French Connection

Der Franzose Daniel Boulud herrscht in den USA über eine kleine, aber feine Gastroflotte, deren Flaggschiff schlicht den Namen Daniel trägt.
November 13, 2015

ein festlicher Saal mit einem koeniglichen Kronleuchter und reich gedeckten Tischen und aus rotem Samt bestehenden Stuehlen Es hat schon etwas Erhabenes, das Daniel zwischen Madison und Park Avenue in der Upper East Side von Manhattan. Hat der Gast die ausladende Lobby mit ihren mächtigen Samtfauteuils und freundlichen Empfangsdamen erst ein-mal hinter sich gelassen, so betritt er durch schwere Mahagonitore den 120 Gäste fas-senden „Main Dining Room“, der mit verzierten Säulen, schlanken Arkaden und verspielten Balustraden fast beängstigend feudal wirkt. Das gesamte in Rot-, Rosé- und Gelbtönen gehaltene Restaurant wurde ganz bewusst im Stile eines venezianischen Renaissancepalasts gestaltet. Architektonischen Puristen dürfte das Interieur etwas zu schwülstig sein, doch wer das große kulinarische Theater liebt, der kommt hier voll und ganz auf seine Kosten.Wenn sich die Gelegenheit bietet, so sollte der Feinschmecker auch einen Blick n den nicht minder pompös gestalteten „Bellecour Room“ werfen, der ein wahrlich eindrucksvolles Ambiente für private Feierlichkeiten bietet. Einen Besuch lohnt auch die Bar & Lounge, wo uns die roten Samtfauteuils wieder begegnen. Dort kann man sich mit hervorragenden Cocktails und erlesenem Hochprozentigem verwöhnen lassen, während man in den wuchtigen Sitzmöbeln versinkt und die Zeit stillzustehen scheint.

Ein Franzose in New York
Der Mann, der im Daniel die „Grande Re-stauration Française“ zelebriert, ist Patron und Namensgeber Daniel Boulud. 1955 in Saint-Pierre de Chandieu bei Lyon geboren, wurde er bereits im zarten Alter von Fünfzehn zum besten Kochlehrling Frankreichs gekürt. Sein Talent verdankt er wohl auch der Tatsache, dass ihm als Sohn eines Landwirts ein besonderes Gespür für die Früchte der Natur und den Wechsel der Jahreszeiten in die Wiege gelegt wurde. Die Auszeichnung ebnete dem jungen Da-niel den Weg in die Küchen jener großen Köche, die als seine wichtigsten Mentoren gelten: Roger Vergé (Le Moulin de Mougins in Mougins), Georges Blanc (La Mère Blanc in Vonnas) und Michel Guérard (Les Prés d’Eugénie in Eugénie-les-Bains).Nach zwei Jahren in Kopenhagen überquerte Boulud den Großen Teich und fasste in Washington D. C. Fuß, wo er als privater Küchenchef der European Commission tätig war. In New York feierte er in der Polo Lounge im Westbury Hotel, im Le Régence im Hotel Plaza Athenée und im Le Cirque erste große Erfolge. 1993 eröffnete Boulud mit dem Daniel sein erstes eigenes Restaurant und legte damit den Grundstein für seine beachtliche Karriere. Nach sechs äußerst erfolgreichen Jahren übersiedelte das Lokal in die Räumlichkeiten des einstigen Mayfair Hotels und erhielt mit großem finanziellen Aufwand seine heutige Pracht. Doch der umtriebige Franzose ruhte sich keineswegs auf seinen Lorbeeren aus. Es folgten je ein Café Boulud in New York und Palm Beach, ein DB Bistro Moderne und eine Bar Boulud in New York sowie eine Daniel Boulud Brasserie in Las Vegas. Noch heuer soll das Restaurant Maison Boulud in Peking seine Pforten öffnen. Ebenfalls hinzu kamen das Cateringservice Feast & Fêtes sowie die Gourmetlinie Daniel Boulud Connoisseur mit Kaviar und Räucherlachs.

Daniel Boulud in Kochuniform zwischen den Fluegeln einer Tuer Classics with a Twist
Das Herz des Daniel bilden die beiden Hightechküchen, wo ein Team aus 40 Köchen unter der Leitung von Executive Chef Jean François Bruel und den wachsamen Augen von Daniel Boulud auf 370 Quadratmetern beste Cuisine Française mit saisonalen Schwerpunkten kreiert. „Mein Traum ist es, den Gästen kulinarische Erlebnisse für alle Sinne zu präsentieren. Ich will, dass sie den Alltag vergessen und in schöner Umgebung in eine Welt der Genüsse eintauchen!“ Nicht mehr und nicht weniger beansprucht Daniel Boulud für sich, seine Mitarbeiter und sein Restaurant. Der Respekt vor der großen französischen Kochtradition und eine fast religiöse Verehrung hochwertiger Naturprodukte bestimmen seine Kreationen. „Meine Küchenlinie ist nicht trendig, aber kreativ – meine Gerichte sollen ehrlich wirken und niemals prätentiös!“ Damit ist Boulud kein Küchenrevolutionär, der in der Innovation das höchste Gut sieht. Ebenso wenig ist er aber ein Geschmackskonservativist: Statt großer Umwälzungen sucht er vielmehr die Modernisierung in kleinen Schritten – er selbst bezeichnet seine Gerichte gerne als „Classics with a Twist“.Unter diesem Motto erwarten den Gourmet Gaumenfreuden wie Seeteufel im Speckmantel mit Hummer, Erbsen, Pont-Neuf-Kartoffeln und Bohnenkrautjus oder Lammlende mit gegrillten Artischocken, Honig-Auberginen, süßem Knoblauch und glacierten Cippolini-Zwiebeln. Ein dreigän-giges Menü ist bereits zum Preis von umgerechnet 67 Euro erhältlich, ein sechsgängiges Degustationsmenü kommt auf 112 Euro und für acht Gänge muss der Feinschmecker 125 Euro hinblättern. Die Weinbegleitung der Degustationsmenüs schlägt noch einmal mit 55 bis 61 Euro zu Buche. Doch auch diese ist ihr Geld wert: Nicht weniger als 1600 edle Gewächse finden sich auf der Getränkekarte, darunter seltene Tropfen aus dem Rhônetal, Burgund und Bordeaux, manche über 60 Jahre alt. Natürlich sind auch feine Weine aus der Neuen Welt vertreten, alle sorgfältig ausgewählt von Sommelier Philippe Marchal. Abgerundet wird das herausragende Ess- und Trinkerlebnis durch das kompetente und aufmerksame Service unter der Leitung von Maître d’Hotel Markus Draxler – was allerdings bei einem Zahlenverhältnis von einem Mitarbeiter pro Gast nicht schwer fallen sollte …

Der kulinarische Tausendsassa
Die Kombination aus opulentem Ambien-te, absoluter Topküche, feinsten Getränken und hervorragendem Service hat Daniel Boulud nicht nur eine ebenso große wie treue Anhängerschar beschert, sondern auch eine lange Liste an Auszeichnungen. Bereits 1994 wurde er zum „Outstanding Chef of the Year“ gekürt, der International Herald Tribune sah im Restaurant Daniel „One of the Ten Best Restaurants in the World“, die New York Times verlieh dem Gourmettempel vier Sterne und im aktuellen Guide Michelin wurde er mit zwei Sternen gewürdigt. Da mag es so manchen Feinschmecker verwundern, dass der begnadete Cuisinier auch noch die Zeit fand, so nebenbei sechs Kochbücher zu verfassen. Diese sowie Gastkommentare in Zeitschriften und nicht zuletzt eine Vielzahl von Fernsehauftritten machten Daniel Boulud auch in der breiten Öffentlichkeit zum Star. Er dankt es seiner Wahlheimat mit einer für einen Franzosen erstaunlichen Loyalität: „Es gibt viele französische Spitzenköche hier. Für manche ist New York nur eine Möglichkeit zu expandieren. Für mich ist New York mein Leben!“

>>Kontakt
Daniel
60 East 65th Street
N. Y., N. Y. 10065
Tel. 001/212 288 00 33
www.danielboulud.com

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