Das Gin-Genie Jörg Meyer sucht den Web-Hit

Jörg Meyer hat mit dem Gin Basil Smash das Schweizermesser unter den Drinks kreiert. Ein Welthit, dessen Erfolgsformel so einfach wie genial ist. Doch für den Drink-Dompteur kein Grund, sich auszuruhen. Stattdessen digitalisiert er nun seine Super-Tastes. Unter anderen.
Februar 3, 2022 | Text: Stephanie Fuchs | Fotos: Helge Sommer

Theoretisch könnte man natürlich auch nicht fragen, ob es zwischendurch nervig ist, „Mister Gin Basil Smash“ zu sein. Aber irgendwie muss man einfach. Vielleicht verhält es sich mit Jörg Meyer ein bisschen so wie mit Patrick Swayze, den man zwangsläufig gefragt hätte, ob es ihm nicht auch manchmal zum Hals raushängt, „Mister Dirty Dancing“ zu sein.

Jörg Meyer
Jörg Meyers Gin Basil Smash ist längst ein moderner Bar-Klassiker. Allüren sind ihm dennoch völlig fremd. Sein Motto: nicht quatschen, abliefern.

Theoretisch könnte man natürlich auch nicht fragen, ob es zwischendurch nervig ist, „Mister Gin Basil Smash“ zu sein. Aber irgendwie muss man einfach. Vielleicht verhält es sich mit Jörg Meyer ein bisschen so wie mit Patrick Swayze, den man zwangsläufig gefragt hätte, ob es ihm nicht auch manchmal zum Hals raushängt, „Mister Dirty Dancing“ zu sein.

Jörg Meyer
Jörg Meyers Gin Basil Smash ist längst ein moderner Bar-Klassiker. Allüren sind ihm dennoch völlig fremd. Sein Motto: nicht quatschen, abliefern.

Beim verstorbenen Filmstar ist es leider so oder so zu spät. Beim quicklebendigen Drinkstar zum Glück noch lange nicht. Und der antwortet auch geduldig und mit einem schelmischen Schmunzeln auf den Lippen: „Nein, das nervt mich nicht, es ist ein Kompliment. Das Einzige, was nervt, sind Journalisten, die immer danach fragen!“ Gut, wäre das zum Gesprächseinstieg also auch geklärt. Nächste Frage, bitte! Also dann: Wie erfindet und macht man einen Drink so populär, dass er zu jeder Tages- und Nachtzeit von Mexiko bis Schweden in Bars ebenso gemixt wird wie auf Privatpartys? „Das ist mehroder weniger einfach so passiert“, antwortet Meyer lächelnd. Und es klingt ebenso bescheiden wie charmant. Ist aber natürlich nur die halbe Wahrheit.

Grün ist die Hoffnung!

Um die ganze Wahrheit zu erfahren, müssen wir in der Zeit zurückgehen. In den Sommer 2008. Kurz bevor es losgegangen ist mit dem Gin Basil Smash, erzählt er. Damals seien die trinkfreudigen Hamburger in Parks, am Elbstrand oder sonst wo gesessen und hätten gebechert. Nur nicht in seiner kürzlich zuvor zur besten Bar-Neueröffnung der Welt gekürten Bar Le Lion in der doch so nahen Rathausstraße. „Das Geld wurde langsam knapp, dafür aber hatte ich Zeit. Und die verbrachte ich unter anderem in der Küche des Café Paris auf der gegenüberliegenden Straßenseite.“ Dort experimentierte er mit verschiedenen Kräutern, bis sich eines Tages plötzlich ein grüner Hoffnungsschimmer in Form von zerhäckseltem Basilikum in einem Ginglas auftat.

Mixe einfach und sprich darüber

Die Gründe für den darauf folgenden, weltweiten Erfolgslauf seines so entwickelten Gin Basil Smash verortet sein Erfinder – vom Geschmack einmal ab- gesehen – in erster Linie in der Simplizität und Reproduzierbarkeit des Drinks. „Der Basil Smash ist ein unkomplizierter, chichibefreiter, knackiger Drink, der die Leute einfach abholt und dessen Zutaten du eigentlich an jeder Ecke bekommst“, sagt er. „Das ist die große, vielleicht sogar die größte Stärke des Drinks. Dazu kommt aber sicher auch unsere Stärke als Marketeer. Denn wir erzählen mit allem, was wir tun, eine Geschichte, und wir nutzen jede Chance, um die Leute zu inspirieren und zu begeistern.“

Jörg Meyer
Aus der Kooperation mit der 25hours-Gruppe entstand unter anderem die Boilerman Bar im Alten Hafenamt. Kern der Sache: Meyers erlesenes Highball-Konzept.

Alles keine Rocket-Science

So mag seine Bar Le Lion wohl „The Cradle of the Gin Basil Smash“ sein, aber eben nicht nur das. So würden seither zusätzlich jeden Sommer ein bis zwei Drinks aus der Karte aufgegriffen und „raus in die Welt geschickt werden“, wie Meyer es formuliert. 2021 etwa der „La Boum“, ein Mix aus handgemachtem Cachaça und Wassermelone. „Darauf sind die Leute komplett ausgerastet. Und warum? Weil es eben keine Rocket-Science ist, ihn zu mixen. Er schmeckt geil, ist kreativ, aber im Grunde ist er schlicht.“ Was für ein erfrischendes Erfolgsrezept!

Das Nachbarschaftsprinzip

Wie gut sich Meyer und sein Geschäftspartner Rainer Wendt auf das Zelebrieren des demokratischen Trinkvergnügens verstehen, beweisen sie seit 2012 auch in ihrer Boilerman Bar in Hamburg-Eppendorf. Als das Duo die früher dort ansässige Eberhardt’s Bar mehr oder weniger spontan übernahm, habe er vier Nächte lang vor Moodboards gehangen und sich gefragt, wofür man eigentlich stehen wolle, erzählt Meyer. „Wenn man in die Gastro einsteigt, macht man oft den Fehler, Konzept vor Location zu stellen. Aber die Gastronomie ist ein sehr lokales Business. Sie muss, gerade am Anfang, in und für die Nachbarschaftfunktionieren. Mit der Boilerman Bar haben wir genau das geschafft: Sie ist ein entspannter, lässiger Ort mit perfekt gemixten Highballs zu einem fairen Preis.“ Den flüssigen Fokus auf Highballs zu legen, habe für ihn einfach Sinn ergeben, betont Meyer. Schließlich seien das „potente Crowdpleaser“, wie er formuliert. Sie würden „ohne großes Gelaber drumherum gemixt“ und die Leute würden gerne mehrere davon trinken. Und genau das soll doch ein Drink können!

Immer heiter weiter

Apropos nerven: Dass die Coronakrise samt aller für ihn kritikwürdigen politischen Entscheidungen an seinen Nerven zerrt, daraus macht Jörg Meyer keinen Hehl. „Aber mein Lebensmotto lautet ‚Heiter weiter‘, und mein Ansporn ist es, Dinge anzuschieben, komme, was wolle!“ Also hat Meyer im ersten Lockdown eben seinen eigenen Youtube-Kanal „Trinkabenteuer“ angeschoben.Eine Art alkoholische Sorgenhotline, in der er in rockstarbefreiter Atmosphäre Zuschauerfragen wie „Wie mixe ich einen Negroni“ beantwortet.

Jörg Meyer
Neue Projekte abseits der Bar-Gastronomie anzuschieben, ist für Jörg Meyer in Coronazeiten nicht nur existenzielle Pflichtübung. Es reizt ihn einfach.

Die darauffolgenden weiteren Lockdowns haben dann zu weiteren „Anschüben“ geführt. Und mittlerweile betreibt er auch einen eigenen Trinkabenteuer-Webshop. Man kann also getrost behaupten: Der nächste Hit des Mister Gin Basil Smash wird wohl ein digitaler sein! Lautet doch sein erklärtes langfristiges Ziel, eine eigene Distribution für seine Drinks aufzubauen. Schließlich produziert Meyer inzwischen exklusive Spirits und entwickelt Drinks für den Consumer-Markt. Er suche schon sehr gezielt nach alternativen Einkommensquellen, sagt Jörg Meyer. Denn in Zeiten wie diesen ausschließlich von der Gastronomie abhängig zu sein, sei ein Hochrisikospiel geworden. „In meiner idealen Welt verdiene ich zukünftig Geld mit anderen Dingen.“ Damit er unbeschwert das machen kann, was er über alles liebt: Gastronomie am Gast.

www.trinkabenteuer.de

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JÖRG MEYER
1975 in Niedersachsen geboren, absolvierte „Mister Gin Basil Smash“ eine Ausbildung im Elysée Hotel in Hamburg. 2007 gründete er mit Rainer Wendt die Bar Le Lion in Hamburg. Seit 2012 betreibt das Duo außerdem die Boilerman Bar in Eppendorf sowie zwei Ableger in den 25hours-Hotels in Hamburg und München. 2022 ist eine Boilerman-Neueröffnung in Kopenhagen geplant. Nebenbei arbeitet Meyer unter anderem gerade am Ausbau seiner Brand „Trinkabenteuer“ und am Aufbau eines eigenen Versandhandels.

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