1.200 Euro im ersten Lehrjahr! Berliner Betrieb setzt neue Maßstäbe

Auch Auszubildende haben das Recht auf eine faire Entlohnung! Davon ist Michael Pankow von der Ganymed Brasserie in Berlin überzeugt. Und geht mit bestem Beispiel voran.
Juli 25, 2022 | Text: Johannes Stühlinger | Fotos: Selina Schrader

Es hat keinen Sinn, über den Fachkräftemangel in der Gastronomie zu jammern. Man muss aktiv dagegen etwas tun. Dieser Überzeugung ist man offensichtlich in der Ganymed Brasserie in Berlin – Gastronom Michael Pankow hat sich sehr ernsthaft Gedanken über die aktuelle Situation gemacht. Und dabei die Auszubildenden als Dreh- und Angelpunkt einer besseren Zukunft erkannt. Deshalb hebt er ab sofort die Bezahlung seiner Auszubildenden signifikant an. Schon im ersten Lehrjahr erhalten Azubis in der Ganymed Brasserie nun 1.200 Euro Bruttolohn. Eine langfristig lukrative Investition in die Zukunft, ist sich Pankow sicher.

Damit lässt der Gastronom alte Stehsätze wie „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, ganz bewusst hinter sich. Das sei immer nur eine Ausrede gewesen, für wenig Geld für gute Leistung erwarten zu dürfen. Dabei sind die Auszubildenden die Zukunft einer jeden Branche und die sollte – gerade in der nachwuchsschwachen Gastronomie – einiges Wert sein, so Pankows Überzeugung.

Ganymed Brasserie
1.200 Euro Bruttolohn statt 800! Damit sollen zukünftige Fachkräfte motiviert werden.

Nun sucht er für seine Ganymed Brasserie vor allen Dingen Köchen, die Lust haben, eine sehr gute Ausbildung zu genießen. Und „Genuss“ ist hier nicht ironisch gemeint, obwohl die Gastronomie eher als fordernd gilt. „Damit wir in der Ausbildung, aber auch in der gesamten Branche etwas in Schwung bringen, bedarf es guter Löhne“, meint Michael Pankow: „Wenn wir mit den Azubi-Löhnen anfangen, wirkt sich das positiv auf die Arbeit und das Image der gesamten Branche aus.“

Wir kommen zwar gerade aus der Corona-Krise, aber 1.200 Euro müssen als Bruttogehalt drin sein.
Gastronom Michael Pankow

Mit der Anhebung der Löhne auf ein Niveau, das zum Beispiel in kaufmännischen Berufen gezahlt wird, möchte er die Gastronomie wieder konkurrenzfähig machen. „Vom Spaß allein, den man in der Gastronomie durch die Zwanglosigkeit im Team und im Kontakt mit den Gästen hat, kann man nicht leben“, betont Pankow, der sich selbst von ganz unten hochgearbeitet hat. Er postuliert: „Wir kommen zwar gerade aus der Corona-Krise, aber 1.200 Euro müssen als Bruttogehalt drin sein.“ Zum Vergleich: Bisher müssen sich die meisten Koch- und Köchinnen-Azubis mit 800 Euro zufriedengeben.

Gute Work-Life-Balance als Trumpf in der Ganymed Brasserie

Natürlich ist es in der Küche und im Service trotzdem auch mal stressig. Arbeit an Feiertagen und in der Nacht sind üblich. „Corona hat uns aber nicht nur Geld gekostet“, erklärt Michael Pankow, „es hat uns auch zum Umdenken bewegt, was die Arbeitszeiten angeht.“ So will er auch dafür sorgen, dass die Work-Life-Balance stimmt. „Klar, Feiertage sind für uns eine Hauptgeschäftszeit, aber niemand muss 7 Tage in 52 Wochen durcharbeiten.“ Wie ernst es Michael Pankow ist, werden bereits die nächsten Auszubildenden erfahren. 

Zum 1. August oder zum 1. September sucht die Ganymed Brasserie vor allen Dingen Koch- und Köchinnen-Azubis, die bereits den neuen Bruttolihn erhalten werden. Bewerbungen sind noch möglich (hier). „Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir ein starker Ausbildungsbetrieb sind“, betont Michael Pankow, „vor allen Dingen, weil wir wissen, dass wir uns immer noch weiter verbessern können.

Zudem lernen die Auszubildenden bei uns noch klassische Handgriffe wie Flambieren, Tranchieren, Filetieren und vieles mehr.“ Und vielleicht findet Michael Pankows Engagement für „sehr guten Lohn für sehr gute Auszubildende“ Nachahmer. Dann würden das Modell jedenfalls dabei helfen, dem Fachkräftemangel die Stirn zu bieten. Schließlich, so Pankow, lässt sich dieser nur aufhalten, wenn man heute schon in die Zukunft investiert.

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