Die Marke schlägt das System

Gesunde, frische Küche, deren Grundrezepte sogar großteils vegan sind. Kann man damit Erfolg haben? Man kann, wie MoschMosch beweist. Die Nudelbar-Kette wird nun sogar zum Franchise.
März 5, 2026 | Text: Michi Reichelt | Photos: Nich Harwart, MoschMosch

Jährlich rund 20 Millionen Euro Gesamtumsatz. Mehr als 400 Mitarbeiter. Laufende Expansion. Oder schlicht und einfach: MoschMosch.

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Tobias Jäkel (l.) und Matthias Schönberger kennen sich seit ihrer Schulzeit im Allgäu – wo sie im Chemieunterricht so viel Spaß hatten, dass sie auseinandergesetzt wurden.

Die vor mehr als 20 Jahren in Frankfurt von Tobias Jäkel und Matthias Schönberger gegründete und geführte Lokalkette, der die klassische, japanische Nudelbar als Vorbild dient, ist von einer Krise so weit entfernt wie Deutschland von Japan. Und von tierischem Ernst ebenso. Schon bei einem Blick auf die Website von MoschMosch wird nämlich klar: Hier steckt viel Spaß drin. Und das nicht nur aufgrund des Restaurant-Mottos „Eine Portion Lächeln“.

MoschMosch hat sich eine gehörige Dosis Selbstironie verschrieben. So wird beispielsweise der Internet-Auftritt mit einer nicht unbedingt wörtlich zu nehmenden Unternehmensgeschichte garniert, in der ein fiktiver MoschMosch-­Urvater den Namen eines Judo-Griffs trägt. „Dass wir uns nicht so ernst nehmen, liegt in der Natur von ­Matthias und mir“, erklärt dazu Tobias Jäkel. „Nimmt man sich zu ernst, fehlt jene Leichtigkeit, die in der Gastronomie aus unserer Sicht herrschen sollte. Wir wollten von Beginn an, dass man sich gut und gesund ernähren kann – aber ganz selbstverständlich, mit Augenzwinkern und ohne erhobenen Zeigefinger.“

Von Beginn an, das bedeutet bei MoschMosch 2002. Jenes Jahr, in dem die beiden Hotelmanager Tobias Jäkel und Matthias Schönberger, seit ihren Schultagen im Allgäu miteinander befreundet, zwischen „Quick Service und dem Restaurant mit Tischdecke“ eine Marktlücke im deutschen Gastromarkt entdeckten, wie Tobias Jäkel erzählt. „Ein Lokal, in dem man unkompliziert und schnell essen kann, aber mit Top-Qualität. Die japanische Nudelbar füllte genau diese Lücke. Und so ging es los.“

Authentisch erfolgreich

Das Ergebnis: Heute betreibt MoschMosch, dessen Name auf das japanische „Moschi Moschi“ („Hallo“) beim Abheben des Telefons zurückgeht, zwölf Restaurants in neun deutschen Städten – von Frankfurt über Mainz bis Oberhausen. Ein weiteres wird 2026 in Düsseldorf eröffnet – das erste, das als Franchiseunternehmen geführt wird. „Den Zeitpunkt dafür sahen wir jetzt gekommen, nachdem unsere Verwaltung die Größe erreicht hat, um die Betreuung problemlos übernehmen zu können“, erläutert Tobias Jäkel. Nachsatz: „Und den Beweis, dass unser Konzept funktioniert, haben wir ja sowieso.“

Um die gleichbleibende Qualität dieses Konzepts auch im Franchise zu gewährleisten, setzt man, wie bei den in Eigenregie betriebenen Restaurants, auf intensive Schulung und Trainings vor Ort. Und auf digitale Unterstützung mittels eigener Trainings-App. Das Wichtigste aber seien die Werte, die den Erfolg an jedem Standort ausmachen: „Wir waren immer unkompliziert, schnell, frisch. Wir sind ehrlich, verbiegen uns nicht, schauen, dass wir unsere Gäste und unsere Mitarbeiter auf Augenhöhe mit Respekt behandeln. Also Werte, die jeden Allgäuer anständig machen“, schmunzelt der MoschMosch-Chef.

Mitarbeiter mit Respekt behandeln, das bedeutet für die beiden Gründer, sich „auf Augenhöhe zu begegnen und sich umeinander zu kümmern. Im Gastgewerbe ist es so wie überall: ein Geben und Nehmen.“ Der Beweis, dass dies gut ankommt: die geringe Fluktuation innerhalb der Belegschaft. Viele der insgesamt 420 Mitarbeiter sind bereits seit mehr als einem Jahrzehnt im Unternehmen, ein paar sogar seit Anbeginn. „Das freut uns doppelt, weil diese Beständigkeit auch Qualität mit sich bringt.“ Und das spricht sich rum, so Tobias Jäkel. „Word of Mouth ist am Arbeitsmarkt das Wirkungsvollste. Wir haben zahlreiche Bewerbungen aufgrund der guten Empfehlungen von Mitarbeitern. Kurz: Es hilft, einen guten Ruf zu haben.“

Sonderwünsche erwünscht

Bleibt der angesprochene Respekt vor den Gästen – und der zuvor erwähnte, nicht erhobene Zeigefinger. Stichwort: vegane Küche. „Wir geben in unseren Lokalen einfach die Wahlmöglichkeit. Und die nutzen tatsächlich ganz viele, bei ­MoschMosch bestellen rund 35 Prozent der Gäste vegan.

Die japanische Küche eignet sich auch hervorragend dafür, da sie prinzipiell ohne Sahne oder Milch kocht. 98 Prozent unserer Grund­rezepte sind vegan, ob man dann Rindfleisch oder Tofu dazu bestellt, obliegt jedem Gast selbst. Wir kochen immer erst nach deiner Bestellung frisch, deswegen können wir jeden Sonderwunsch erfüllen.“ Gesunde, frisch gekochte Ernährung und Wirtschaftlichkeit. Für viele in der Systemgastronomie ein Widerspruch. Nicht für Tobias Jäkel. „Unser Anreiz war immer, gute Qualität und gesundes, japanisches Essen bieten zu können. Wenn dann auch noch das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, kommen die Menschen wieder. Unser Vorteil ist, dass die japanische Nudelküche eine schnelle ist, bei der du nur einen Garprozess brauchst.“ Geschwindigkeit wird ohnehin ein immer bedeutenderer Faktor in der Gastrobranche, zeigt sich der Mosch­Mosch-Gründer überzeugt. „Ich glaube nicht, dass in Zukunft die Leute mehr Zeit zum Essen haben werden. Im Gegenteil.“ Und auch der Fokus auf gesunde Ernährung wird eher steigen als sinken. „Man achtet einfach mehr auf sich. Das sind Trends, die bleiben.

„System bedeutet in der Gastro, dass man schlau arbeitet“

Und deswegen wird MoschMosch bleiben, weil wir genau diese Trends bedienen.“ Die Digitalisierung habe dies auch deutlich vereinfacht, so Tobias Jäkel. „Alles, was die Prozesse im Hintergrund erleichtert und uns und unseren Mitarbeitern mehr Zeit für den Gast gibt, finden wir super. Digitale Tools machen es einfach leichter, mit Systemen zu arbeiten.“ Daher komme auch die Individualgastronomie nicht mehr ohne System aus. „Systemgastronomie heißt ja nicht, dass alles bis ins kleinste Detail vorgegeben oder vorgeplant ist. Es heißt aber umgekehrt auch nicht, dass sich der Koch in der Individualgastronomie jeden Tag erst um 9.30 Uhr am Markt inspirieren lässt, was er am Abend kocht. System bedeutet für alle im Gastgewerbe die Grundvoraussetzung, dass man schlau und effizient arbeitet.“

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2002 fanden Tobias Jäkel und Matthias Schönberger mit dem japanischen Nudelbar-Konzept eine Marktlücke. Der Rest ist (Erfolgs-)Geschichte.

Die Marke macht’s

Nicht zuletzt baut man auch in Zukunft auf die Kraft der Marke MoschMosch. „Ich finde, die ist fast noch wichtiger als das System“, sagt Tobias Jäkel. „Denn sie macht den Unterschied. Wir stehen mit unseren zwölf Restaurants mit unserem Markennamen für Verlässlichkeit und Vertrauen.“ Sowie für viel Spaß. Und so muss wohl ein bekanntes Sprichwort ein wenig abgeändert werden: Wer lacht, gewinnt. Text: Michi Reichelt

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