Wild, Wild, East

Sein oder Design ist nicht die Frage. Marc Ciunis und Christoph Strenger kreierten mit dem East einen vergnügt-verrückten Mix aus Nightlife-Paradies und Szene-Hotspot im wilden Hamburger St. Pauli. Schlafen kann man in diesem Hotel auch. Wer um 22 Uhr das Licht abdreht, ist aber selbst schuld.
November 13, 2015

Marc Ciunis und Christoph StrengerSündig ist es nicht, obwohl es sich im Herzen von St. Pauli beinahe schon an die Reeperbahn anschmiegt, aber das East löst mindes­tens das gleiche ­Prickeln aus, wenn man es betritt – in diesem Fall auch bei den Damen. Schlafen, denkt man sich, sei in so einer Umgebung wohl das Wichtigste, ist allerdings nur gepflegte Nebensache, denn wenn es Nacht wird, geht im East die Sonne auf. Hotel, Nightlife-Tempel, Szenerestaurant, Designobjekt in einem Paket ziehen Kunden an, die sich nicht um Schlag 22 Uhr mit Gurkenmaske und schwarzer Augenbinde in die Falle begeben. Natürlich, auch das kann man, aber wer will das schon?
Bevor das East das East wurde, hatten Marc Ciunis und Christoph Strenger nur eine Buddha-Bar mit Lizenz zur Pariser Bar geplant, im Endeffekt wurde das Projekt doch gepimpt. „Wir wollten schließlich ein Original und keinen Abklatsch“, meint Marc Ciunis. Insgesamt 5 Millionen Euro flossen bisher in das East, weitere 1,7 Millionen sind für den Bau der Upper East Eventhall nötig. Das Kleingeld rechnet sich. 2005 wurden 9,7 Millionen Euro netto umgesetzt, 2007 bereits 13,6 Millionen, die Zimmer sind mit 92 Prozent ausgelastet. Ein Hotel ohne Gaumenkitzel lief allerdings nicht, die gastronomischen Wurzeln der CEOs sind eben doch nicht kleinzukriegen. Mit Hotels hatten die beiden eigentlich vorher nur als Gäste zu tun. „Ohne unsere Direktorin ­Anne-Marie Bauer wäre ich das auch nicht angegangen“, sagt Marc Ciunis ganz offen. Die ehemalige Eisengießerei stand 15 Jahre lang leer und bevor die Umbauarbeiten starteten, fühlten sich die Obdachlosen im Haus sehr wohl. Ein Hotelprojekt sollte die Immobilie schließlich aus dem Dornröschenschlaf küssen. Mit Ciunis und Strenger an Bord – ohne Gastronomie wäre der Kahn jedoch nicht flottzukriegen gewesen, wurde dem Hausbesitzer klar…

die Köpfe hinter dem Wild Wild East Konzept in Hamburg Sündig ist es nicht, obwohl es sich im Herzen von St. Pauli beinahe schon an die Reeperbahn anschmiegt, aber das East löst mindes­tens das gleiche ­Prickeln aus, wenn man es betritt – in diesem Fall auch bei den Damen. Schlafen, denkt man sich, sei in so einer Umgebung wohl das Wichtigste, ist allerdings nur gepflegte Nebensache, denn wenn es Nacht wird, geht im East die Sonne auf. Hotel, Nightlife-Tempel, Szenerestaurant, Designobjekt in einem Paket ziehen Kunden an, die sich nicht um Schlag 22 Uhr mit Gurkenmaske und schwarzer Augenbinde in die Falle begeben. Natürlich, auch das kann man, aber wer will das schon?
Bevor das East das East wurde, hatten Marc Ciunis und Christoph Strenger nur eine Buddha-Bar mit Lizenz zur Pariser Bar geplant, im Endeffekt wurde das Projekt doch gepimpt. „Wir wollten schließlich ein Original und keinen Abklatsch“, meint Marc Ciunis. Insgesamt 5 Millionen Euro flossen bisher in das East, weitere 1,7 Millionen sind für den Bau der Upper East Eventhall nötig. Das Kleingeld rechnet sich. 2005 wurden 9,7 Millionen Euro netto umgesetzt, 2007 bereits 13,6 Millionen, die Zimmer sind mit 92 Prozent ausgelastet. Ein Hotel ohne Gaumenkitzel lief allerdings nicht, die gastronomischen Wurzeln der CEOs sind eben doch nicht kleinzukriegen. Mit Hotels hatten die beiden eigentlich vorher nur als Gäste zu tun. „Ohne unsere Direktorin ­Anne-Marie Bauer wäre ich das auch nicht angegangen“, sagt Marc Ciunis ganz offen. Die ehemalige Eisengießerei stand 15 Jahre lang leer und bevor die Umbauarbeiten starteten, fühlten sich die Obdachlosen im Haus sehr wohl. Ein Hotelprojekt sollte die Immobilie schließlich aus dem Dornröschenschlaf küssen. Mit Ciunis und Strenger an Bord – ohne Gastronomie wäre der Kahn jedoch nicht flottzukriegen gewesen, wurde dem Hausbesitzer klar.

ein roter langer Raum gefüllt mit Sicksäcken Das Konzept war verblüffend einfach. „Unser Marketingplan heißt Jordan Mozer“, sagt Christoph Strenger. Bis heute hätte man noch keinen Euro in Werbung investieren müssen. Der Faktor Mozer zog große Öffentlichkeit wie ein Magnet an. Im Westen wurde das East beim Golden Key Award in New York als zweitschönstes Designhotel der Welt prämiert, Platz 2 auch beim European Design Award. Der Stararchitekt aus Chicago goss die Vorstellungen in derart spektakuläre Formen, die eine Verwandlung der Fabrikshalle in ein Schauobjekt für Wohlfühldesign ermöglichten – das ganz nebenbei auch noch ein Hotel ist.
Mozer achtete aber nicht nur auf Design. Die Hamburger müssten das Angebot attraktiv finden. So wird das Hotel zum Hotspot, der auch die Hotelgäste an die Bar und in das Restaurant lockt. Vorbild für das Konzept war Hotelguru Ian Schrager, der früher das Studio 54 in New York betrieb und seine Häuser von Philippe Starck designen ließ. Im East drängen sich in Spitzenzeiten bis zu 500 Gäste im Gastronomiebereich, Freitag- und Samstagabend muss sogar Security den Ansturm sanft regulieren. Mittlerweile bringt das Restaurant 60 Prozent des Gesamtumsatzes.
Auf mehreren Ebenen betritt der Gast futuristische Erlebniswelten mit überraschenden Aus- und Einblicken, versteckten Nischen und Sitzhöhlen. Die geheimnisvolle Welt Asiens erzeugt die Grundstimmung, ein crosskultureller Brückenschlag zwischen Ost und West zieht sich als roter Faden durch das Haus. Feng Shui, Pop Art und industrielle Vorgeschichte verschmelzen ineinander, Kunstobjekte mit stilisierten Buddha-Haarzöpfen und Backsteinwände der ehemaligen Eisengießerei. Nichts ist eckig oder kantig, gerade Linien werden vermieden. Die riesigen Säulen im Restaurant wirken wie überdimensionales Windgebäck. Ist das echt? Oder doch Disneyland? Bei der Gestaltung der Hotelflure stand das Gewürzregal Pate, sie sind mit passenden Farben und Düften ausgestattet und heißen Ginger, Cinnamon, Lotus oder Mandarin. Falls sich jemand nach ein paar Gläsern Wein im Stockwerk irrt, erkenne er sofort am Duft, dass er sich verlaufen habe, meinen die Masterminds. Ungewöhnliche Tisch- und Deckenleuchten schimmern mehr anstatt Licht zu verbreiten. Und in vielen Detailbereichen lässt Jordan Mozer organische Formen regieren. Die nierenförmigen Waschbecken fallen genauso aus dem Rahmen wie die Hochstühle an der Bar und die orangen Lotterliegen in der schummrigen Lounge. In den Zimmern könnte man locker einen Walzer tanzen, für ausgedehnte Schaumpartys kann man sich in den frei stehenden Badewannen aalen. Ein Tagungsbereich mit vier kombinierbaren Räumen, ein Indoor-Golfsimulator, ein Outdoor-Putting-Green, ein kleines Kino sowie ein Sporting- und Spaclub mit Terrasse, Fitnessraum, Massage- und Beautyabteilung komplettieren den Kosmos.

wild wild East Restaurant, Bar, Hotel Konzept Die Küche nützt das East als stilvolle Plattform für heftige Flirts mit der asiatischen Küche. Der Clou: das Food-Sharing-System. Das Essen wird in die Mitte des Tischs gestellt und jeder bekommt einen kleinen Teller. Der breite Geschmack wird natürlich nicht vernachlässigt, auch Wiener Schnitzel und ähnliches Mainstream-Essen wird geboten. Küchenchef Sascha Fähmel probiert gerne aus: Hummer mit Schokolade, Petersilienkaviar oder Angefrorenes mit weichem Kern zum Beispiel, den Soßen gibt er meistens einen asiatischen Kick: die klassische Hollandaise wird mit Koriander gezogen, die Kalbsjus mit Sojasoße angesetzt, die Lammsoße mit frischer Minze. Grenzen sieht Sascha Fähmel bei der Auswahl der Produkte. Bei Rochen („die Engel der Meere“), Delfin oder Haifisch sagt er „Nee“. Die East-Ente dagegen kann er gar nicht oft genug servieren. Insgesamt sechs Tage wird die Ente mit Limonen, ­Zitronengras, Orangen, Äpfeln, Ingwer und einer Soja-Mirin-Sake-Pflaumen-Marinade vorbereitet, bevor sie gaaanz langsam gegart wird.
Den optimalen Garpunkt hat auch die Karriere von Marc Ciunis. Koch wollte er eigentlich werden, sein erster Arbeitgeber Armin Scherrer funktionierte den freundlichen jungen Mann lieber in einen Servicemann um. Nach einigen Stationen als prominenter Barmann eröffnete er die Ciu Bar, bevor er mit seinem langjährigen Kumpel Christoph Strenger ein größeres Projekt mixte. Christoph Strenger stieg mit der Gastro Consulting im Gepäck ein, eine Sammlung von 22 Betrieben mit ca. 750 Köpfen Personal, und einem Jahresumsatz von netto 39 Millionen. Neben Zahlen kann Christoph Strenger auch mit handfesten Materialien gut jonglieren. Seinen ersten Laden in Altona richtete er selbst ein. „Ich legte die Fliesen und elektrische Leitungen, baute mit Holz und Metall.“ Schlagzeug und Gitarre kann er auch spielen, wenn Zeit bleibt, gondelt er in Südafrika herum und schießt leidenschaftlich gerne Bilder von den großen Tieren. Die im East haben bei ihm Schonzeit.

die east-erfolgsfaktoren

East, ein Mix aus Nightlife-Paradies und Szene-Hotspot im wilden HamburgSeien Sie mutig. Das CEO-Duo Marc Ciunis und Cris­toph Strenger wagte sich auf neues Terrain, beide kamen aus der Gastronomie. Für den Sprung ins kalte Wasser war daher ein Profi als Partner nötig. „Unsere Hoteldirektorin Anne-Marie Bauer brachte das Branchen-Know-how mit. Ohne sie hätten wir das Projekt nicht gestartet“, sagt Marc Ciunis.

Seien Sie anders. Zwei erfolgversprechende Konzepte sieht Christoph Strenger: „Entweder preiswert oder anders sein.“ Das East nahm sich das Konzept von Hotelguru Ian Schrager zum Vorbild: Kreieren Sie einen Hotspot, der von den Ortsansässigen angenommen wird. Wenn etwas los ist, kommen auch die Hotelgäste. Das East überzeugt durch ein mit Preisen überhäuftes Designensemble neuen Stils, umgesetzt vom Stararchitekten Jordan Mozer. Andere Features: Jede Etage hat einen eigenen Duft, verschiedene Ebenen mit unterschiedlichen Atmosphären, Ausblicken und Rückzugsbereichen. Von der Türschnalle über die Waschbecken bis hin zu den Lampen wurde alles speziell für das East entwickelt.

Erfolgsfaktor Location. Die Lage ist ideal als Ausgangspunkt für weitere Aktivitäten: Messe, Musical, Kiez und City – alle im gut erreichbaren Umfeld.

Restaurant als Quotenbringer. Im East bringt das Restaurant vom Gesamtumsatz 60 Prozent. Die Küchenlinie kommt zwar dem breiten Geschmack entgegen, bietet aber mit der euroasiatischen Küchenlinie einen Schuss Exotik. Die Yakshi‘s Bar erhöht den Lifestylefaktor und bietet mehr als 250 Drinks, Cocktails, Weine und Champagner.

Denken Sie beim Personal um. Suchen Sie Typen, die Fachkenntnisse können sie sich noch aneignen. Aus einem mürrischen Fachmann wird man dagegen keinen freundlichen Servicemann formen. Wichtige Incentives: Einmal pro Jahr werden die Mitarbeiter um Verbesserungsvorschläge gebeten – die besten werden mit Preisen prämiert.

Partner aus der Wirtschaft Holen Sie sich Sponsoren – sie sichern Geld und Kundschaft aus diesen Firmen. Im East kann man auf Dedon Island, in der Smirnoff oder Tanqueray Lounge relaxen, außerdem gibt es Verträge mit Warner und De Luxe TV.

Vernetzen Sie sich Die Zusammenarbeit mit Jordan Mozer garantiert große Publicity, der Stararchitekt sorgt selbst für das Marketing. Berichte in der N. Y. Times, in internationalen Magazinen sowie Designerpreise und die Mitgliedschaft bei den Designerhotels brachten Öffentlichkeit.

Info
East Hamburg, Hotel und Restaurant
Simon-von-Utrecht-Straße 31
Hotel: Tel.: + 49 (0) 40/30 99 30
Restaurant: Tel.: +49 (0) 40/30 99 33
www.east-hamburg.de

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