträchtigen Stationen in damaligen Gastro-Pilgerstätten wie Pierre Koffmanns La Tante Claire oder Raymond Blancs Le Manoir eröffnete der Lernwütige mit gerade einmal 26 Jahren sein Restaurant Harveys im Londoner Stadtteil Wandsworth.

Kurz nach der Eröffnung erhielt er – eine Sensation – gleich einen Stern, ein Jahr später gar den zweiten. Es war auch im Harveys, in dem sich der Ruf Whites als gefürchteter Choleriker etablierte. Seinen Küchenlakaien Gordon Ramsay soll White dort dermaßen fertiggemacht haben, dass der „in einer Ecke zusammengekauert geschluchzt“ haben soll. Und das ist nur eine von vielen Geschichten. Andere handeln von aufgeschlitzten Kochjacken und gebrochenen Beinen. Aber lassen wir das. Alte Schule eben.

Mit 7,36 Pfund, einem Koffer mit Büchern und einem mit Kleidung ging White nach London.
Und verdingte sich im legendären Le Gavroche – der Rest ist Geschichte

Fünf Mal Messer und Gabel

Den dritten Stern holte White schließlich in seinem nächsten, eigens auf diese Ambition ausgerichteten Restaurant im renommierten Hyde Park Hotel. Damit schrieb White britische Kulinarikgeschichte – doch er wollte mehr. Denn neben der Küche, genauer: den Gerichten an sich bewertet der Guide Michelin bekanntlich auch die Atmosphäre eines Restaurants. Und das nicht primär mit Sternen, sondern mit roten oder schwarzen Messer-und-Gabel-Zeichen. Wie die anderen Topadressen in England hatte Whites Restaurant vier von fünf möglichen roten Messern und Gabeln erhalten.

Um das fünfte Paar zu holen, zog er mit seinem Restaurant noch im selben Jahr ins Le Méridien Piccadilly Hotel und nahm dort Änderungen vor, die von Handtaschen-Hockern bis über unbenutztes Bargeld reichten. In der folgenden Ausgabe der scharlachroten Küchenbibel schließlich war es so weit: Mit drei Sternen und fünf Messern und Gabeln war Whites Restaurant offiziell das beste in ganz Großbritannien.

1999 reichte es dem kompromisslosen Spitzenkoch. Er konnte und wollte nicht mehr. Ausgelaugt, ausgebrannt und – wer weiß – womöglich auch erfolgsgesättigt, verabschiedete er sich in den spitzenkulinarischen Ruhestand, wollte von Sternen nichts mehr wissen und startete seine zweite Karriere als TV-Koch, Autor und Gastronom. Heute konzentriert sich White mit seiner Firma Black and White Hospitality auf verschiedene Franchiseprojekte.

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MARCO PIERRE WHITE wurde 1961 in Leeds geboren. Nach der Kochlehre ging er London und verdingte sich dort als Commis im legendären Le Gavroche der Roux-Brüder. Nach prestigeträchtigen Stationen im Kulinarik-London eröffnete der Lernwütige mit gerade einmal 26 Jahren sein Restaurant Harveys im Londoner Stadtteil Wandsworth. Den dritten Stern holte White schließlich in seinem eigens auf diese Ambition ausgerichteten Restaurant im Hyde Park Hotel. Um zusätzlich zu den drei Sternen auch die fünf Messer- und-Gabel-Zeichen zu erhalten, zog er mit seinem Restaurant ins Le Méridien Piccadilly Hotel. Damit war sein Restaurant das beste in ganz Großbritannien. 1999 zog sich White als Koch zurück, heute ist er umtriebiger Gastronom.

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