Fleisch ist zurück – oder? Wie es wirklich um den Vegan-Trend steht
Pflanzliches Fleisch oder Fleischpflanzerl, das ist hier die Frage. Den Aktionsmonat „Veganuary“ nehmen viele zum Anlass, nach den üppigen Weihnachts- und Silvestergelagen ein paar Wochen lang auf Fleisch zu verzichten. Gleichzeitig scheint der Veganismus – ein seit Jahren zunehmendes Phänomen – in der öffentlichen Wahrnehmung eher an Schwung zu verlieren. Tatsächlich steigt der Fleischkonsum in vielen Ländern zuletzt wieder leicht an. Heißt das: Ende Gelände für Plant-Based?

Pflanzliches Fleisch oder Fleischpflanzerl, das ist hier die Frage. Den Aktionsmonat „Veganuary“ nehmen viele zum Anlass, nach den üppigen Weihnachts- und Silvestergelagen ein paar Wochen lang auf Fleisch zu verzichten. Gleichzeitig scheint der Veganismus – ein seit Jahren zunehmendes Phänomen – in der öffentlichen Wahrnehmung eher an Schwung zu verlieren. Tatsächlich steigt der Fleischkonsum in vielen Ländern zuletzt wieder leicht an. Heißt das: Ende Gelände für Plant-Based?

“Fleisch ist zurück”, wie die New York Times im Vorjahr titelte – und nein, mit der Einschätzung war sie in den USA nicht alleine –, klingt nach klarer Trendwende. Ganz weg war es zwar nie, das Fleisch, aber zumindest hatte es den Anschein, als hätte die Fleischindustrie eine Zeit lang so viel Gegenwind erfahren wie nie zuvor.
Als das New Yorker Eleven Madison Park – lange eines der prominentesten veganen Prestigeprojekte überhaupt – plötzlich wieder Fleisch servierte, ging ein Raunen durch die Branche. War’s das mit dem Plant-based-Trend? War alles nur ein Irrtum? Internationale Medien haben die Story dankbar aufgegriffen.
Nur sollte man daraus nicht zu schnell ableiten, dass pflanzliche Küche wieder vom Bildschirm verschwinden wird. Denn die Zahlen im DACH-Raum erzählen eine deutlich weniger dramatische, dafür spannendere Geschichte.
Fleisch-Comeback in Deutschland?
In Deutschland lag der rechnerische Fleischverzehr 2024 bei 53,2 Kilogramm pro Person – minimal höher als 2022 und 2023. Parallel dazu wuchs die Produktion von Fleischersatz weiter – nur weniger euphorisch als im Hype-Modus. Das Statistische Bundesamt meldete für 2024 126.500 Tonnen Fleischersatzprodukte (+4,0 Prozent zum Jahr davor) und einen Produktionswert von 647,1 Millionen Euro (+10,9 Prozent). Gleichzeitig wird die Größenordnung sichtbar: Der Wert von produziertem Fleisch und Fleischerzeugnissen lag bei gut 44,3 Milliarden Euro – knapp 70-mal so hoch.
Unterm Strich: Wer vom „Ende des Vegan-Trends“ spricht, meint oft das Ende der Übertreibung – nicht das Ende der Nachfrage. Plant-Based ist in Deutschland längst groß genug, um nicht mehr jeden Monat Rekorde brechen zu müssen, um relevant zu sein.
Weniger Hype, mehr Gewohnheit
Wenn der Vegan-Trend „langsamer“ wirkt, liegt das auch daran, dass sich Plant-Based vom Szenethema zum Alltagsprodukt verschiebt. Ein aktuelles Beispiel aus Österreich liefert der Lebensmittel-Lieferdienst Gurkerl: Dort sei die Nachfrage nach Plant-Based-Produkten im Jahresvergleich um 10 Prozent gestiegen, und rund 12 Prozent aller Warenkörbe enthielten mindestens ein pflanzliches Ersatzprodukt.
Gleichzeitig wird die Stoßrichtung neu: Gurkerl beschreibt Trends wie Fermentation (neue Proteinquellen), „Clean Label“ mit kurzen Zutatenlisten und eine Ausweitung über klassischen Fleischersatz hinaus – etwa in Richtung Süßwaren, Functional Drinks oder Seafood-Alternativen.

Und dann ist da noch die Systemgastro-Realität: Planted und Dönermeister starten in Österreich eine Partnerschaft – mit Planted Kebab und Planted Currywurst in allen Standorten. McDonald’s Deutschland erweitert sein Veggie-Angebot um vier neue Produkte. Und auch Ikea zieht mit: Im neuen Jahr gibt es im Möbelhaus zusätzlich zu Kötbullar auch Falafelbullar und Flexbullar.
Unterm Strich wäre es also weit verfehlt, vegane Angebote jetzt aus der Karte zu streichen – der Trend ist nicht tot, sondern gekommen, um zu bleiben. Und für die Gastronomie ist das die beste Nachricht. Denn Normalität verkauft sich meistens länger als ein Hype.