Jeunes Restaurateurs: Neverending Passion

Die Jeunes Restaurateurs d’Europe zählen über 350 Restaurants und 160 Hotels in 15 Ländern. Alles über ihren fulminanten Aufstieg, die strengen Aufnahmeregeln und darüber, warum es unbezahlbar ist, ein Teil davon zu sein.
Mai 10, 2021 | Fotos: beigestellt

Gemeinsam stark

Die Jeunes Restaurateurs d’Europe haben sich speziell in Deutschland und Österreich zu der Gastro-Vereinigung schlechthin entwickelt. Hohe Qualitätsansprüche, Jugendförderung und ein unbezahlbares Netzwerk sind nur einige der Benefits. Wie man Teil der JRE wird und welche enormen Benefits die Mitglieder bekommen, erklären Deutschland-Präsident Alexander Huber und das österreichische Pendant Andreas Döllerer. Die JRE versuchen, verstärkt vor allem im Nachwuchsbereich Akzente zu setzen und junge Menschen zu fördern.

Wie sieht das konkret in Deutschland und Österreich aus?
Alexander Huber: Wir haben seit 15 Jahren eine Meisterklasse, in der Azubis aus JRE-Betrieben aus allen Bundesländern lernen. Das Ziel: Wir wollen unsere besten fit machen für die besonderen Anforderungen der Spitzengastronomie. Auf unserer JRE-Genussakademie, die wir mit der DEHOGA Akademie in Bad Überkingen organisieren, schulen wir jedes Jahr einen neuen Jahrgang ein. Im Corona-Jahr haben wir natürlich einmal ausgesetzt, weil es ohne Präsenz­unterricht einfach nicht möglich war, sinnvolle Inhalte anzubieten. Um solche Situationen zukünftig zu vermeiden, arbeiten wir zurzeit an der JRE-Genussakademie 2.0 mit zusätzlichen digitalen Angeboten. Wir versprechen uns davon eine echte Bereicherung für unseren Nachwuchs.
Andreas Döllerer: Wir machen unsere Masterclass in Tourismusschulen. Mich hat an den klassischen Tourismusschulen immer ein wenig gestört, dass sie viel zu wenig sachbezogen sind. Da gibt es natürlich Unterschiede, aber in der Regel können die Absolventen nach ihrer Ausbildung nicht kochen. Das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. Darum haben wir in der Tourismusschule Bad Hofgastein mit deren Direktorin einen eigenen Zweig ins Leben gerufen, die Meisterklasse Kulinarik. Diese Klasse hat einen eigenen Lehrplan mit wesentlich mehr Praxisstunden und zusätzlich kommt jeden Montag ein JRE-Mitglied als Gastlehrer in die Schule und unterrichtet. Das sind aufs Jahr gerechnet rund 20 Montage, an denen unterschiedliche Themen behandelt werden. Da fahren die Schüler natürlich voll darauf ab. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass die Schüler schon früh einen Bezug zu den JRE bekommen und sich bei der Auswahl von Praktikumsplätzen eher bei uns bewerben. Wir haben diesen Herbst den vierten Lehrgang abgeschlossen und wollen diesen in Zukunft auch weiter ausbauen, um den Schülern noch mehr Perspektiven zu bieten. Konkret gibt es jetzt die Möglichkeit, nach der dreijährigen Ausbildung noch zwei Jahre in eine höhere Lehranstalt zu wechseln und dort zu maturieren.

Es ist sinnvoll, wenn alle Betriebe die gleichen Probleme haben, denn so können wir die richtigen Schritte setzen und Probleme gemeinsam und für alle lösen.

Andreas Döllerer

Wie kann man Mitglied bei den JRE werden?
Döllerer: Man kann sich aktiv bei uns bewerben. Danach erfolgt eine interne Überprüfung, ob alle Kriterien erfüllt werden. Dazu gibt es internationale JRE-Standards, die beispielsweise das Alter betreffen. Man darf also zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 42 sein. Natürlich muss auch die Qualität des Betriebs zu 100 Prozent passen. Das machen wir zwar nicht an Punkten oder Sternen aus, da hat jedes Mitgliedsland im Prinzip freie Hand, wie hoch man die Latte legen möchte. In Österreich liegt diese sehr, sehr hoch. Wir versuchen aber, vor allem Talente früh zu erkennen und dementsprechend zu fördern. So hatten wir Mitglieder, die anfangs eine Haube hatten und mittlerweile sogar vier haben. Außerdem bezahlen wir unabhängige Tester, die in die Betriebe fahren, dort essen und ihren Bericht schreiben, den auch der Betrieb bekommt. Wenn all diese Kriterien erfüllt sind, machen wir noch eine Umfrage unter allen Mitgliedern, denn neben allen Ansprüchen sind wir eine freundschaftliche Gemeinschaft, in der es natürlich auch auf sozialer Ebene passen muss.
Huber: In Deutschland ist es ähnlich. Man kann sich also auch aktiv bewerben. Wir haben allerdings keine Tester, sondern wir schicken zwei unserer Mitglieder in den Betrieb, und zwar angekündigt. Da kommt es natürlich schon mal vor, dass extra das Silberbesteck rausgezaubert wird. Danach berät der Vorstand darüber und im Gegensatz zu Österreich gibt es auch einen sogenannten Gebietsschutz, der besagt, dass es in einem Radius von 50 Kilometern nur einen JRE-Betrieb geben darf. Wie der Name schon sagt, geht es ja auch darum, junge Köche zu fördern. Gibt es dann auch so etwas wie ein Austrittsalter? Döllerer: Ja, ab dem 50. Geburtstag werden die aktiven Mitglieder zu Ehrenmitgliedern. Darum versuchen wir auch immer wieder, junge Betriebe zu fördern, und freuen uns über jede Bewerbung.

Einer der weiteren Benefits für Mitglieder ist ja auch die gemeinsame Vermarktung einerseits der Vereinigung, andererseits aber auch der einzelnen Mitglieder. Wie finanziert sich das?
Huber: Es gibt keine eigenen Marketingbeiträge, sondern dieses Budget wird über die Mitgliedsbeiträge generiert. Wir haben Agenturen, die sich um den Markenauftritt, die gemeinsamen Aktivitäten mit den Partnern, um Social Media und die Pressearbeit kümmern. Die einzelnen Betriebe bekommen darüber auch Texte und Bildmaterial zur Verfügung gestellt, um sich besser vermarkten zu können. Natürlich veranstalten wir auch immer wieder Events oder Workshops, wie beispielsweise unser JRE-Genusslabor, bei denen mehrere JRE-Betriebe dabei sind. Aktuell versuchen wir, uns vor allem im Online-Bereich mit Kochkursen zu positionieren. Wir verbessern damit nicht nur das Standing innerhalb der Branche, sondern versuchen auch, beim Gast gut anzukommen. Nahezu unbezahlbar ist der intensive Austausch, den wir in den Ländern, aber auch europaweit miteinander haben. Gerade in Zeiten von Corona war das für unsere Mitglieder enorm wichtig.
Döllerer: Neben den vielen Benefits ist vor allem in Zeiten wie diesen der größte Benefit das Netzwerk. Das ist vor allem in puncto Mitarbeiter essenziell. Denn wir schaffen es Gott sei Dank, unsere Mitarbeiter innerhalb der JRE zu halten. Das hat für beide Seiten Vorteile, denn durch unseren hohen Qualitätsanspruch lernen die Mitarbeiter viel und sie haben bei uns auch die Möglichkeit, innerhalb der JRE in mehreren Betrieben zu arbeiten, und können so wertvolle Erfahrung sammeln.

Unbezahlbar ist der intensive Austausch, den wir in den Ländern, aber auch europaweit miteinander haben. Gerade in Zeiten von Corona war das für unsere Mitglieder enorm wichtig.

Alexander Huber

In Österreich hat man sich vor ein paar Jahren dazu entschieden, nur mehr selbstständige Köche aufzunehmen. Was waren die Beweggründe dafür?
Döllerer: Wir versuchen, die Betriebe innerhalb der Vereinigung ähnlich zu strukturieren. Der Grund, warum wir uns zu diesem Schritt entschlossen haben, ist einfach. Es ist sinnvoll, wenn alle Betriebe die gleichen Probleme haben, denn so können wir die richtigen Schritte setzen und Probleme gemeinsam und für alle lösen.

Mittlerweile ist die JRE-Plakette auch zu einem Qualitätsmerkmal für Gäste geworden, oder?
Döllerer: Ich denke schon. Daran haben wir auch hart gearbeitet und es ist der Lohn für unsere hohen Qualitätsansprüche. Wenn ein Gast einmal bei einem JRE-Betrieb zu Besuch war, bleibt dieses Erlebnis hängen.
Huber: Und beim nächsten Mal wird er vielleicht wieder zu einem JRE-Betrieb essen gehen. Das macht alles in allem das Paket der JRE unglaublich attraktiv und auch der Kosten-Nutzen-Faktor stimmt.

www.jre.eu

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