Der teuerste Bissen Tokios: 2,8 Millionen für einen Thunfisch

Es gibt Neujahrsvorsätze, die Disziplin kosten. Und dann gibt es welche, die 2,8 Millionen Euro kosten – zum Beispiel, wenn man in Tokio beim ersten Thunfisch des Jahres mitbietet.
Januar 8, 2026 | Text: Redaktion | Photos: Shutterstock, beigestellt

Es gibt Neujahrsvorsätze, die Disziplin kosten. Und dann gibt es welche, die 2,8 Millionen Euro kosten – zum Beispiel, wenn man in Tokio beim ersten Thunfisch des Jahres mitbietet.

Thunfisch aufgeschnitten
Aufgeschnittener Thunfisch

Es gibt Neujahrsvorsätze, die Disziplin kosten. Und dann gibt es welche, die 2,8 Millionen Euro kosten – zum Beispiel, wenn man in Tokio beim ersten Thunfisch des Jahres mitbietet.

Thunfisch aufgeschnitten
Aufgeschnittener Thunfisch

Bei der traditionellen Auktion am Toyosu Fish Market in Kōtō-ku, ging diesmal ein Blauflossen-Thunfisch mit satten 243 Kilogramm für den Rekordpreis unter den Hammer. Am Ende durfte der Betreiber einer Sushi-Restaurantkette zuschlagen. Der Plan: filetieren, portionieren, verteilen an Restaurants im ganzen Land. In Japan hat der erste Thunfisch des Jahres eine besondere Bedeutung: Er symbolisiert ein Stück Esskultur mit Glücksversprechen.

Der teuerste Glücksbringer des Jahres

In Japan gilt der erste Thunfisch des Jahres als Glücksbringer. Und Glück, das weiß man spätestens seit dieser Auktion, hat manchmal einen ziemlich konkreten Kilopreis: umgerechnet rund 11.500 Euro. Natürlich zahlt niemand im Alltag für jedes Sashimi diesen Betrag, aber genau darum geht es auch nicht.

Der Rekordpreis ist weniger eine nüchterne Marktlogik als ein öffentliches Statement: Wir sind da. Wir können. Wir feiern. Und wir wollen, dass möglichst viele ein Stück davon abbekommen. Genau das betonte auch der Präsident der Restaurantkette Sushi Zanmai: Viele Menschen sollen etwas von diesem Fisch haben, weil sich Glück (und PR) besser teilen lässt, wenn es auf möglichst vielen Tellern landet.

Thunfisch springt aus Meer
Thunfisch im Meer

Was da wirklich versteigert wird: Fisch, Fame und Gefühl

So eine Auktion ist ein bisschen wie ein kulinarischer Saisonstart: Die Branche schaut hin, Medien berichten, Social Media zündet. Und plötzlich ist ein Thunfisch nicht nur ein Produkt, sondern eine Story mit klarer Botschaft: Qualität, Prestige, Tradition.

Dass der Rekordfisch nicht im Safe verschwindet, sondern in Restaurants verteilt wird, passt perfekt dazu. Es ist das Gegenteil von elitärem Sammlerstück, eher Nationalgericht als Nachricht, serviert als Sashimi, Nigiri oder in feinen Cuts, die man sonst nur von Wettbewerbsfischen kennt.

Für die Restaurantkette ist der Kauf ein doppelter Gewinn: Einerseits spielt er emotional voll in das Neujahrs-Narrativ hinein, als Glücksbringer, als gemeinsames Ritual, als öffentliches „Wir starten gut ins Jahr“. Andererseits bringt er enorme Reichweite, weil jede einzelne Portion die Rekordgeschichte weitererzählt und aus einem Essen ein Ereignis macht. Und für alle, die am Ende „nur“ ein Stück davon essen? Die bekommen nicht bloß Thunfisch, sondern ein kleines, rohes Versprechen: Wenn schon das Jahr so anfängt, kann’s ja nur gut weitergehen.

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