Corona-Hilfskredite? Für viele sehr, sehr schwierig: The Duc Ngo im Exklusivinterview

Der Berliner Multigastronom The Duc Ngo über die unfassbaren Tücken der Hilfskredite, mit denen vor wenigen Tagen die Politiker noch das Blaue vom Himmel versprachen – und wie er selbst mit seiner kreativen Schockstarre inmitten der Corona-Krise umgeht.
März 25, 2020 | Fotos: Moriki/Gekko Group, Golden Phoenix/Provocateur/Gekko Group, Jakob Nawka, beigestellt

You-Tube-Kanäle? Interessiert keinen!

14 Lokale, zehn Konzepte: Multigastronom The Duc Ngo hat mit seinen einzigartigen Restaurants weit mehr als die Kantstraße erobert. Jetzt trifft die Corona-Krise auch ihn und sein Imperium ins gastronomische Mark. Warum die Lieferservice-Strategie in Berlin nicht wirklich aufgeht, ein eigener You-Tube-Kanal auch keine Lösung ist – und die Sache mit den Hilfskrediten momentan nicht hält, was die Politiker vor Kurzem so blumig versprochen haben.

The Duc Ngo

Das Exklusivinterview im Wortlaut

Duc, wie erlebst du persönlich gerade diese – auch in gastronomischer Hinsicht – völlige Situation?
The Duc Ngo: Ich glaube, wir sind alle gerade so ein bisschen in Schockstarre. Vor allem ich persönlich: Bei mir ist es so eine unkreative Schockstarre. Ich denke die ganze Zeit darüber nach, was ich machen kann, was ich machen soll, was bringt denn was? Klar, ich hab noch drei Läden die offen haben und Lieferservice machen.

Welche genau?
Ngo: Das ist in Braunschweig das Mono, in Frankfurt das Moriki und in Berlin das Kuchi.

Wie funktionieren die Läden momentan?
Ngo: In Braunschweig und Frankfurt sehr gut, in Berlin komischerweise nicht so besonders. Da gibt es wohl auch zu viel Angebot gerade, weil alle gerade liefern. In Frankfurt und Braunschweig hingegen sind wir ja noch recht unique mit unseren Konzepten. Aber wir werden sehen, wie sich das alles jetzt über die Wochen entwickelt. Die erste Woche war gut, jetzt werden wir sehen, was die zweite Woche bringt. Es ist ja alles nur so kurz her. Für nächste Woche, also Anfang April, überlege ich mir, ob ich da versuche, für meine anderen Läden irgendetwas zu machen, damit die wieder irgendwie an Geld kommen.

Also alles, was die Politiker gerade sagen, so von wegen: „Geht zu den Banken und Hausbanken“ – das geht bei weitem nicht so schnell wie gedacht. Das wird also für viele sehr, sehr schwierig werden.

Auch The Duc Ngo ist erstaunt darüber, dass das mit den Hilfskrediten bei weitem nicht so funktioniert, wie von den Politikern versprochen

The Duc Ngo, Golden Phoenix
In Städten wie Braunschweig funktioniert der Lieferservice seiner Läden, in Berlin weniger: The Duc Ngo.

Hast du dir diesbezüglich schon andere Ideen abseits von Delivery gemacht?
Ngo: Es gibt auf jeden Fall ganz viele Anfragen, ob ich online persönlich was machen soll. Vielleicht kann man ja daraus Kapital schlagen bei den Zuschauern. Also irgendwas auf den Kanälen kochtechnisch zu liefern. Ich werde morgen um 11:30 Uhr auf meinem Instagram-Profil auch ein kleines Live-Cooking machen. Andererseits sehe ich ja: Jeder Koch ist grad zu Hause und macht seine Videos.

Es scheint momentan das Naheliegendste zu sein.
Ngo: Ja, gut möglich, dass in zwei Wochen jeder Koch seinen eigenen Youtube-Kanal haben wird. Das interessiert aber dann auch Keinen mehr. Man will ja was anderes machen. Eigentlich will man ja mit Leuten zusammen sein – nur geht das momentan einfach nicht.

Wie managst du die ganze Situation in Bezug auf deine Mitarbeiter?
Ngo: Ich habe jetzt tatsächlich mal alle in die Kurzarbeit geschickt. Außer das Management, das weiter läuft wie sonst. Da sagen wir, das muss sein, damit zumindest da alles weiterläuft und es sich um alles kümmern kann. Wir versuchen dann, die Leute halt von Laden zu Laden zu schicken, weil: Wenn der eine Laden doch mehr Personal für das Lieferservice-Ding braucht, dann können die, die mehr arbeiten wollen, dorthin gehen. Ansonsten sind alle erst einmal zu Hause. Das Management kümmert sich jetzt auch einmal darum, wo man wie welche Gelder beantragt.

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In Corona-Zeiten hat selbst The Duc Ngo nicht die Weisheit mit dem Löffel gefressen. Denn auch wenn der Berliner Multigastronom momentan hauptsächlich zu Hause bleibt: Die Strategieplanung für die Zukunft läuft auf Hochtouren.

Und wie läuft es damit? Wie schätzt du Wirksamkeit dieser Gelder ein?
Ngo: Ich habe jetzt gerade eine E-Mail von meiner Managerin bekommen, in der die Bank auf unsere Anfrage um einen Hilfskredit folgendes schreibt: „Aktuell gibt es leider keine Möglichkeit für einer Unterstützung einer Tilgungssetzung für sechs Monate der Darlehensvereinbarung.“ Also alles, was die Politiker gerade sagen, so von wegen: „Geht zu den Banken und Hausbanken“ – das geht bei weitem nicht so schnell wie gedacht. Das wird also für viele sehr, sehr schwierig werden. „Aktuell leider keine Möglichkeit“ kann natürlich alles heißen.

Wie blickst du jetzt auf die kommenden Wochen?
Ngo: Es ist alles sehr panisch geworden. Man sollte jetzt einfach auch schauen, dass man keine eklige Stimmung erzeugt und irgendwie gleich die Straßenseite wechselt, wenn ein Asiate dir entgegenkommt. Noch als wir offen hatten, hat mich in meinem eigenen Restaurant eine ältere Frau, hinter der ich war, so richtig weggeschubst und gesagt: „Weg!“ Als hätte ich die Kretze. Das ist natürlich nur, weil sie Panik hat vor diesem Virus. Natürlich ist es wichtig, dass wir jetzt die Infektionszahlen möglichst reduzieren, aber wir sollten dennoch und vor allem jetzt respektvoll miteinander umgehen.

Hier geht’s zum Coronavirus Gastro-Live-Ticker!

Unsere Exklusivstory über The Duc Ngo gibt’s hier. 

 

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