Leaders Club Germany: Gastronomie droht wegen Corona-Virus Masseninsolvenz

Der Gastronomie droht die Masseninsolvenz, sagen Vertreter des Leaders Club Germany. In einer Aussendung appellieren die Mitglieder an die Regierung: Die Branche braucht klare Ansagen und schnelle, unbürokratische Hilfe.
März 19, 2020 | Fotos: Shutterstock

Ein Hilferuf nach dem anderen ereilt zurzeit die deutsche Politik. Gastronomen wollen vor allem wissen, was ihnen bevorsteht. Denn klare Ansagen fehlen bislang. Wie es weitergeht, wer wie Unterstützung bekommen kann und ob auch für Deutschland der Shutdown kommt, bleibt bis dato unklar. Das liegt unter anderem auch daran, dass beim großen Nachbarn sogar die Corona-Krise Ländersache ist.

Dass es keine einheitlichen Anordnungen gibt, nennt Patrick Rüther, Vorstandsvorsitzender des Leaders Club Germany, die „bundesweite Verunsicherung“. Der Leaders Club Germany ist ein Netzwerk von gastronomiebegeisterten Menschen und Unternehmen, das 2001 gegründet wurde und aktuell mehr als 320 Mitglieder aus 160 Unternehmen der Branche zählt. Dass auch hier die Sorgen groß sind, versteht sich von selbst: „Wir wollen helfen, wir können helfen. Wir können systemrelevant sein. Aber dann muss man uns das bitte sagen. Im Moment ist es so, dass in vielen Bundesländern die Öffnung noch erlaubt ist, allerdings nur tagsüber. Wir haben verunsicherte Mitarbeiter. Wir wissen selbst nicht, was wir machen und sagen sollen.“ Dazu kommt, dass die Krise die Gastronomie nach den traditionell schwachen Monaten Januar und Februar trifft.

Was fordert der Leaders Club Germany?

Nach dem offenen Brief einiger Gastronomen an die Stadt Hamburg richtet sich nun auch der Leaders Club Germany an Politik und Öffentlichkeit. In einer Pressemeldung äußert sich die Gastronomievereinigung zur aktuellen Situation des Gastgewerbes in Deutschland. Sie fordert von der Politik, den von der Krise betroffenen Gastronomiebetrieben jetzt schnell und unbürokratisch zu helfen. „Andernfalls können viele, gerade kleinere Unternehmen die Umsatzverluste durch Corona nicht kompensieren“, warnt Michael Kuriat, Präsident des Leaders Clubs.

Auch der Appell von Rüther ist klar: „Entweder man erzählt uns, dass wir so sind wie Supermarktmitarbeiter und Krankenschwestern und wichtig und mithelfen. Dann suchen wir Wege dafür. Oder man sagt uns, dass es gefährlich ist, weil wir dazu beitragen, dass Virus weiter zu verbreiten – und dass wir schließen sollen.“ Ein wichtiger Punkt dabei sind Entschädigungsansprüche. Die könnten nämlich erschwert zu beantragen sein, wenn die Situation weiterhin derart unklar bleibt.

Leaders Club Germany warnt vor Insolvenz

Dadurch sind nicht nur Arbeitsplätze bedroht, der Fortbestand vieler Unternehmen ist in Gefahr. Denn solange die Schließung der Restaurants nicht angeordnet wurde, muss jeder Unternehmer im eigenen Ermessen entscheiden, ob er sein Lokal öffnet oder nicht – und am Ende auch die wirtschaftlichen Konsequenzen dafür tragen.

Andere Länder sind da bereits weit voraus. So wurden in Österreich zwar rigorose Schließungen angeordnet, gleichzeitig aber auch Soforthilfemaßnahmen beschlossen, die den Firmen die Liquidität sichern sollen. In Deutschland ist das vereinzelt zwar auch der Fall, allgemeine Anordnungen gibt es allerdings nicht.

Wir brauchen endlich klare, einheitliche und unmissverständliche Ansagen!
Patrick Rüther will Klarheit für die Branche

„Was passiert, wenn wir schließen?“, fragt Rüther. „Können wir dann trotzdem Kurzarbeiter-Geld beantragen, auch wenn die Schließung nicht behördlich angeordnet wurde? Dazu gibt es verschiedene Aussagen.“ Und weiter: „Können wir Entschädigungen nach dem Infektionsschutzgesetz beantragen, wenn keine Schließungen angeordnet sind?“ Für die Gastronomie gibt es nach wie vor keine einheitlichen Regelungen, für einige andere Branchen schon.

Mit seinem Appell spricht er Gastronomen aus ganz Deutschland aus der Seele: „Wir brauchen endlich klare, einheitliche und unmissverständliche Ansagen!“ Dieselbe Botschaft trägt eine deutschlandweite Petition der Initiative Gastronomie & Hotellerie Deutschland. Sie hat alleine seit gestern 15.000 Unterschriften gesammelt.

7,6 Wochen bis zur Insolvenz

Eine Zahl aus der Mitteilung des Leaders Club Germany zeigt die Dringlichkeit der Lage: 7,6 Wochen. So viel Zeit bleibt deutschen Gastronomen im Durchschnitt, bis sie unter den gegebenen Umständen Insolvenz anmelden müssen. Das ergab eine interne Umfrage, die der Leaders Club Germany mit einigen seiner 320 Mitglieder durchführte. Aber sogar hier relativiert Rüther noch: „Dabei handelt es sich überwiegend um große Unternehmen“, sagt er. Die kleineren dürfte es viel eher treffen. Eine Mehrheit der Teilnehmer befürwortet die sofortige Schließung aller Restaurants. Rüther weiß: „Die Zahlen zeigen: Wir haben keine Zeit zu verlieren!“

Denn auch andere erhobene Daten zeigen ein prekäres Bild. Die Ergebnisse aus insgesamt 180 Betrieben mit mehr als 4.200 Mitarbeitern: Mindestens um 30 Prozent, in im Schnitt aber um 64,5 Prozent sind die Umsätze in der vergangenen Woche seit der Verschärfung der Krise eingebrochen. 90 Prozent der Befragten haben Kurzarbeit angemeldet, geflossen ist das Kurzarbeitergeld aber erst bei jedem Fünften.

Die Branche braucht Klarheit

Und selbst das fällt relativ gering aus, wie Rüther feststellt: „Die Löhne in der Gastronomie sind mittelmäßig hoch, eher niedrig. Das heißt, wenn Mitarbeiter jetzt 60 Prozent ihres Nettolohns als Kurzarbeiter-Geld bekommen, keinerlei Trinkgeld haben, dann haben die reell wahrscheinlich ein Drittel von ihrem normalen Einkommen.“

Die Situation in Deutschland ist schlichtweg verwirrend. Einerseits hat die Regierung zwar Hilfskredite zugesagt, andererseits scheint die Bürokratie im Weg zu stehen. Riskant wirkt auch, dass Schulden durch die Maßnahmen möglicherweise nur umverteilt würden. Kurzarbeitergeld, Kredite, Zwangsschließungen, Alternativen und Maßnahmen. „Das sind Punkte, für die wir Klarheit erbitten“, erklärt Rüther, zeigt aber auch Verständnis für die Situation. „Natürlich sind die Agenturen für Arbeit momentan alle komplett überlastet. Und die geben auch bestimmt ihr Bestes, genauso wie alle anderen Behörden und alle Politiker. Wir unterstellen hier niemandem etwas. Es ist ja auch toll zu sehen, wie alle zusammenstehen und Vollgas geben. Aber vielen kleinen Betrieben fehlt die Liquidität, jetzt für ein bis zwei Monate Geld vorzustrecken. Und ich glaube nicht, dass ein Betrieb, dem es jetzt schon schlechtgeht, ohne Probleme über seine Hausbank Darlehen bekommt.“

Was macht der Leaders Club Germany?

Es wird immer deutlicher: Die Unternehmen benötigen nun dringender denn je Unterstützung. „Wir versuchen, dabei zu helfen, das zu kanalisieren“, spricht Rüther für den Leaders Club. „Nun sind wir derzeit aber auch alle als Unternehmer gefordert, für unsere Mitarbeiter da zu sein, für unsere Läden da zu sein und alles Mögliche zu regeln. Von Sorgen im Familienleben ganz abgesehen – wenn etwa Kinder zuhause oder Partner auch in Kurzarbeit zu sind. Das ist sehr fordernd. Aber wir versuchen eine Plattform zu bieten. Uns geht es nicht um Profilierung, sondern wirklich darum, insbesondere auch den Kleineren eine Stimme zu geben. Die Großen werden das – mit sehr vielen blauen Augen – schon irgendwie überstehen.“

www.leadersclub.de

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