Wie Andreas Bork das Konzept Burger King neu denkt
Berlin 1976. Ein Jahr nach der ersten europäischen Filiale in Madrid eröffnet am Kurfürstendamm Ecke Meinekestraße das erste Burger-King-Restaurant Deutschlands. Ein Meilenstein – sowohl für die Fast-Food-Kette als auch für die deutsche Gastrowelt.

Berlin 1976. Ein Jahr nach der ersten europäischen Filiale in Madrid eröffnet am Kurfürstendamm Ecke Meinekestraße das erste Burger-King-Restaurant Deutschlands. Ein Meilenstein – sowohl für die Fast-Food-Kette als auch für die deutsche Gastrowelt.

Denn auch, wenn die historische Filiale mittlerweile nicht mehr existiert: Der Eröffnung folgte eine jahrzehntelange Expansion in ganz Deutschland, die heuer, zum 50-jährigen Bestandsjubiläum, mit mehr als 750 Filialen und rund 25.000 Mitarbeitern ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht; laut einer Schätzung von Foodservice erzielte Burger King Deutschland damit im Jahr 2024 einen Gesamtumsatz von gut 1,2 Milliarden Euro. Tendenz steigend.
„Die Menschen müssen wissen, was sie bei uns bekommen: welche Qualität für welchen Preis?“
50 Jahre. In der Gastrobranche eine halbe Ewigkeit. Insbesondere im auf Burger spezialisierten Fast-Food-Business, in dem unter anderem bekanntlich eine weitere US-Kette der Biggest Player am Markt ist. Wie schafft man es, neben derartiger Konkurrenz ein halbes Jahrhundert lang erfolgreich zu sein – bei Gästen, die wählerischer denn je sind, was Preis und Produkt betrifft?
„Mit einem erschwinglichen und verlässlichen Angebot“, erklärt dazu Andreas Bork, seit Februar 2025 CEO der Burger King Deutschland GmbH. Der 59-Jährige lernte das Unternehmen jedoch bereits davor mehr als gut kennen, war er doch von 2010 bis 2017 als General Manager für den DACH-Raum zuständig.
Er weiß: „Den Menschen ist der Wiedererkennungswert der Marke wichtig. Sie wissen, was sie bei Burger King bekommen, zu einem fairen Preis und in gleichbleibender Qualität.“
Dass sich die Aushängeschilder des Produktangebots über die Jahrzehnte hinweg kaum verändert haben, sei daher auf jeden Fall eine der Stärken des Unternehmens. „Der Whopper bleibt der Whopper – und die Kombination Burger, Pommes und Getränk ist auch noch immer da.“ Was sich jedoch veränderte: Man bietet heute ein deutlich breiteres Sortiment als noch vor einigen Jahren, man spricht damit mehr Gäste an als früher.
„In der deutschen Außer-Haus-Gastronomie sind wir beispielsweise der mit Abstand größte Verkäufer von Plant-based-Produkten“, so Andreas Bork. In Deutschland sind bereits knapp 20 Prozent aller verkauften Whopper plant-based; beim Long Chicken sogar fast 25 Prozent.
„Plant-based ist nicht mehr wegzudenken. Wir haben es schon lange im Fokus, weil wir davon überzeugt sind, dass es die Zukunft ist – und weil es gut schmeckt. Was man außerdem nicht vergessen darf: Wenn Gäste in Gruppen kommen, und nur eine Person findet kein passendes Angebot, gehen alle woanders hin.“
Konstanz-King
Für Gastro-Ketten wie Burger King definitiv ein Vorteil in Zeiten der Teuerung und des Fachkräftemangels: das System. „Es gibt im Prinzip für alles eine Regel, eine Richtlinie, eine Anweisung“, erklärt der CEO, der vor seiner Rückkehr zu Burger King bei zwei Food-Start-ups als General Manager tätig war.
„Das macht das Leben im Restaurant deutlich einfacher, das ginge sonst gar nicht in diesem Tempo.“ Womit wir wieder bei der Konstanz wären – auch, was die Angestellten betrifft. Man habe wenig Probleme, Fachkräfte zu finden, so Andreas Bork. „Unsere Franchise-Partner und wir schaffen es nicht nur, laufend gute Mitarbeiter zu rekrutieren, sondern sie auch langfristig an die jeweiligen Unternehmen zu binden.“
„Bei uns werden Leute, die in Einstiegspositionen begonnen haben, Manager!“
Es sei der Umgang mit den Mitarbeitern, der dies ermögliche. Und der gehe über faire Bezahlung hinaus. „Bei uns wird das gerade im Franchise wie in guten Familienunternehmen gehandhabt, in denen man sich eben wie in einer Familie fühlt. Man ist nicht in irgendeinem anonymen Unternehmen, das weltweit tätig ist, sondern man ist konkret in der Burger-King-Filiale an diesem bestimmten Standort. Man macht Weihnachtsfeiern, Geburtstagsfeiern, spontane Feiern. Die Partner wissen genau, wie wichtig gute Mitarbeiter für den Erfolg sind – und sie sind auch Unternehmer geworden, weil sie Lust haben, sich um eine große Anzahl von Mitarbeitern zu kümmern.“
Blickt man neuerlich auf die vergangenen Jahrzehnte zurück, habe sich das Image der Fast-Food-Ketten bezüglich der Arbeitsbedingungen (Stichwort: „McJobs“) deutlich verändert, so Andreas Bork.
Das Vorurteil der Niedriglohn-Anstellungen im Burger-Business sei vor allem von jenen geschürt worden, die selbst nie in diesem Bereich gearbeitet hätten.
Im Gegenteil sei es so, dass in der Branche nicht nur von Anfang an angemessen gezahlt werde, sondern auch die Aufstiegschancen reizvoller als in anderen Unternehmen wären: „Leute, die auf Einstiegspositionen begonnen haben, werden Schichtführer, dann Restaurantmanager, Distriktleiter, Operationsmanager – und irgendwann sogar Franchise-Nehmer. Menschen, die im operativen Tagesgeschäft eingestiegen sind, die anfangs kaum Deutsch konnten, machen bei uns ganz tolle Karrieren.
„Ich bin schwer davon beeindruckt, was sie aus ihrem Leben gemacht haben. Wir bieten Karriereperspektiven, Aus- und Weiterbildung – weil wir langfristig auf unsere Mitarbeiter bauen. Und diese sind auch extrem loyal. Gibt man Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, eine Chance, dann legen sie sich wahnsinnig ins Zeug, um zu zeigen, was sie können.“

Was sich in den 50 Jahren seit Eröffnung des ersten deutschen Burger-King-Lokals ebenfalls verändert hat, ist der Einfluss der Digitalisierung im Gastgewerbe. Und damit verbunden der Einfluss von Social Media. Und dennoch: Auch im Zeitalter der Influencer, der Weblogs und der Online-Rezensionen hält Burger King an traditionellen Erfolgsstrategien fest.
„Gibt man Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben, eine Chance, legen sie sich mächtig ins Zeug!“
„Ganz ohne Social Media geht es natürlich nicht“, so Andreas Bork. „Aber wir sind schon immer wieder überrascht, dass auch die alten ‚Hausmittel‘ wie TV-Werbung oder ein Couponheft immer noch sehr gut funktionieren. Daher versuchen wir, eine gute Mischung zu haben: Viele Gäste sprechen wir über die klassischen Formate an, doch je jünger die Zielgruppe ist, desto digitaler werden wir.“
Tradition mit Trends
Burger King also ein alteingesessenes Traditionsunternehmen? Die wenigsten haben beim Gedanken an die Fast-Food-Kette wohl dieses Bild vor Augen – und dennoch kann man sie nach fünf Jahrzehnten in Deutschland durchaus so sehen.
Auch, wenn man sich diversen Entwicklungen natürlich nicht verschließen kann – nicht verschließen will –, wie Andreas Bork erklärt: „Self-Order-Terminals sind mittlerweile fast überall Standard, in fünf Jahren werden sie alle Restaurants haben. Darüber hinaus ist das Lieferservice noch nicht so weit wie in anderen Ländern. In Großbritannien machen Lieferungen mittlerweile bis an die 30 Prozent des Umsatzes aus. Davon sind wir noch ein ordentliches Stück entfernt, aber das wird kommen. Der Trend, zuhause zu essen, wird sich weiter verstärken. Dann gibt es Leute, die sagen, in zehn Jahren werden sämtliche Arbeiten in der Küche von Robotern erledigt.
„Ich habe da noch keine endgültige Antwort … Ja, alles, was repetitiv ist und keinen emotionalen Mehrwert hat, kann vielleicht auch automatisiert werden. Aber wenn das so kommt, glaube ich, dass wir wieder mehr Menschen im Service haben werden. Es bleibt auf jeden Fall spannend.“
Und das wird sich im Gastgewerbe wohl auch in den nächsten 50 Jahren nicht ändern. Und darüber hinaus.