21 Fragen an Walter Junger

25 Jahre Top-Hotelier, 12 Länder, 4 Kontinente: bei Ritz-Carlton, Westin und Shangri-La machte Walter junger Karriere. Heute setzt er bei seinen Hotelprojekten auf individuelle Mondänität – und hat dafür große chinesische Investoren ins Boot geholt.<br />
November 13, 2015

21 Fragen an Walter JungerFotos: Picasa, beigestellt

Wie lebt es sich als Kosmopolit in Berlin?
Ich liebe Berlin, das ist eine außergewöhnliche Stadt. Multikulturell mit einem riesengroßen Innovationspool für kreative Menschen. Deshalb habe ich auch mein Büro hier und ein weiteres in Hongkong.

Ist Berlin ein Stück Heimat für Sie geworden?
Meine Heimat ist dort, wo meine Familie ist und wo meine Freunde sind. Ich würde
sagen in Berlin und da, wo mein Herz ist, und das ist immer noch in Österreich.
Meine Eltern leben nach wie vor in meinem Heimatort Oberndorf bei Salzburg.

Thema Vielseitigkeit. Sehen Sie sich eher als Berater, Konzeptentwickler, Kunsthändler oder doch
weiterhin als Hotelier?

Ich bin mit Herz, Leib und Seele Hotelier, das war mein Wunsch als Jugendlicher. Deshalb habe ich auch meine Ausbildung an der Tourismusschule Klessheim gemacht. Alles andere ist für mich ein Teil, um die Hotellerie spannender zu machen. Kunst, Lifestyle, Herzlichkeit und Wärme, das sind alles Komponenten, die in der Hotellerie entscheidend für die Zukunft sind.

Wollten Sie schon als Kind im Hotel oder Restaurant arbeiten?
Restaurants, gutes Essen, kreatives und außergewöhnliches Design haben mich schon immer fasziniert. Als ich 13 war…

21 Fragen an Walter JungerFotos: Picasa, beigestellt

Wie lebt es sich als Kosmopolit in Berlin?
Ich liebe Berlin, das ist eine außergewöhnliche Stadt. Multikulturell mit einem riesengroßen Innovationspool für kreative Menschen. Deshalb habe ich auch mein Büro hier und ein weiteres in Hongkong.

Ist Berlin ein Stück Heimat für Sie geworden?
Meine Heimat ist dort, wo meine Familie ist und wo meine Freunde sind. Ich würde
sagen in Berlin und da, wo mein Herz ist, und das ist immer noch in Österreich.
Meine Eltern leben nach wie vor in meinem Heimatort Oberndorf bei Salzburg.

Thema Vielseitigkeit. Sehen Sie sich eher als Berater, Konzeptentwickler, Kunsthändler oder doch
weiterhin als Hotelier?

Ich bin mit Herz, Leib und Seele Hotelier, das war mein Wunsch als Jugendlicher. Deshalb habe ich auch meine Ausbildung an der Tourismusschule Klessheim gemacht. Alles andere ist für mich ein Teil, um die Hotellerie spannender zu machen. Kunst, Lifestyle, Herzlichkeit und Wärme, das sind alles Komponenten, die in der Hotellerie entscheidend für die Zukunft sind.

Wollten Sie schon als Kind im Hotel oder Restaurant arbeiten?
Restaurants, gutes Essen, kreatives und außergewöhnliches Design haben mich schon immer fasziniert. Als ich 13 war, habe ich meinen Eltern erklärt, dass ich Hotelier in den USA und in Shanghai werden will. Und so kam es dann auch.

Inwiefern trifft das Klischee vom Tellerwäscher zum Generaldirektor eines Luxushotels auf Sie zu?
In gewisser Weise stimmt das schon. In Washington, D.C. war ich drei Wochen lang Pizzakoch. In der Hotellerie ist alles möglich, ich habe das Ritz-Carlton in Singapur eröffnet, war General Manager des Ritz-Carlton Sharm El Sheikh und Vizepräsident von Ritz-Carlton Europa und Südamerika.

Sie waren in der Luxushotellerie zu Hause, haben unzählige Hotelneueröffnungen betreut.
An welche Neueröffnung erinnern Sie sich besonders gerne?

An das Ritz-Carlton in Singapur 1995/96, das war damals das Flagship der Gruppe. Pro Zimmer wurde eine Million Dollar investiert. Ich erinnere mich so gut daran, weil es eine extrem harte Eröffnung war, alles war im Zeitplan zu spät. Ich hatte 31 Manager und Abteilungsleiter, wir haben alle sieben Monate durchgearbeitet und trotzdem habe ich nur einen in der Zeit verloren. Damals habe ich mir geschworen, nie mehr eine Eröffnung zu machen. Danach kamen noch 16 Ritz-Carlton-Eröffnungen. Zu vielen Mitarbeitern in meinem Team habe ich bis heute Kontakt und wir treffen uns regelmäßig.

Warum haben Sie sich 2005 aus der Welt der Spitzenhotels wie Westin, Shangri-La und Ritz-Carlton verabschiedet und Ihre eigene Firma Walter Junger & Friends gegründet?
Ich wollte genau das machen, was ich jetzt tue. Ich hatte den Punkt erreicht, wo ich zurückwollte zu mehr Kreativität, um nicht mit Tausenden Mitarbeitern, aber gerne mit wenigen Mitarbeitern in einem sehr engagierten Team besondere Projekte umzusetzen. Ich genieße es, mit außergewöhnlichen und ein bisschen verrückten Künstlern zusammenzuarbeiten oder mit meinen beiden chinesischen Partnern Eric Wu und Alex Zheng aus einem anderen Kulturkreis.

Ist der Stressfaktor in der Selbständigkeit weniger geworden?
Stress empfinde ich als eine gute Sache, er regt mich an und macht mich besser. Ich bin 150 Tage im Jahr im Flugzeug unterwegs – morgen in Hongkong, danach in Shanghai und Peking, weiter denke ich gar nicht. Ich liebe das und könnte mir nicht vorstellen, jeden Abend vor dem Fernseher zu sitzen.

In welchen Hotels machen Sie selbst gerne Urlaub?
In Hotels, wo ich mich selbst zu Hause fühle. Das heißt für mich stimuliert werden, mit allem, was das Hotel ausmacht: Mondänes mit Lokalem verbinden und das alles an einem besonderen Platz. Das kann in Kärnten oder in Kenia sein. Sehr gerne auch im hotel12, einem ehemaligen Berggasthof, das ich 2012 in Kärnten eröffnet habe. Ich liebe den Blick von der Terrasse ins Tal und auf den Ossiacher See, den Faaker See und den Wörthersee. Ich bin aber auch ein Fan von Südostasien und China. Ich kann mich für alles von Campen bis hin zum Trailerpark begeistern. Nur in große Hotels gehe ich nicht mehr, das ist höchstens eine Notlösung.

Was ist das Besondere am Kunst- und Lifestylehotel hotel12, das auf 1750 Meter Höhe liegt?
Die zwölf Zimmer wurden von zwölf verschiedenen Künstlern aus Österreich, Deutschland und China individuell gestaltet. Kunst ist also in die Wohnräume und den öffentlichen Bereich integriert. Für das Zimmer des Tigers beispielsweise hat der chinesische Künstler Zhu Jingyi sein Werk über zwei Wochen hinweg direkt bei uns im Haus geschaffen. Zur Kunstsammlung gehört auch das Kunstobjekt eines historischen Wächters des führenden Skulpturenkünstlers Ren Zhe, von dem nur eine Auflage von drei Skulpturen existiert. Eine weitere steht bei Robert De Niro in New York, die dritte bei Johnny Depp – und eine bewacht das hotel12 und empfängt unsere Gäste am Eingang auf der Gerlitzen-Alpe.

Galerie JungerSie sind leidenschaftlicher Ski­fahrer, wann haben Sie es zuletzt auf die Skier geschafft?
Diese Saison nicht oft, da habe ich es leider nur einen Tag auf die Skipiste geschafft, und zwar im Dezember im hotel12 auf der Gerlitzen.

Welchen Bezug haben Sie zu Kärnten?
Eigentlich keinen besonderen persönlichen. Ich wollte Berge und Seen für mein Hotelprojekt. Kärnten ist für mich das Bundesland mit dem größten Wachstums-potenzial, es bietet herzliche Menschen, wunderschöne Natur und durch die Überkreuzung vom Mediterranen zu den Alpen ein wundervolles Spannungsfeld.

Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben?
Mein Vater ist ein anerkannter Künstler in Salzburg, seine Motive sind Landschaften und Menschen von Venedig bis Salzburg. Mein größtes Hobby neben Skifahren und Fußball war immer die Kunst. Mir gefällt alles von zeitgenössisch abstrakt bis klassisch. Ich habe in zwölf Ländern auf vier Kontinenten gelebt, in allen Städten, die ich besucht habe, war es mein Ziel, zumindest immer eine Kunstgalerie zu besuchen. So bekommt man am besten ein Gespür dafür, was sich in jeder Stadt tut.

Sie integrieren die Kunst ganz bewusst in Ihre Konzepte. Welchen Stellenwert hat die
Kunstkomponente in der Hotellerie und Gastronomie?

Sie kann einen großen Stellenwert haben, wenn man sie ernsthaft und kreativ betreibt. Wichtig ist, dass man dadurch einen Mehrwert ins Hotel bringt, die Mitarbeiter schult, auch Ausstellungen organisiert und so das Konzept erweitert. Kunst muss leben und damit den Aufenthalt des Gastes bereichern.

Das hotel12 fungiert als Prototyp für die Kooperation mit der
Plateno Hotels Group, der zweitgrößten Hospitality Group Chinas mit mehr als 2000 Hotels. Wie kam die Kooperation zustande?

Ich war die letzten zwei Jahre als Berater für Plateno tätig, um sie dabei zu unterstützen, eine expandierende Rolle in der Hotellerie in Europa einzunehmen. Das Angebot der Gruppe ist sehr vielfältig vom 1-Sterne- bis zum 5-Sterne-Segment. Sie waren auf der Suche nach Upscale-Projekten im Nischenbereich. Über diese Zusammenarbeit ist eine enge Beziehung mit Eric Wu (Anm: Chief Financial Officer, Plateno) und Alex Zheng (Anm: Chief Brand Architect, Plateno) entstanden.

Wie sehen die weiteren Pläne des Joint Ventures von Kärnten und China aus?
Unter dem Brand H12 planen wir bis 2020 gemeinsam 20 bis 30 kleine, exklusive Kunst- und Lifestylehotels mit zwölf bis 112 Zimmern. Der Hauptfokus liegt in der ersten Planungsphase auf China, Peking, Shanghai, aber auch Hongkong. Wir verfolgen hier eine Clusterstrategie mit einem Designhotel in einer Stadt und einem Resorthotel in der Nähe. Der zweite Fokus wird dann auf Südostasien mit Thailand, Nepal, Bhutan liegen und in einem dritten setzen wir auf Zentraleuropa, haben die Finger aber auch ausgestreckt nach Afrika und Kuba. Vielleicht dauert es auch 50 Jahre, besser wären fünf. Aber möglicherweise dauert es auch länger als fünf Jahre, dieses Ziel zu erreichen, da wir nicht in einem Wettlauf der Quantität, sondern der Qualität sind.

Wie passt ein Großkonzern wie Plateno ins Bild exklusiver kleiner Hotels wie des hotel12 in Kärnten?
Das passt perfekt. Wir sind alle ein Team von Hoteliers mit ganz viel Leidenschaft und keine Cookie Cutters, nullachtfünfzehn interessiert uns nicht. Bei Shanghai haben wir zum Beispiel ein aufgelassenes Armeegelände erschlossen und werden dort ein weiteres hotel12 eröffnen. Jedes einzelne Projekt muss finanzierbar sein und das ist international nur möglich, wenn man einen Partner hat, durch den die Finanzierung erleichtert wird und Synergien aus den verschiedenen Back-of-House-Abteilungen genutzt werden können. Das gibt Raum für Kreativität, um neue Projekte zu verwirklichen.

An welche Zielgruppe richten sich Ihre New-Luxury-Hotels?
Das ist für alle Gäste zwischen 19 und 90 gedacht. Es ist keine Frage des Alters, vielmehr von Lifestyle. Dabei bewegen wir uns klar im gehobenen Segment. Im hotel12 in Kärnten haben wir eine Durchschnittsrate von 270 Euro pro Zimmer und Tag. Wir definieren uns nicht als 5-Sterne-Hotel, sondern als ein kleines Kunst- und Lifestyle-Juwel in den Alpen. Dabei setzen wir auf guten, individuellen Service mit freundlichen, herzlichen Menschen. In einem Casino-Hotel in Macau hatte ich vor Kurzem einen zeitlich gestaffelten Massen-Check-in. Das war ein Horror. Bei uns werden Sie so etwas nie erleben, da der Check-in immer gemütlich in unserem Restaurant bei einem Glas Champagner oder einer Melange stattfindet.

Was macht Plateno außerdem als Partner interessant?
Plateno hat das größte Loyality-Membership-Programm, eine Stammkundendatenbank mit 82 Millionen registrierten Mitgliedern, die Hotels der Gruppe buchen. Davon sind 20 Millionen aktive Mitglieder, die in den letzten zwölf Monaten ein Zimmer gebucht haben. Das birgt ein unglaubliches Potenzial.

Welche Möglichkeiten bieten sich dadurch für den europäischen Hotelmarkt?
Der chinesische Reisende ist bereits jetzt in einigen Regionen Österreichs Nummer vier oder fünf noch vor den amerikanischen Gästen. Außerdem ist der chinesische Gast leicht zu betreuen, er will sich wohlfühlen und gibt am meisten außerhalb des Hotels aus, mehr noch als der russische Gast. Das ist noch nicht wirklich in Österreich und Deutschland angekommen.

Sie haben elf Jahre in Asien gelebt, wie hat Sie die Zeit geprägt?
Ich bin sehr Asien-affin, die Zeit hat mich kulinarisch geprägt. Hochspannend habe ich es in meinen drei Jahren in Malaysia erlebt, wie sich alle Küchen miteinander vermischen. Einer der kreativsten Hotelmärkte ist Bangkok. Beeindruckt hat mich auch die Mentalität der Menschen: in Thailand die bis zum Extrem leidenschaftliche Gastfreundschaft, in China, wie die Menschen Sachen effizient angehen, anstatt Dinge möglich machen und hoch effizient die Zukunft gestalten. Bei uns überlegt man erst einmal. Was man in China in 30 Jahren geschaffen hat, hat in Europa 100 Jahre gedauert.

www.galeriejunger.com
www.h12artoflife.com

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