Spargelpreise unklar: Wegen Corona-Krise fehlen Erntehelfer und Nachfrage

Die Spargelsaison steht vor der Tür. Nur: Wer soll den Spargel ernten? Und wer wird es kaufen? Aufgrund der Corona-Krise könnte die Nachfrage drastisch sinken.
März 25, 2020 | Text: dpa/Redaktion | Fotos: Shutterstock

Dieser Tage steht die Spargelernte auf dem Programm der heimischen Gemüsebauern. Nur: Die Erntehelfer fehlen. Denn die meisten Saisonarbeiter kommen aus dem Ausland. So machen alleine Rumänen 80 bis 90 Prozent der Erntehelfer in in deutschen Spargel- und Erdbeerbetrieben aus. Teilweise fehlen den Spargelanbauern bis zu 90 Prozent der Saisonhelfer. „Aber ich schätze, auch die Nachfrage wird sich verändern. Spargel ist nicht für Hamsterkäufe geeignet. Er sollte frisch zubereitet werden“, sagt Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, gegenüber der dpa.

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Trotz Spitzenqualität bleibt aufgrund fehlender Erntehelfer in dieser Saison wohl viel Spargel im Feld.

Preissturz im Spargelhandel?

Das könnte sich erheblich auf die Preisentwicklung auswirken. Zu Beginn der Spargelzeit kostet heimischer Spargel in Deutschland unter normalen Umstaänden schon gern mal 17 bis 19 Euro pro Kilo. Im Verlauf der Saison sinkt der Preis üblicherweise auf knapp vier Euro. Ob das angesichts der Corona-Krise genauso verläuft, kann derzeit niemand sagen. „Wie sich der Preis entwickelt ist noch nicht klar“, erklärt Schumacher. Das sei eine Frage von Angebot und Nachfrage. Das Angebot wird aufgrund der fehlenden Helfer wohl viel knapper ausfallen. Und die Nachfrage konzentriert sich derzeit eher auf Tiefkühl- und Fertigkost als auf frisches Gemüse.

Crashkurs im Spargelstechen: Erntehelfer dringend gesucht

Und das in einer Saison, in der die Witterungen optimale Bedingungen für den Wachstum boten. „Im Herbst war es lange warm und der Winter war mild. Da konnten die Pflanzen reichlich Energie tanken“, sagt der Spargelexperte. Schumacher prognostiziert deswegen eine Spitzenqualität für den Spargel in diesem Jahr. Deshalb hofft er, dass sich Schüler, Studenten und andere Freiwillige über die Seite Facebook.com/ernteretter melden, die nach einem Crashkurs im Spargelstechen als Erntehelfer einspringen könnten. Ein entsprechender Abstand zum nächsten Helfer von rund zwei Metern zwischen den jeweiligen Spargelreihen sei auf alle Fälle vorhanden.

Bauern suchen nach Lösungen

Angesichts drohender Engpässe in der Landwirtschaft wegen der Corona-Krise greift auch die Bundesregierung ein. Sie will die Regelungen für Saisonkräfte nun flexibler gestalten. So sollen sie eine kurzfristige Beschäftigung für bis zu 115 Tage sozialversicherungsfrei ausüben können. Bisher ist dies für bis zu 70 Tage möglich. Zudem könnten Saisonarbeitskräfte, die schon in Deutschland sind und dies wollen, länger hier arbeiten. Dies helfe bei Ernte und Aussaat.

Spargel, Corona-Virus, Corona-Krise
Ein Crashkurs im Spargelstechen soll freiwilligen Erntehelfern das notwendige Know-how beibringen, um Spargelbauern nun schnell unterstützen zu können.

Angst vor Infektionen und Hofquarantäne

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Spargel Südhessen, Rolf Meinhardt, ruft aber auch zur Selbsthilfe auf. Zusammen mit anderen Landwirten wurde ein Flug organisiert, um die Erntehelfer ins Land zu holen. Auch eine hier gestrandete kubanische Zirkusgruppe will jetzt auf den Feldern mit Hand anlegen. Er selbst glaube aber, dass er in diesem Jahr nur 60 bis 70 Prozent seiner Felder abernten werde. Er brauche sicher noch mehr Helfer. Allerdings sei es auch eine Frage, wie die in Zeiten des Coronavirus untergebracht werden sollen. Auf seinem Betrieb herrsche „Hofquarantäne“: „Wir kaufen für die Leute ein“.

In Nordhessen wollen Lehrer, Gastronomie-Mitarbeiter und Pfarrer bei der Spargelernte anpacken. „Bei mir haben sich Menschen aus allen Berufsgruppe gemeldet, die nun zuhause rumsitzen“, sagt Obst- und Gemüsebauer Manuel Klemme aus Grebenstein. Wegen der Angst vor Infektionen mit Covid-19 fehlen auch dort Erntehelfer aus Süd- und Osteuropa.

Über 100 Anfragen habe er bekommen, erklärt Klemme. Ein Teil der Anrufer habe einfach den Wunsch gehabt, etwas zu tun zu haben. Die Bezahlung habe da keine große Rolle gespielt. Ein guter Erntehelfer komme auf 15 bis 18 Euro die Stunde. Wie viel Arbeitskräfte Klemme braucht, hängt vom Wetter und der Leistung der Erntehelfer ab. „Die normalen Spargelstecher kommen seit über 20 Jahren. Die haben eine ganz andere Stechleistung wie jemand, der das noch nie gemacht hat“, sagt er. In Nordhessen beginnt die Spargelsaison Anfang April.

www.facebook.com/ernteretter

Wie es angesichts der Corona-Krise um die Spargel- und Gemüsebauern steht, könnt ihr hier lesen

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