Barkeeper Battle: Marvin Felsperger & Nathalie Tran
Wie hat der Job als Barkeeper dein Leben verändert und beeinflusst?
Nathalie Tran: Er hat mich stark geprägt. Hinter der Bar lernt man nicht nur Drinks zu mixen, sondern vor allem Menschen zu verstehen. Für mich ist Bartending eine Mischung aus Handwerk, Kreativität und Gastfreundschaft. Es hat mir gezeigt, wie wichtig Details sind – vom Geschmack eines Drinks bis zur Energie eines Raumes. Heute sehe ich die Bar nicht nur als Arbeitsplatz, sondern als Bühne für Begegnungen und Geschichten.

Die gebürtige Münchnerin mixt nach Stationen im Yinshi, der Flushing Meadows Bar und Schuhmann‘s Bar nun seit fünf Jahren in der Ory Bar des Mandarin Oriental Hotel.
www.ory.bar
Marvin Felsperger: Der Job hat mein Leben komplett geprägt. Man lernt viele Menschen kennen, arbeitet nachts, schläft tagsüber und in Summe weniger und entwickelt eine eigene Art zu leben. Für mich war die Bar immer ein Ort, an dem Kreativität und Unternehmertum zusammenkommen. Man lernt schnell, Verantwortung zu übernehmen – für das Team, für Gäste und auch wirtschaftlich. Gerade jetzt, mit meiner eigenen Bar, merke ich, wie sehr mich die Jahre davor genau darauf vorbereitet haben.

Nach Ausbildungen zum Restaurantfachmann und EBS-London sowie Stationen in der Luster Bar und Josef Bar eröffnete der Kärntner 2026 mit Adrian Zach die Krawall Bar in Wien.
www.krawall.bar
Was mixt du lieber: einen Cocktail oder einen Mocktail? Und warum?
MF: Cocktails, weil Alkohol einfach eine zusätzliche Ebene an Geschmack und Struktur bringt. Spirituosen haben Tiefe, Reifearomen und Textur. Aber gute Mocktails finde ich dennoch spannend, weil sie technisch oft schwieriger sind. Ohne Alkohol muss man präziser mit Säure, Süße, Fermentation oder Tee arbeiten.
NT: Ich liebe klassische Cocktails, weil sie eine lange Geschichte haben und ein präzises Gleichgewicht zwischen Spirituose, Säure, Süße und Aroma verlangen. Mocktails sind eine kreative Herausforderung. Ich mixe beides sehr gerne. Wichtig ist für mich nicht der Alkoholgehalt, sondern, dass der Drink aromatisch interessant ist und dem Gast ein besonderes Erlebnis bietet.
Stellst du in der wärmeren Jahreszeit die Cocktailkarte von Winter- auf Sommerbetrieb um? Worauf achtest du dabei?
NT: Im Winter arbeiten wir mit kräftigeren, wärmeren Aromen, Gewürzen, dunklen Spirituosen, Nüssen oder karamellisierten Noten. Im Sommer wird die Karte deutlich leichter und frischer. Dann stehen Zitrusfrüchte, Kräuter, florale Aromen und spritzige Highballs im Vordergrund.
MF: Im Sommer sind Drinks leichter, frischer und spritziger. Wir arbeiten mehr mit Säure, Früchten, Verjus, Soda oder Highballs. Schwere, spirituosenlastige Drinks mit viel Würze oder Fett treten in den Hintergrund. Die Karte wird nicht neu erfunden, aber saisonal angepasst.